Leander Haußmann, irgendwo im LSD-Viertel, Prenzlauer Berg. Benjamin Pritzkuleit

Ist es erlaubt, Witze über die Stasi zu machen? Einen Verein, der Millionen DDR-Bürger überwachte schikanierte, bespitzelte?  Über eine Institution, die im Gefängnis politische Gegner verhörte, folterte, mordete?

Klar darf man, findet Leander Haußmann, sonst hätte ja auch Charlie Chaplin nie „Der große Diktator“ über Adolf Hitler drehen dürfen. „Das Lachen der Menschen hebelt jeden Diktator aus, ganz einfach“, sagt Haußmann. „Vor nichts haben Diktatoren mehr Angst als davor, lächerlich gemacht zu werden.“

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Sagt ein Stasi-Beamter auf der Straße: „Wie beurteilen Sie die politische Lage?“ Antwortet der Passant: „Ich denke ... “ Daraufhin unterbricht der Stasi-Mann: „Das genügt - Sie sind verhaftet!“ Witze über die Stasi gibt es zu Hauf. Wie es auch Witze über Corona, Honecker, Hitler, Stalin und - heute mehr als sonst - Putin gibt. Witze erleichtern den Umgang mit dem Schrecken. Sie ermöglichen es uns, dem Negativen etwas entgegen zu setzten. Nicht umsonst haben Karikaturen als Form der Gesellschaftskritik eine lange Tradition.

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Trotz ihres realen, oft schmerzhaften Hintergrunds lassen Witze uns im Idealfall schmunzeln - und ermuntern und so, uns nicht unterkriegen zu lassen. Wie also nennt man eine weibliche Pute? – Putin natürlich.

Neuer Film von Leander Haußmann im Kino: Stasikomödie

Aber zurück zur Stasi. Leander Haußmann beendet mit dem jetzt erscheinenden, dritten Teil seiner DDR-Filme einen Reigen, der sich von der Ost-Seite der Sonnenallee über Erlebnisse in der NVA nun dem dunklen Kern der DDR auf amüsante Weise zuwendet. Dem Wirken der Stasi.

Schon die Einstiegsszene macht Laune.  Ein junger Mann steht am Leninplatz bei Rot an einer Ampel. Die Straßen ausgestorben, aber rot ist rot, und der Mann steht. Steht sehr lange. Liest zum Zeitvertreib ein Buch. Der Wind fegt, wie im Western, einen Ballen Tumbleweed über die leere Fahrbahn. Dann Drama: Ein Laster droht ein Kätzchen zu überfahren. Der Fußgänger fürchtet um das Leben des niedlichen Tierchens, aber bei Rot darf man nicht gehen. In letzter Sekunde springt die Ampel um, der Mann rennt und rettet das schutzlose Wesen.

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Im Hintergrund beobachtet der Offizier Siemens (Henry Hübchen) die Ampel und veranstaltet per Knopfdruck  eine Art Gesinnungstest. Der Staatsbürger Ludger Fuchs (David Kross) besteht  ihn und dient fortan in einer neuen Einheit gegen die NEG-DEK - die „negativ-dekadente Szene“ im Prenzlauer Berg. Fuchs tarnt sich mit einer Levi's Jeans und der Legende, Schriftsteller werden zu wollen, und bezieht Posten in einer Altbauwohnung im Szenekiez.

Stasikomödie kommt am 19. Mai in die Kinos

Der Film, der am 19. Mai in die Kinos kommt, ist eine Hommage an den Prenzlauer Berg und seine Bewohner in den 1980er Jahren.

Haußmann war damals selber Student an der Ostberliner Schauspielschule Ernst Busch und kennt die ganze bunte Mischppoke rund um den Helmholtzplatz und die Dunckerstraße genau. All die Künstler und Lebenskünstler im LSD-Viertel., benannt nach Lychener-, Schliemann- und Dunckerstraße zeigt er biografisch gefärbt, verspielt, schräg und klamaukig.

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Die „Stasikomödie“  nennt Haußmann seinen persönlichsten Film. „Unser Film feiert nicht die Stasi oder die DDR “, sagt der 62-Jährige. „Er feiert die Jugend und die Freude am Leben. Die Lebensfreude schafft sich, egal unter welchen Umständen, immer einen kleinen Spalt.“ Und dann noch dies: «Wir waren Helden, aber auf andere Weise. Wir hatten das, was die meisten Menschen haben, nämlich Angst. Und deshalb feiert dieser Film auch die Feigheit.“

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Wie in „Sonnenallee“ sind wieder Detlev Buck und Alexander Scheer dabei, daneben Jörg Schüttauf und Tom Schilling, Antonia Bill, Margarita Broich und Deleila Piasko. Und der wirklich fabelhafte David Kross, der nach monatelangem Casting als junger Antiheld Ludger Fuchs besetzt wurde.

Wie würden Sie es halten, wenn die Straße leer ist und man bis zum Horizont gucken kann?

„Dann geht man eben bei Rot über die Straße“, sagt Haußmann. „Das war einfach Usus für einen jungen Menschen im Prenzlauer Berg. Heute bleiben alle selbst bei leerer Straße an der roten Ampel stehen. Ich finde, ein ganz klein wenig ziviler Ungehorsam bringt uns weiter.“

Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig im KURIER über Berlins Kieze und den Osten.
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