Beleuchtete Herrnhuter Sterne hängen in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne GmbH im sächsischen Ort Herrnhut. Hier werden seit über 160 Jahren die originalen Herrnhuter Sterne hergestellt. Auch in Berlin und Brandenburg sind sie in der Adventszeit an vielen Fenstern zu sehen. Foto: imago images

Kennen Sie Herrnhuter Sterne? Bestimmt, denn entweder bei Ihnen oder einem Ihrer Nachbarn hängt in diesen Wochen einer im Fenster oder am Haus. Der in unserem Fenster ist klitzeklein und rot, sein Verwandter  bei meiner Mutter noch winziger und gelb. Die Sterne aus dem ostsächsischen Ort Herrnhut gehören in kleiner oder ausladender Ausführung zur beliebtesten Weihnachtsdekoration hierzulande. Jetzt in der Adventszeit sieht man sie wieder überall still strahlen. In Berlin und Brandenburg kann man sie gar nicht übersehen - auch weil sich Kirchen gern mit ihnen schmücken.   

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Der Herrnhuter Stern soll der älteste Weihnachtsschmuck seiner Art sein. Fasziniert sind von diesem Symbol  mit seinen traditionell 25 Zacken viele Hauptstädter und Märker. Erstaunlich in einer Region, in der sich nur etwa ein Viertel der Menschen an eine der großen christlichen Kirchen gebunden fühlt. Denn der Herrnhuter Stern entstand einst im Kreis christlicher Missionare. 

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Anfang des 19. Jahrhunderts gab es diesen Schmuck zunächst in den Internatsstuben der Herrnhuter Brüdergemeinde. Dort lebten Kinder von Missionaren, die in aller Welt mit ihrer Botschaft unterwegs waren, ihren Nachwuchs aber lieber zu Hause in der sächsischen Oberlausitz erziehen ließen.    

Die Herrnhuter Sterne wurden zum Advents-Accessoire

Ein pfiffiger Erzieher erfand die räumliche Form des Sterns für Mädchen und Jungen, die es nicht so mit der Geometrie hatten. Also ließ er sie aus Papier und Pappe Körper basteln und zusammensetzen. So schreibt es zumindest die Herrnhuter Sterne GmbH auf ihrer Webseite. Die Sterne waren also ursprünglich eine simple Matheaufgabe, die sich nach und nach zum Advents-Accessoire mauserte.  

Die ursprünglichen Farben des Sterns sind Weiß und Rot, sie stehen für Reinheit und für das Blut Jesus Christus. Doch diese religiöse Entstehungsgeschichte und die Assoziation mit dem Stern von Bethlehem - das ist den meisten heute wohl schnuppe. Hauptsache, das gute Stück leuchtet schön besinnlich und bringt uns Licht ins Dunkel.  Zu DDR-Zeiten gehörten Herrnhuter Sterne zu den Dingen im Handel, die rar waren. Sicher auch, weil sie sich gut exportieren ließen. 

Irre nickende Weihnachtsmänner in Neonfarben

Was das Licht angeht, da gibt es derzeit bei Spaziergängen durch die abendliche Stadt noch viel mehr zu entdecken: romantisch beleuchtete Schwibbögen, Engel mit Kerzen in den Armen und putzige Rentiere. Sehr verbreitet auch Netze mit tausenden Lämpchen, die dem Betrachter ein Sternenambiente vorgaukeln, und Lichterketten, die sich mäandernd über Balkongeländer ziehen. Gewöhnungsbedürftiger finde ich an Lichtorgeln erinnernde rhythmisch blinkende Installationen, blitzende Tannenbäume und leicht irre nickende Weihnachtsmänner in Neonfarben.  

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Doch wem, wie mir zuweilen, die funkelnde und schimmernde Weihnachtsdeko in den Straßen der Stadt in diesen schwierigen Tagen eher aufs Gemüt schlägt, für den habe ich noch eine ganz andere Idee ausprobiert. Einfach kurz vor dem Frost noch ein paar Tulpenzwiebeln in einen Topf oder die Baumscheibe vor dem Haus stecken: Das macht Vorfreude auf jene hellen Tage, an denen die Herrnhuter Sterne schon längst wieder in die Weihnachtskisten verbannt sein werden.  

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com