Andrea Kiewel moderiert seit Jahren den Fernsehgarten im ZDF. Auf Twitter wird sie für ihre Auftritte mit hämischen Kommentaren belegt. Foto: imago/Eibner

Es gibt sie: Die Promis und Shows, an denen man nicht vorbeikommt, weil sie einfach zu präsent sind, sie einem einfach auch im Alltag überall begegnen: auf Plakaten, in den Zeitungen, in den sozialen Netzwerken und auch in Gesprächen unter Kollegen. Aber insgesamt ist Fernsehen doch eine ziemlich freiwillige Angelegenheit. Erst recht bei der riesigen Menge an verschiedenen Sendern und Streaming-Diensten. Doch irgendwie – so scheint es – landen viele Menschen oft bei einem Programm, dass ihnen gar nicht gefällt.

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Doch oftmals bleibt es nicht bei dieser unnötigen Form von Selbstgeißelung. Dann nämlich, wenn die Unzufriedenheit in Wut umschlägt und sich in den sozialen Netzwerken Bahn bricht. Immer wieder bekommt das auch Andrea Kiewel, die Moderatorin des ZDF-Fernsehgartens, zu spüren. Die Berlinerin wird für so ziemlich jeden Atemzug angefeindet und beschimpft. Ihre Moderationen? Zu infantil! Ihre Überleitungen? Zu holprig! Ihre Outfits? Unmöglich! Und überhaupt!

„Fernsehgarten“ und Co.: Immer wieder bekommen Stars Morddrohungen

Mal im Ernst: Auch ich halte den „Fernsehgarten“ mit seiner gespielten guten Laune für völlig aus der Zeit gefallen. Mit der Musik kann ich überhaupt nichts anfangen, und dass der Bubble-Tea im Jahr 2021 noch in einem fünfminütigen Beitrag erklärt werden muss, ist völlig lächerlich. Aber ich schalte dann einfach nicht hin – und wenn ich es aus beruflichen Gründen doch tue, komme ich auch ganz gut klar, ohne Andrea Kiewel zu beleidigen.

Übrigens leidet nicht nur die „Fernsehgarten“-Chef-Moderatorin unter diesem Hass. Auch ihre Gäste und Co-Stars bekommen immer wieder ihr Fett weg. So wie der Entertainer Ricardo Simonetti. Der machte kürzlich öffentlich, dass bei ihm zahlreiche homophobe Morddrohungen eingegangen seien, die „sehr explizit und grausam“ gewesen seien.

Riccardo Simonetti hat viele Fans, allerdings wird er immer wieder angefeindet - auch als er Co-Moderator im „Fernsehgarten“ war. Imago/Future Image

Ob Andrea Kiewel auch Morddrohungen erhalten hat, ist nicht bekannt, wer sich aber in der Welt des Fernsehens etwas umguckt, muss fast davon ausgehen. Das Reality-Format „Are you the One?“ wies erst letzte Woche auf Instagram die Community darauf hin, dass das gar nicht gehe. Mehrere Kandidatinnen hatten solche Schreiben bekommen. Und auch Ex-Bachelor Andrej Mangold bekam nach seinen Mobbing-Attacken im Sommerhaus neben sachlicher Kritik auch Morddrohungen und wüste Beschimpfungen.

Es macht keinen Unterschied, ob wirklich eine Mordabsicht besteht

Dabei macht es übrigens keinen Unterschied, ob wirklich eine Mordabsicht dahintersteht, oder ob das im Frust über den eigenen miesen Tag (oder eine kaputte Fernbedienung) einfach nur dahingeschrieben wurde. Denn das wissen die Adressaten nicht. Es ist auch völlig egal, was zuvor vorgefallen ist. Morddrohungen verschickt man nicht!

Fernsehen kann so etwas Schönes sein. Man kann sich unterhalten lassen, lachen, mitfiebern – oder im Fall des „Fernsehgartens“ ein kleines bisschen neben dem Takt mitklatschen. Und wenn es einem nicht gefällt, dann bleibt nur, die ganze Wut in den Daumen zu schicken und umzuschalten.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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