Die Zeit des Röhrenbildschirms ist längst vorbei. Nur vereinzelt trifft man noch auf ihn. Imago/Westend61

Neulich bekam ich ein kleines Suchbild aufs Handy geschickt: Es war das Foto eines Hotelzimmers, dazu die Frage: „Findest du den Fernseher?“ Ich fand ihn natürlich nicht, aber ich konnte erahnen, wo er war und zwar im Spiegel. Ja, richtig gehört, der ausgeschaltete Fernseher war einfach ein Wandspiegel. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, wie flach, gebogen, geschwungen, ausfahrbar und vieles mehr Fernseher heutzutage sein können. Und doch irgendwie faszinierend bedenkt man, wo wir vor 20 Jahren noch waren …

Ich bin noch mit einem Röhrenfernseher aufgewachsen

Denn bis in die 2000er Jahre wurde unter einem Fernseher, oder einem Fernsehgerät wie einige Leute auch sagen, ein Röhrenfernseher verstanden, der sicher in keinen Spiegel gepasst hatte. Ich für meinen Teil – im Wendejahr 1989 geboren – bin noch mit den alten Geräten aufgewachsen.

Die Geräte waren würfellörmig, sie knackten immer mal wieder und sie knisterten, wenn man mit dem Finger über die Mattscheibe fuhr. Ihr zentraler Bauteil war die Bildröhre, die nach ihrem Erfinder Karl Ferdinand Braun auch Braunsche Röhre genannt wird.

So ein Röhrenfernseher (wie hier in den 1960er Jahren) nahm ordentlich Platz weg. Imago/United Archives

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Diese besteht aus einem unter Vakuum stehenden, trichterförmigen Gasbehälter, in dem Elektronen von der Kathode im hinten liegenden Bereich der Röhre in Richtung des Bildschirms und wieder zurück wandern. Der Elektronenstrahl (beim Farbfernseher sind es drei) wandert von links nach rechts und oben nach unten von hinten über den Bildschirm und erstellt so das Bild.

Auch wenn, diese Antwort meinen Physiklehrer kaum zufriedengestellt hätte: Das war im Groben und Ganzen für viele Jahrzehnte die Technik hinter dem Fernsehen. Doch nach der Jahrtausendwende begann dann eine neue Ära: Die des Flachbildschirms, die mit ihren Plasma und LCD-Bildschirmen auf dem Vormarsch waren und reichlich Platz in deutschen Wohnzimmern schufen.

In den 2000er Jahren löste der Flachbildschirm den Röhrenfernseher ab

Nach und nach wurden die dicken Röhren durch schicke Flachbildschirme ersetzt. In Deutschland wurden im Jahr 2006 erstmals mehr Flachbildschirme als Röhrengeräte verkauft. Das war der Kipppunkt. Heute sieht man die Röhren kaum noch.

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Inzwischen sind viele Röhrenfernseher auf dem Müll gelandet Imago/Gottfried Czepluch

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Vielleicht hat ein Auszubildender oder eine Studentin, die gerade von daheim ausgezogen ist, noch die alte Röhre, die seit 15 Jahren im Keller stand als Erstausstattung mitbekommen. Oder in der Küche eines Rentnerpaares steht noch eine kleine Röhre, die kaum so groß ist, wie kleiner Laptop, seinen Zweck beim Gemüseschnipseln aber durchaus erfüllt.

Den Röhrenfernseher gibt es noch in meiner Erinnerung

Natürlich gibt es den Röhrenfernseher auch noch in meiner Erinnerung an meine ersten TV-Momente, die ich gemacht habe: das Champions League-Finale 1997, als Borussia Dortmund gegen Juventus Turin gewann, oder die Original-Trilogie von „Star Wars“.

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Heute passt ein Fernseher in einen Spiegel, kann mit dem Internet verbunden werden und mir jederzeit so ziemlich alles ausspucken, was es im Fernsehen zu sehen gibt. Und während ich darüber nachdenke, dass ich das ziemlich gut finde, fällt mir auf, dass ich soeben meine allererste „Opa erzählt von früher“-Geschichte erzählt habe – wegen eines Fernsehers im Spiegel.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.