Das Plattencover zu „Weihnachten in Familie“: Das Album von Frank Schöbel ist noch immer Kult. Amiga

Heute ist Heiligabend. Ehrlich, ein wenig fürchte ich mich vor dem Fest, das uns eigentlich Ruhe und Besinnlichkeit bescheren soll, aber im Vorfeld für viel Trubel und unnötige Unstimmigkeiten sorgt. Weil man sich etwa nicht einig wird, ob der Weihnachtsbaum nun mit nur roten oder doch lieber mit bunten Kugeln geschmückt werden soll und Lametta schon gar nicht geht.

Oder der Kampf mit dem Einwickelpapier, weil es mir wie alle Jahre wieder nicht gelingt, die Geschenke perfekt einzupacken. Dabei hatte man sich doch heilig geschworen, sich endlich nichts mehr schenken zu wollen – mit Ausnahme der Kinder. Bleibt noch die Angst, ob die festlich geschmückte Tafel auch wirklich jedem Gast gefallen wird und nicht irgendjemand grummelt, weil die Weihnachtsmusik nicht nach seinem Geschmack ist, die im Hintergrund läuft.

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Am liebsten würde ich ganz weit weg flüchten. Doch am Ende sitzen wir alle friedlich bei Kartoffelsalat und Würstchen (nein, dieses Mal gibt es Lachs dazu) an der Festtagstafel zusammen, freuen uns und merken: Es gibt nichts Schöneres als Weihnachten in Familie.

„Weihnachten in Familie“ – das meistverkaufte Album in der DDR

Vielleicht liegt es daran, dass daher die Schallplatte „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel in der DDR ein großer Renner zum Fest war und sie es auch jetzt noch immer ist. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass das Album heute wieder bei vielen im Osten des Landes aufgelegt oder sogar als Vinyl oder als CD neu unter so manchen Weihnachtsbaum liegen wird.

Frank Schöbel mit seiner damaligen Ehefrau Aurora Lacasa in einer TV-Weihnachtsshow.  imago

Die 20 Lieder, die 1985 Schöbel mit seiner damaligen Frau Aurora Lacasa und den Töchtern Dominique und Odette aufnahm, sind einfach Kult. 1,6 Millionen Platten gingen bis zum Ende der DDR über den Ladentisch und wurde damit zum meistverkauften Album des Landes. „Weihnachten in Familie“ gehört im Osten zu Weihnachten dazu, wie einst im Westen die beliebten TV-Adventsvierteiler à la Seewolf und Co.

So entstand „Weihnachten in Familie“

Wie es zu dieser Platte kam? Frank Schöbel hatte es mir einmal in einem KURIER-Gespräch erzählt. Schon 1972 erhielt der Star von der DDR-Plattenfirma Amiga das Angebot, eine Weihnachts-LP zu machen. „Doch damals wurden bei den traditionellen Liedern die Texte geändert. Für ,Jesus‘ wurde dann das Wort ,Frieden‘ eingesetzt. Ich lehnte daher diese Produktion ab“, sagte Schöbel.

Doch dann kam der Sänger darauf, eigene Lieder, persönliche Lieder zum Fest zu schreiben. Die Idee zu „Weihnachten in Familie“ war geboren. Aufgenommen wurde die LP im Frühjahr 1985. Um im Studio in Weihnachtsstimmung zu kommen, brachte Aurora Tannenzweige mit. „Wir brannten Tannennadeln, sodass wenigstens weihnachtlicher Geruch in den Räumen war“, erzählte Schöbel.

Bei der späteren Aufzeichnung der gleichnamigen TV-Sendung brachte seine damalige Frau sogar einen Schaukelstuhl, kleine Teppiche und Weihnachtsschmuck ins Fernsehstudio mit. „Viele Zuschauer dachten, dass die Sendung wirklich bei uns zu Hause produziert wurde.“

Die Weihnachtslieder von Frank Schöbel und Aurora Lacasa sind noch immer beliebt. MDR

In diesem Jahr beschert uns Frank Schöbel als Zugabe erstmals ein Buch dazu. „Fröhliche Weihnachten in Familie mit Frank“ heißt es, in dem er noch einmal die schönsten Geschichten aus seinen Weihnachtsshows präsentiert, die jahrelang im MDR-Fernsehen gezeigt wurden. Ein Tipp für alle, denen heute noch ein kleines Geschenk fehlt. Vielleicht hat ja ein Buchladen noch offen.

Und ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein schönes und friedliches Weihnachten in Familie!

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com