Alfred Biolek und Dirk Bach kochten bei alfredissimo! zweimal zusammen. Imago/SKATA

Letztens hat mir ein Kollege ein Video zugeschickt, dass aus längst vergangenen Fernsehtagen stammt. Der Kollege stellte mit Freuden fest, dass zahlreiche alte Folgen Alfred Bioleks Koch-Promi-Talk-Show „alfredissimo!“ noch auf Youtube zu sehen sind und schickte mir die Folge mit dem Schauspieler und Moderator Dirk Bach zu. Ich habe es mir angeschaut und kann sagen: Diese halbe Stunde hat sich gelohnt!

Alfred Biolek und Dirk Bach: Dieser Clip ist ein Zeitzeugnis

Denn das „alfredissimo!“-Video war mehr als ein etwas krisseliger Internet-Clip. Es war ein Zeitzeugnis – und das nicht nur weil beide Protagonisten bereits tot sind. Biolek verstarb im vergangenen Juli, Bach bereits im Jahr 2012. Doch wer Kochfernsehen über die Jahre zumindest mit einem halben Auge verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein: die Zeiten haben sich geändert.

Während sich die Kandidaten heutiger Kochsendungen wie „Die Küchenschlacht“ oder ähnlichen Formaten mit Kreationen zu übertrumpfen versuchen, die auch in gehobenen Restaurants auf der Karte stehen könnten, hatten Alfred Biolek und seine Gäste immer wieder Mut zur Lücke bewiesen – und diese Lücke war bei Dirk Bach 1996 besonders groß.

Es sind Momente für die Ewigkeit, wie Dirk Bach zu Beginn der Folge, in der er ein Chili con Carne und Alfred Biolek Buletten zaubern wird, eine Dose nach der anderen mit einem elektrischen Dosenöffner aufschneidet und gemeinsam mit dem durchaus kochaffinen Biolek mehrere Tüten Instant-Würzmischung verschiedener Hersteller in den Topf mit zwei Kilogramm Hack schüttet. Eine „Würzorgie“ befindet Biolek, der schnell schnallt, Bachs Rezept nicht allzu ernst zu nehmen.

Biolek und Bach zwischen Kochkunst und Convenience

Und während Biolek dann doch versucht, etwas Kochkunst in die Sendung zu bringen, indem er Dirk Bach und den Zuschauern den Vorteil von gefriergetrocknetem Majoran erklärt, huscht der Gast ein bisschen aufgedreht durch die Küche und durchforstet die Schränke nach Zutaten, die er direkt in sein Chili gibt: Soßen, Gewürze, alles was er findet. Und dann rührt er mit einem riesigen Löffel im Topf herum.

Lesen Sie auch die Kolumne: Netflix-Hit „Inventing Anna“: Warum ich ein Fan der deutschen Fake-Erbin Anna Sorokin bin >>

Dirk Bach rührte bei Biolek Dosen-Ananas in sein Chili

Extra mitgebracht hat Bach hingegen Käse und Dosen-Ananas, die er auch ins Chili gibt (so lange er sich nicht auf eine Pizza legt, völlig okay) und eine Flasche Puschkin Red – ein Likör auf Wodka-Basis, der nach Blutorange schmecken soll. Biolek verzieht keine Miene, spielt das Spiel mit und allein das ist große Unterhaltungskunst. Am Ende befand er übrigens: „Mhhhhh“.

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Es sollte übrigens nicht Dirk Bachs letzter Auftritt bei „alfredissimo“ sein. Neun Jahre später war er erneut bei Alfred Biolek zu Gast und machte dort – inzwischen zum Vegetarier geworden und Autor eines fleischlosen Kochbuchs – Pizza mit Birne und Gorgonzola. Dementsprechend zeigte er sich schon deutlich sicherer in der Küche, weniger lustig war es glücklicherweise nicht.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.