Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke - immer wieder landen Hunde und Katzen nach dem Fest in der Kälte. Foto: imago/Frank Sorge

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür – und mit ihm auch ein Phänomen, das Tierfreunden jedes Jahr aufs Neue zu schaffen macht. Immer wieder wird gewarnt, doch auch in diesem Jahr werden zahlreiche Haustiere als Geschenke unter dem Weihnachtsbaum landen. Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hamster: Die schnelle Geschenkidee birgt Gefahren. Denn viel zu oft landen die Tiere nach dem Fest im Tierheim.

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Für Berlins Reporter gibt es jedes Jahr einen Termin im Tierheim in Falkenberg, der auch bei mir einen festen Platz im Kalender hat: Zwischen Weihnachten und Silvester werden hier die Tiere vorgestellt, die über die Weihnachtstage bei den Tierschützern landeten, weil sie abgegeben oder sogar ausgesetzt wurden. Jedes Jahr blicke ich hier in traurige Tieraugen von hauptsächlich Hunden und Katzen – während viele um den Tannenbaum saßen und feierten, endete ihr Fest in der Kälte.

Experten warnen: DARUM gehören Tiere nicht unter den Tannenbaum

Einer der Gründe: Noch immer glauben viele, dass es eine gute Idee ist, Tiere zu Weihnachtsgeschenken zu machen, wenn sich etwa der Nachwuchs einen Hund oder ein Kaninchen wünscht. Doch Experten raten von zu schnellen Entscheidungen ab. „Tiere sind keine Dinge, wie ein Pullover oder ein Spielzeug, die man leichtfertig verschenken sollte. Es sind Lebewesen mit arteigenen Bedürfnissen, die unsere Fürsorge brauchen, so lange sie leben“, sagt Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Welpe Tinka wurde zu Weihnachten 2020 verschenkt und dann ausgesetzt. Die kleine landete im Tierheim Berlin. Tierheim Berlin

Auch Sarah Ross, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“, warnt. Jedes Tier habe individuelle Bedürfnisse. „Eine Tierhalterin oder ein Tierhalter geht eine jahrelange Verpflichtung ein, diesem Bedarf nachzukommen. Dazu gehören eine ausgewogene und artgemäße Ernährung, ein angepasstes Maß an Beschäftigung und Bewegung, regelmäßige Tierarztbesuche, eine lebenslange finanzielle Verpflichtung und nicht zuletzt die Akzeptanz, dass ein Tier immer Auswirkungen auf den eigenen Lebensstil hat“, sagt sie. „Leider werden immer noch zuvor verschenkte Tiere nach den Feiertagen einfach ausgesetzt oder ins Tierheim gegeben.“

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Noch schlimmer ist daran: Es besteht die Gefahr, dass vor allem skrupellose Welpenhändler ihr Geld mit den vierbeinigen Weihnachtswünschen verdienen. Denn irgendwo müssen die süßen Haustiere ja herkommen – und wer seinen Kindern einen Hundewelpen schenken will, der läuft Gefahr, auf einen der dubiosen Tier-Dealer hereinzufallen, die ihre Hunde im Internet verhökern.

Wer Hunde als Geschenk kauft, fällt oft auf Welpenhändler herein

„Selbst hinter nett formulierten Anzeigen mit süßen Fotos oder solchen mit vermeintlichen Notfällen lauern oft kriminelle Händler, die ihr Geld auf Kosten der Hunde- und Katzenwelpen verdienen“, sagt Zeller vom Tierschutzbund. „Wer hier kauft, unterstützt den illegalen Handel und damit das Leid dieser Tiere.“

27. Dezember 2019 / Berlin / Tierheim Berlin / Ausgesetzter tiere zu Weihnachten volkmar otto

Hinzu kommt: Viele Tierheime ächzen sowieso unter dem Haustier-Boom aus der Corona-Zeit. Auch im Berliner Tierheim war der Zulauf entsprechend groß, denn einige, die sich unbedacht ein Haustier anschafften, wollten es nun wieder loswerden. Umso mehr wollen die Tierpfleger darauf achten, dass im Dezember keine Spontanvermittlungen passieren. Wer ein Tier verschenken möchte, findet hier trotzdem eine Lösung, denn: „Man kann sich auch um ein Tier kümmern, ohne es direkt unter den Tannenbaum zu setzen“, sagt Tierheim-Sprecherin Beate Kaminski.

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Wie das geht? Es gibt in Falkenberg zahlreiche Ehrenamts-Angebote, bei denen sich Tierfreunde engagieren können. „Wir suchen etwa immer wieder private Pflegestellen, in denen beispielsweise Welpen aufgezogen oder Tiere versorgt werden, die spezielle Pflege benötigen.“

Wenn sich die Corona-Lage wieder etwas beruhigt hat und das Tierheim normal geöffnet ist, werden auch Gassigänger gesucht. Und: Jeder kann Patenschaften für Tiere übernehmen, damit bei der Versorgung helfen. Das kostet pro Monat etwa 20 Euro für ein Kaninchen, 30 Euro für eine Katze, 50 Euro für einen Hund – dazu gibt’s eine Patenurkunde. Weitere Möglichkeiten unter www.tierschutz-berlin.de/ehrenamt.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com