Der innere Schweinehund hat uns manchmal im Griff, obwohl es genug zu tun gäbe, lümmelt man auf dem Sofa Foto: imago/Steve Brookland

Liebe Leserinnen und Leser, sind Ihnen der „innere Schweinehund“ oder die „Aufschieberitis“ bekannt? Man nimmt sich beispielsweise vor, die Wohnung aufzuräumen, die Fenster zu putzen, nach vier Monaten endlich den Keller zu entrümpeln oder die Steuererklärung fertig zu machen. Der gute Vorsatz, sich gesund zu ernähren oder regelmäßig Sport zu treiben. Da macht sich der Schweinehund besonders bemerkbar, wenn diese Dinge eigentlich gemacht werden müssten, man sich jedoch nicht aufraffen kann.

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Couch und Fernsehen statt Sport, oder Schnitzel und Schokolade statt gesunder Ernährung. Der innere Schweinehund, dieser Lump, hat tausende Ausreden! Er schlägt immer den einfacheren und gemütlicheren Weg vor. Und wir bleiben in der Komfortzone, ohne dass sich die Situation verbessert oder ändert.

Auf lange Sicht ist das Aufschieben einfach keine gute Lösung.

Gibt man dem Schweinehund nach, stellt sich dann erst mal ein Wohlgefühl ein, aber auf lange Sicht ist das Aufschieben trügerisch. Denn in der Tat gibt es Dinge, die unbedingt anzupacken sind. Wenn die Trägheit und „Aufschieberitis“ vertane Chancen hinterher noch lange im Kopf herum spuken lässt, muss man gegensteuern. Laut einer Sinus-Studie haben 82 Prozent der Deutschen schon einmal finanzielle, berufliche oder gesundheitliche Nachteile erlitten, weil sie dem Schweinehund kampflos die Kontrolle überlassen haben. Das muss aber nicht sein, man kann den Kerl überwinden!

Erstmal sollte man sich verantwortlich fühlen. Man spielt dem inneren Schweinehund direkt in die Hände, wenn man für seine Entscheidung und sein Handeln keine Verantwortung trägt. „Ich konnte nicht, weil...“ ist die Strategie Nummer Eins des niederträchtigen Schufts.

Mit diesen Tricks bekämpfen Sie den inneren Schweinehund garantiert!

„Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen....!“ – dieses Sprichwort ist meine persönliche Motivation. Im Kampf gegen den inneren Schweinehund ist es langfristig wichtig, herauszufinden, was einen persönlich antreibt, Dinge zu tun, zu denen man eigentlich nicht richtig Lust hat. Vielleicht auch die Vorstellung, wie gut es sich danach anfühlt, sich aufgerafft zu haben. 

Das ist wichtig im Kampf gegen die „Aufschieberitis“:

  • Nehmen Sie sich nicht zu viel vor! Eventuell große Aufgaben zerlegen und mit kleinen Schritten beginnen.
  • Starten Sie sofort!
  • Legen Sie ein Ziel fest!
  • Suchen Sie sich eventuell Mitstreiter, zum Beispiel beim Sport!
  • Lassen Sie keine Ausreden zu!
  • Belohnen Sie sich nach getaner Arbeit!
  • Auch bei Rückschlägen gilt: Niemals den guten Willen aufgeben!

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“: Nach diesem Motto von Erich Kästner versuche ich jeden Tag  mindestens eine unangenehme Aufgabe oder Sache zu erledigen

Woher kommt der Begriff „Schweinehund“ eigentlich?

Übrigens: Woher kommt eigentlich der Begriff „Schweinehund“? Das war im 19. Jahrhundert ein übles Schimpfwort unter Studenten. Und auch in der Politik ist das böse Wort schon mal gefallen. Gemeint war ein bissiger Mensch, der sich nicht regelgerecht sondern niederträchtig verhielt. Tatsächlich kommt das Wort „Schweinehund“ aus der Jagdsprache.

Bei der Wildschweinjagd wurden früher Hunde auf die Schweine gehetzt. Foto: imago/Panthermedia

Als man nämlich  im Mittelalter auf die gefährliche Wildschweinjagd ging, setzte man sogenannte Sauhunde oder Schweinehunde ein, die das Wild bis zur Erschöpfung hetzten und dann festhielten. Es geht hier aber nicht um einen Hund oder ein Schwein, sondern um die Faulheit. Ein wenig davon, ist vollkommen ok. Man darf auch mal ein Wochenende auf dem Sofa rumlümmeln. Obwohl lauter Aufgaben um einen herum warten.

Übrigens haben oft jüngere Menschen mehr Probleme mit ihrem„ inneren Schweinehund“. Schwierigkeiten zu meistern, sich zu disziplinieren haben wir Älteren schließlich schon unser Leben lang geübt und sind mit unsren Aufgaben gewachsen. Es ist ein schöner Lohn von Lebensmühe. Das ist doch eine gute Ansicht!

Bleiben Sie stark! Ihre Sabine Stickforth

Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag im KURIER über das Leben über 50 in Berlin.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com