Helene Fischer wird in diesem Jahr nicht ihre übliche Weihnachtsshow im ZDF geben – dafür wird sie im November bei Sat.1 zu sehen sein. Imago/Sven Simon

Dem einen oder anderen wird es ganz egal sein, wo Schlager-Star Helene Fischer in diesem Jahr ihre große Fernsehshow veranstaltet. Doch für die Verantwortlichen beim ZDF dürften einmal mehr die Alarmglocken klingeln. Das Jahr 2021 war schwierig für die Öffentlich-Rechtlichen.

Helene Fischer: Dieses Jahr nicht mit großer Show im ZDF, aber bei Sat.1

Denn auch wenn die Hintergründe nicht ganz klar sind, sicher ist: Die Helene-Fischer-Show, die als große Weihnachts-Revue seit 2013 jedes Jahr am 25. Dezember im ZDF (und zuvor zwei Jahre in der ARD) lief, wird in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Das wurde bereits Ende August bekanntgegeben.

Nachdem Helene Fischer dann vor rund einer Woche ihre Schwangerschaft bestätigte, sah alles danach aus, dass dies wohl der Grund für die Absage gewesen wäre. Doch wenige Tage später geriet dieser Erklärungsansatz arg ins Wanken, denn der Privatsender Sat.1 kündigte für den 12. November die Show „Helene Fischer – Ein Abend im Rausch“ an. Ein von Stefan Raab mitgeplanter Abend mit Musik, Gesprächen und persönlichen Einblicken.

Zwar erwarten Medien-Experten nicht, dass Helene Fischer nun komplett von ihrem bisherigen Heimsender ZDF zu den Privaten abwandert, doch mit ihrem Engagement bei Sat.1 beschreitet sie einen Weg, der exemplarisch für das Jahr 2021 war.

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Denn vor Helene Fischer warben die großen Privatsender-Gruppen RTL und ProSiebenSat.1 bereits einige bekannte Gesichter ab. Den Anfang machte Jan Hofer, der sich 2020 eigentlich von seinem Job als Tagesschau-Chefsprecher in den Ruhestand verabschiedete, nur um kurz darauf RTL bei seinem Kampf um Seriosität Pate zu stehen. Seit einigen Wochen ist er nun Gastgeber der noch immer etwas konzeptlos wirkenden Show „RTL direkt“. Immer wieder führt inzwischen auch Pinar Atalay durch die Sendung. Auch sie kam von der ARD und führte an der Seite von Peter Klöppel für RTL durch das erste Kanzlerinnen-Triell.

Pinar Atalay und Linda Zervakis (r.) im Jahr 2017. Inzwischen wechselten beide von der ARD zu Privatsendern Imago/Future Image

Linda Zervakis wechselte zu ProSiebenSat.1 und brillierte im Kanzlerinnen-Triell

Und auch eine weitere Verflossene der ARD, Linda Zervakis, war beim Triell ihres neuen Senders ProSieben im Einsatz und bekam dafür verdammt viel Lob. Die Hamburgerin, die mit Matthias Opdenhövel (ebenfalls Ex-ARD) zudem eine eigene Talkshow hat, wurde als heimliche Siegerin gehandelt – vor Baerbock, Scholz und Laschat, die sich eigentlich triellierten.

Vor allem aber auch im Vergleich mit den anderen Triells. Während die RTL-Variante mit Pinar-Atalay nur knapp abfiel, ging die öffentlich-rechtliche Variante mit Maybrit Illner und ARD-Chefredakteur Oliver Köhr richtig in die Hose. Die beiden unterbrachen sich ständig und sorgten damit für viel Spott im Netz. Und das während Atalay und Zervakis bei den Privaten geglänzt haben.

Warum gehen immer mehr Talente von ARD und ZDF zu den Privaten?

Doch wie kommt das? Experten gehen von höheren Honoraren bei den Privaten aus. Hinzu kommt gerade bei den jungen Frauen wie Zervakis und Ataly die Selbstverwirklichung. Bei der ARD waren die beiden Journalistinnen nur zwei Nachrichtenmoderatorinnen unter vielen, nach ihrem Abgang moderierten sie das Triell.

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Noch haben die Öffentlich-Rechtlichen mit Ingo Zamperoni, Jan Böhmermann oder Jana Pareigis in Information und Unterhaltung einige Aushängeschilder. Doch sie müssen sich strecken, diese auch zu behalten. Selbst dann, wenn Helene Fischer im nächsten Jahr wieder am 25. Dezember im ZDF zu sehen sein sollte.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens. Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.