Ist das Ost-Ampelmännchen eines der wenigen Dinge, die von der DDR geblieben sind? Foto: imago/Blickwinkel

Den Berliner Fernsehturm gibt es noch. Auch die Weltzeituhr steht weiterhin am Alex. In den Supermärkten haben Rotkäppchen-Sekt, Bautzner Senf, Radeberger Pilsner und Kathi-Backmischungen mittlerweile einen  festen Platz in den Regalen neben anderen Ostprodukten erobert. Und abends grüßt uns alltäglich das Sandmännchen. Dinge, die uns immer wieder an die DDR erinnern. Doch ist das alles, was von diesem Land geblieben ist, das am 7. Oktober seinen 72. Geburtstag gefeiert hätte und das es seit 31 Jahren nicht mehr gibt?

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Die Frage drängte sich bei mir auf, als ich am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, nahe dem Babelsberger Park durch Potsdam spazierte. Dort konnte ich an einer Häuserfassade noch die alte Aufschrift „Konsum“ lesen. Ihn gibt es längst nicht mehr. Hinter dem Ladenfenster hat sich auch kein anderes Geschäft breitgemacht. Die Räume werden jetzt als Wohnung genutzt.

Ein weiterer Stolperstein war das Ampelmännchen, als ich es an einer Kreuzung erblickte und von denen man zum Glück noch immer viele aufleuchten sieht. Das Lichtverkehrszeichen, das am 13. Oktober vor 60 Jahren das Licht der Welt erblickte, galt neben dem „grünen Pfeil“ in den ersten Einheitsjahren als eines der wenigen Relikte aus der DDR-Zeit, die im wiedervereinten Land übernommen wurden.

Das Wort Konsum an einer Potsdamer Hausfassade erinnert an DDR-Zeiten.  Foto: Koch-Klaucke

In jenen Tagen sah man auch noch mehr Ostdeutsche, die stolz mit ihren Trabis und Wartburgs auf den Straßen fuhren. Heute ist es schon ein Wunder, wenn man eine knatternde Rennpappe auf der Autobahn erblickt oder einen Besitzer eines Moskwitsch sieht, der vor seiner Datsche liebevoll seinen sowjetischen Oldtimer putzt. Denn die einst beliebten Ost-Autotreffen finden kaum noch statt. Liegt das an Corona? Oder schämt man sich, dass diese Fahrzeuge vor allem im Aussehen nicht gerade der große Hit waren?

Lesen Sie dazu auch: Warum uns im Osten der Abschied von City so schmerzt >>

Dabei brachten die Designer oder Formgestalter, wie sie in der DDR hießen, Dinge auf dem Papier, die gar nicht mal so schlecht waren. Ich staunte jedenfalls, als ich in dem jüngst aufgelegten Buch „Design Made in GDR“ (Verlag Das Neue Berlin) blätterte und  Bilder von Tellern, Schalen und Bechern aus Plaste sah, die in den 50er-Jahren entworfen wurden. Bunt, praktikabel, unzerstörbar und nicht teuer: Ähnliches kann man heute auch in einem Tchibo-Katalog finden.

Ein Ketwurst-Imbisstand in Berlin (2005): Sie findet man heute kaum noch. Imago

Die Originale findet man in einem DDR-Museum. Oder im eigenen Haushalt, wo sich so manches aus dem DDR-Alltag wiederfindet. Bei mir sind es Kinderbücher wie „Bootsmann auf der Scholle“ von Benno Pludra oder die Abenteuerromane von Jules Verne, die in der DDR verlegt wurden und die ich bis heute aufbewahre. Oder Amiga-Schallplatten, die ich noch immer gerne höre.

Sandmännchen und Fernsehturm gibt es immer noch. Den Wartburg bekommt man als DDR-Relikt heute seltener zu sehen. Archiv

Was blieb von der DDR? Selbst in unserer Sprache verschwindet das DDR-typische. „Urst“ oder „das fetzt“ habe ich schon lange nicht mehr gehört. „Broiler“ sagt auch keiner mehr, wenn man ein Brathähnchen am Imbisstand verlangt. Die „Ketwurst“ für einen Hot-Dog oder die „Grilletta“ für einen Burger sind längst aus unserem Sprachgebrauch verschwunden. Und ehrlich, wenn ich so etwas sagen würde, würde mein 16-jähriger Sohn denken, dass ich aus einer anderen Welt käme. 

Norbert Koch-Klaucke schreibt m KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com