Wegen einer rassistischen Beleidigung flog Janina Youssefian aus dem Dschungelcamp.
Wegen einer rassistischen Beleidigung flog Janina Youssefian aus dem Dschungelcamp. RTL

Es gab eine Zeit, da galt RTL vielen als schlimmster aller TV-Sender Deutschlands. Der Satz „Geh mal RTL gucken“ galt dabei quasi als Synonym für „Du bist dumm“. Was auf dem Sender lief, wurden vielfach „Unterschichten-Fernsehen“ oder „Hartz IV-TV“ genannt. Bezeichnungen, die freilich für eben jene Menschen despektierlich waren, die selbst Hartz IV bezogen oder aufgrund von wenig Einkommen oder Vermögen zur Unterschicht gehörten. In zweiter Linie natürlich auch für die Macher liebloser oder nur auf Krawall setzender Formate. Doch das hat sich geändert.

RTL will familienfreundlicher werden – und wird dem gerecht

Über Ursache und Wirkung kann nur spekuliert werden, doch wer RTL und sein Angebot ein bisschen beobachtet hat, dürfte zu dem Schluss kommen, dass das „Sommerhaus der Stars“ im Sommer 2020 ein Wendepunkt gewesen ist. Ein Wendepunkt, der vielleicht schon einige Monate zuvor auf dem Konkurrenz-Sender Sat.1 eingeleitet wurde.

Der versuchte sich nämlich einmal mehr darin, ein Trash-TV-Format zu etablieren. Doch „Promis unter Palmen“ eskalierte komplett. Am Ende mobbten vor allem Bastian Yotta, aber auch Matthias Mangiapane und Carina Spack ihre Mitbewohnerin Claudia Oberth so sehr, dass sie freiwillig den Dreh verließ.

Das „Sommerhaus der Stars“ als Wendepunkt

Nur wenige Monate später wurde dann das „Sommerhaus der Stars“ ausgestrahlt, in dem Ex-Bachelor Andrej Mangold eine Mobbing-Crew um sich scharte und damit Eva Benetatou und ihrem damaligen Freund Chris Broy die Zeit in Bocholt zur Hölle machte. Damals reagierte RTL noch recht mittelmäßig und warf den Ex-Bachelor samt Freundin mit einer geschickten Regelauslegung aus der Sendung.

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Andrej Mangold (r.) agitierte im Sommerhaus gegen Chris Broy (l.) und Eva Benetatou.
Andrej Mangold (r.) agitierte im Sommerhaus gegen Chris Broy (l.) und Eva Benetatou. TVNow

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Doch seither ist viel passiert bei RTL. Das Jahr 2021 stand für Umbruch. Familienfreundlicher wollte der Sender werden und trennte sich dafür sogar vom einstigen Aushängeschild Dieter Bohlen. Ernster wollte man genommen werden und kaufte dafür Jan Hofer und Pinar Atalay von den Öffentlich-Rechtlichen ein, entwickelte neue Nachrichten-Formate und bekam sogar ein Kanzler-Triell.

RTL macht auch den Trash familienfreundlicher

Das neue, weniger gemeine DSDS ohne Dieter Bohlen startete zwar mit schlechten Zahlen, aber guten Kritiken. Und auch in den Trash-Formaten kam die neue Ausrichtung an. Als in der ersten Folge der lesbischen Datingshow „Princess Charming“ zwei Kandidatinnen offenbar handgreiflich wurden, zeigte RTL die Szenen nicht und warf beide Frauen aus der Show.

Das Sommerhaus 2021 kam gar mit eigenem Experten-Talk daher, um die toxische Beziehung zwischen Mike Cees und Michelle Monballijn nicht unkommentiert stehen zu lassen. Und nun reagierte RTL auch im Dschungelcamp sehr konsequent: Nachdem Janina Youssefian Linda Nobat rassistisch beleidigte, wurde sie von RTL aus der Show geworfen.

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Janina Youssefian beleidigte Linda Nobat im Streit rassistisch.
Janina Youssefian beleidigte Linda Nobat im Streit rassistisch. RTL

Nach Rassismus-Skandal zog RTL Konsequenzen und nahm eine Vorbildrolle ein

Eine Konsequenz, die noch vor Jahren kaum denkbar gewesen wäre. Das mag zwar auch daran liegen, dass die Gesellschaft langsam sensibler für Themen wie Rassismus wird, es liegt aber auch an einem Sender, der sich mitentwickelt, der es besser machen möchte als Sat.1, die bei der zweiten Staffel von „Promis unter Palmen“ lediglich Glück hatten, dass Prinz Marcus nach seinen homofeindlichen Aussagen gegenüber Katy Bähm aus der Show gewählt wurde.

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RTL wird dem Anspruch, familienfreundlicher und seriöser zu werden, immer gerechter. Und auch wenn der Kölner Sender sich nicht von heute auf morgen komplett erneuern kann, setzt er immer wieder Zeichen. Mit dem Rauswurf von Janina Youssefian aus dem Dschungelcamp zeigte RTL klare Kante gegen Rassismus und wird einer Vorbildrolle gerecht, die man bei einem Format, in dem die Teilnehmenden diverse Ekel-Prüfungen bestehen müssen, gar nicht erwartet hätte. 

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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