Auch Faulenzen will gelernt sein. Imago/Emma Innocenti

Liebe Leserinnen und Liebe Leser,

wir gehören ja genau zu der Generation, die immer überall Arbeit und Aufgaben sieht. Wir scheuen uns nicht und sind  auch stets bereit, die Aufgaben tatkräftig zu erledigen. Nach dem Motto: „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen!“

Aber: was habe ich diesen Tag herbeigesehnt! Einen Urlaubsantrag eingereicht, Termine verschoben, Aufgaben an Kolleg*innen verteilt. Die wollten natürlich wissen, was ich vorhabe und waren sehr erstaunt, als ich ihnen antwortete: nichts. Manch eine zuckte die Schultern, ein anderer fühlte sich wohl ausgeschlossen.

Einen Tag nichts tun: Wie schwer ist das denn?

Dabei ist es die blanke Wahrheit. Ich möchte einen ganzen Tag lang gar nichts tun. Den PC nicht hochfahren. Das Handy weglegen. Keine Mails lesen, dem Fernseher mit all den schrecklichen News eine Pause gönnen, nicht einkaufen, nicht kochen. Das Leben so nehmen, wie es auf mich zukommt.

Und so versuche ich als Übung zum Start morgens lange zu schlafen. Aber pünktlich 6.30 Uhr steht der Hund vor meinem Bett und macht mir unmissverständlich klar, dass er raus möchte. Ich schlüpfe in die Jogginghose und stecke noch Geld für den Bäcker ein. Wir gehen eine große Runde und ich freue mich, dass ich nicht auf die Uhr schaue.

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Während wir so dahinschlendern, ertappe ich mich bei der Überlegung, was ich denn nach dem Frühstück so machen könnte. Ein Buch lesen? Eine wohltuende Gesichtsmaske auflegen? Nach Herzenslust shoppen? Eine Runde Qi Gong im Wohnzimmer? Aber so die richtig große Lust kommt bei keiner der Ideen auf. Das wird auch nach dem ausgiebigen Frühstück nicht besser.

Irgendwann schlummere ich einfach weg

Ich lege mich auf die Couch und blättere im Stapel Zeitschriften und den ausgerissenen Zeitungsbeiträgen, die ich unbedingt noch lesen wollte. Irgendwann schlummere ich wieder ein und fühle mich träge wie ein Faultier.

Als mein Mann am späten Nachmittag nach Hause kommt, staunt er über mein missmutiges Gesicht. Er schlägt vor, dass wir doch mal das neu entstandene Himalaya-Gebirge im Tierpark anschauen, um dort gemeinsam den Frühling zu suchen. Eine großartige Idee.

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Anschließend gehen wir essen und haben viel Spaß beim Reden. Großartig. Nun weiß ich aber immer noch nicht, ob Faultiertage wirklich glückselig machen oder doch Planung brauchen, um zu glücken. Oder sollte ich einfach an so besonderen Tagen auf meinen Mann bauen, fragt sich

Ihre ratlose

Sabine Stickforth

KURIER-Autorin Sabine Stickforth schreibt regelmäßig im KURIER über das Leben über 50 in Berlin.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com