Eine Frau befestigt Papierfiguren in Form von Engeln an einem Band in der Nähe der Gedenkstätte der Zusammenstöße auf dem Maidan-Platz. dpa/Kukatsky

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ich fürchte das Säbelrasseln zwischen Ukraine und Russen und allen Beteiligten, das längst nicht mehr nur ein Säbelrasseln ist. Wie geht es Ihnen damit?

Bei uns, der Generation der 60-Jährigen und Älteren sind die Schilderungen der Kriegserlebnisse unserer Eltern und Großeltern noch sehr wach. Die Zerstörung von Häusern und Gärten durch die todbringenden Bombenangriffe der Flugzeuge, Panzerattacken und fürchterliche rasende Feuerwalzen durch die Keller und Straßen.

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Das Ausharren im eigenen Bombenkeller oder im Gemeinschaftsbunker mit Nachbarn. Danach Hunger und Not und Kälte. Und natürlich der Verlust von Familienangehörigen, gefallen, womöglich in den letzten Kriegstagen. Sehr traurige Schicksale und Geschichten zum Weinen! Es ist immer der „kleine Mann“, der bluten muss und dem der Krieg fast alles genommen hat. Das haben die Menschen in Ost und West gleichermaßen erlitten.

Russische Militärhubschrauber bei einer Übung. dpa/ Alexander Zemlianichenko Jr

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Die Gedanken an ein immer näher rückendes Blutvergießen lösen beidseitig nun ungläubiges Entsetzen aus bei den Ukrainern und bei den Russen. Natürlich auch bei uns Europäern. Wir in Berlin sind schließlich mittendrin. Staaten haben ihre Bürger bereits dazu aufgerufen, die Ukraine zu verlassen. Alle wissen, das könnte der größte Krieg nach 1945 in Europa sein. Und wieder werden viele Menschen ihre Heimat und Häuser verlassen, um am Leben zu bleiben.

Als einfacher Mensch fühlt man sich ohnmächtig

Aber als einfacher kleiner Bürger und Mensch fühlt man sich ohnmächtig und als Spielball zwischen Machtinteressen, Intrigen und Konflikten der Beteiligten. Wir spüren nur: Der Plan hat begonnen.

Dabei ist Politik inzwischen ein weites und schon längst nicht mehr überschaubares Feld geworden. Die ganze Welt ist durch Handel, schnelle Verkehrswege, Technologie, Kultur und Prozesse der Globalisierung zusammengewachsen. Wer da mit wem und warum „kungelt“, das durchschaue ich nicht mehr.

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Eine alte Frau geht unweit eines Kraters spazieren. dpa/Vadim Ghirda

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Jedoch ein an sich kleingewachsener Mann wie Putin mit seinem Riesenhunger nach Macht und Land ängstigt mich. Es heißt, er sei einer der reichsten Männer der Welt. Den Besitz des Palasts am Schwarzen Meer im Süden Russlands bestreitet der Oligarch. Diese Informationen stammen von einer Recherche von Alexej Nawalny, dem ja offenbar dann durch staatliche Machenschaften übelst nach dem Leben getrachtet wurde. Die riesige Jacht Putins, „Graceful“, hat er wegen der heiklen politischen Lage schleunigst aus Hamburg abgezogen. Sie wurde unlängst im Hamburger Hafen gesichtet, zwecks Restaurationsarbeiten.

Putin kommt mir vor wie ein Mafia-Boss

Wladimir Putin kommt mir vor wie der oberste Mafia-Boss. Er schafft es zwar, „seinen Laden zusammenzuhalten“. Aber von der Mafia ist ja hinlänglich bekannt, dass der Finger an einem Revolver schnell mal zuckt. Gewiss gibt es viele Menschen, die in eine ganz andere Richtung denken.

Trotzdem wünsche ich mir und mit mir bestimmt die ganze Welt, dass das Säbelrasseln an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland aufhört. Ich wünsche mir Vernunft und auch Respekt. Für die Diplomatie und das Leben unschuldiger Menschen.

Ihre Sabine Stickforth

Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag im KURIER über das Leben über 50 in Berlin.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.