Junge Menschen holen säckeweise Müll aus einem Park. Imago

Frisches Jahr, neues Glück und gute Vorsätze: Warum soll das, was ein Einzelner sich in der Zeit zwischen den Jahren für sich überlegt, nicht auch einer Stadt oder einem Bundesland guttun? Dabei habe ich noch Berlins Ex- Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Ohr, der in seinen letzten Amtstagen beteuerte, unsere Stadt sei besser als ihr Ruf. Und alle Behauptungen,  wonach Berlin „eine Stadt des Niedergangs“ oder eine „failed city“ sei, nehme er schon gar nicht mehr ernst, sagte er bei einem Streitgespräch mit Berliner Bürgern in der Wochenzeitung Die Zeit. 

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Ich überlege mir, was könnte man sich fürs neue Jahr überlegen oder wünschen, so dass Müller recht behält mit seinem positiven Berlin-Bild  und wir nicht in schöner Regelmäßigkeit zum Gespött in Talkshows und  Kabarettprogrammen aller Art werden. Nachfolgende guten Vorsätze sind mir eingefallen. Dabei soll das Virus, dessen Namen keiner mehr hören will,  ausnahmsweise mal keine Rolle spielen.   

Wie in einer Guten Stube aus den 50ern

Berliner lieben ihre Parks und Seen, heißt es gemeinhin. Wenn sie dies wirklich tun, warum sieht es manchmal in und an ihnen aus wie bei Hempels unterm Sofa. Nähme jeder nach Party oder Kindergeburtstag seinen Müll mit und kämen Berliner Stadtreinigung oder wer auch immer ein bisschen häufiger,  um überquellende Papierkörbe zu leeren, dann könnte es in unseren grünen Paradiesen so aufgeräumt sein, wie in der Guten Stube einer braven Hausfrau in den 1950ern.

Was ich mir auch wünsche, ist die Pflicht zu einem Abbiegeassistenten an jedem durch Berlin fahrenden Lkw - nicht nur für die neu zugelassenen. Das brächte hoffentlich weniger Unfälle und mehr friedliche Koexistenz zwischen Brummi-Lenkern und Radfahrern. 

Wenn ich im Sommer in der Stadt unterwegs bin, freue ich mich an den vielen bepflanzten Baumscheiben und Mini-Beeten. Es könnten noch viel mehr sein, eine Tüte Sonnenblumensamen kostet zwischen 1 und und 3 Euro und die Kerne sind schnell eingeharkt.

Bepflanztes Beet an einem Baum - Archivfoto aus der Berliner Kreuzbergstraße. Imago/Wagner

Ein bisschen Wasser ab und an und den Rest macht die genügsame Sonnenblume von allein. Dazu müsste aber abgeschafft werden, dass Grünflächenämter gegen solche Eigeninitiative vorgehen, wenn vermeintlich Gefahren von den Blumen (!) ausgehen. Gibt es keine andere Bedrohungen in dieser Stadt?    

Nicht andauernd „So eine Scheiße“

Zu Baumscheiben und Beeten passen auch die Berliner Hunde, beziehungsweise ihre Frauchen und Herrchen. Wenn sich einige von ihnen der Fäkalien ihrer geliebten Vierbeiner disziplinierter annehmen würden, gebe es weniger „So eine Scheiße“ fluchende Menschen in der Stadt.  Und damit dann gleich weniger Hundehasser. 

Berliner und Brandenburger pflegen gern ihre Vorurteile gegenüber den jeweils anderen. Eine Möglichkeit der Annäherung wäre es, wenn an schönen Sommer-Sonnen-Sonntagen nicht a l l e Hauptstädter vom See oder der Datsche zwischen 17 und 19 Uhr mit dem Auto nach Hause fahren. Da kommt dann nämlich wegen des Megastaus so mancher Märker in seiner eigenen Stadt oder Gemeinde nicht mehr von A nach B und Oma muss unbesucht bleiben. Im Gegenzug wäre es schön, wenn manche  Brandenburger Berliner nicht mehr abschätzig „Bouletten“ titulieren würden.  

Michael Müller meinte in besagtem Streitgespräch, weltweit gesehen laufe vieles auch in anderen Metropolen nicht optimal. „Nur bei Berlin hat sich das Schimpfen darüber zu so etwas wie Folklore entwickelt.“

Wie schön wär’s, wenn es dafür keinen Grund mehr gäbe.   

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com