Eine schwarze Katze am Freitag, dem 13. - das kann nur Unglück bedeuten.
Eine schwarze Katze am Freitag, dem 13. - das kann nur Unglück bedeuten. Imago/Christian Ohde

Ist Ihnen schon eine schwarze Katze über den Weg gelaufen? Verfolgt Sie gerade eine Pechsträhne? Ich frage ja nur mal so – schließlich ist heute Freitag, der 13.!

Der Zusammenschluss aus der bösen 13 als Nachfolger der guten 12 (zwölf Apostel, zwölf Monate) und dem Freitag als schwarzer Tag (der Börsencrash am  25. Oktober 1929 war so einer): Er liefert die perfekte Basis, aus diesem Tag einen Unglückstag zu machen.

Das ist doch alles Aberglaube, werden Sie sagen. Vorsicht! Auch wenn es viele nicht glauben wollen: Aus Erfahrung meine ich, dass gerade wir Menschen aus dem Osten recht abergläubisch sein können – schon aus der Tradition heraus.

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Vierblättriger Klee ist selten, daher ein Glücksbringer. 
Vierblättriger Klee ist selten, daher ein Glücksbringer.  Imago/Frank Sorge

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So habe ich meinen Lieben zum neuen Jahr Töpfchen mit vierblättrigem Klee verschenkt, damit ihnen diese Gabe Glück im neuen Jahr bringt. Meine Oma steckte sich immer am Silvesterabend eine Karpfenschuppe ins Portemonnaie, damit immer genug Geld da ist. Berliner und Brandenburger glauben, dass ein Tritt in einem Hundehaufen ebenfalls Glück bringt.

Eine Kollegin aus Sachsen verriet mir, dass in ihrer Heimat in den sogenannten Raunächten (zwischen Weihnachten und dem 6. Januar) keine Wäsche aufgehängt werden darf, sonst geschieht großes Unglück. In dieser Zeit, so glaubt man in Mecklenburg-Vorpommern, sollte man auch keine Erbsen oder Bohnen essen, da sie Unheil bringen könnte.

Der Maulwurf: Diese putzige Tierchen soll doch tatsächlich ein Bote des Todes sein - wenn man daran glaubt.
Der Maulwurf: Diese putzige Tierchen soll doch tatsächlich ein Bote des Todes sein - wenn man daran glaubt. dpa/patrick Bleul

Aberglaube: Jeder weiß, dass es Blödsinn ist - und glaubt doch daran 

In unserer östlichen Heimat zieht sogar eine Historikerin als „Schwarze Witwe“ über die Friedhöfe. Dabei erzählt sie Besuchern Geschichten über Aberglaube und Mythen zum Thema Sterben. So gelten neben Raben auch Maulwürfe als Boten des Todes, wenn sie jemanden erscheinen.

Jeder weiß, dass das alles Blödsinn ist – und dennoch schenken wir dem ganzen Hokuspokus große Beachtung. Dabei dürften wir im Osten, von denen viele einst gelernte DDR-Bürger waren, eigentlich gar nicht abergläubisch sein. Denn in meinem alten Astronomie-Lehrbuch aus der 10. Klasse stand zum Thema Astrologie dazu: „In der DDR … wird dem Aberglauben durch die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse über Natur und Gesellschaft und die Erfahrung, dass es möglich ist, das Leben bewusst zu gestalten, der Boden entzogen.“

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Aufgehängte Wäsche zwischen Weihnachten und 6. Januar - das kann Unglück bringen.
Aufgehängte Wäsche zwischen Weihnachten und 6. Januar - das kann Unglück bringen. dpa/Klose

Aber der realsozialistische Alltag sah ganz anders aus. Denn während DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn bei seinem All-Besuch richtig in die Sterne schauen durfte, wagte so mancher von uns gerne einen heimlichen  Blick in die Horoskope, die wir in den Westzeitungen fanden, die die Westverwandtschaft mitbrachte. Solche Zukunftsdeuterei gab es in den östlichen Gazetten erst weit nach der Wende.

Ein Schornsteinfeger vor den Rathauspassagen in Berlin: Da er für die Sicherheit unserer Heizanlagen sorgt, gilt er zurecht als Glücksbringer.
Ein Schornsteinfeger vor den Rathauspassagen in Berlin: Da er für die Sicherheit unserer Heizanlagen sorgt, gilt er zurecht als Glücksbringer. Imago/Hohlfeld

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In der DDR glaubten die Menschen an vieles, was die Zukunft bringen könnte. Die einen, dass der Sozialismus siegt. Die anderen, dass es in den Geschäften, wenn sich davor eine Warteschlange gebildet hatte, tatsächlich etwas besonderes an Waren gab. Bei mir hielt sich lange der Aberglaube, dass in meinem geliebten Plattenladen immer donnerstags ein Amiga-Album mit einem West-Star auf dem Kassentisch lag. Oft war dieser Aberglaube allerdings ein Irrglaube.

Glauben ist eine reine Glückssache, sagte meine Oma stets. Wie auch immer Sie es damit halten: Ich glaube, es wird für uns alle heute kein Unglücjtstag – trotz Freitag, dem 13.!

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com