Lüften und Maske gehören zu unserem Alltag in der Corona-Quarantäne. Man gewöhnt sich schnell an den neuen Rhythmus. imago/Sven Simon

In der letzten Woche hat es auch uns erwischt. Das Kitakind bohrte am Morgen mit dem Stäbchen in der Nase, zwei Striche erschienen in der Testkassette und beide Eltern hatten kurz Schnappatmung. Das Kind hüpfte fröhlich wieder in sein Zimmer und bereitete sich auf eine Woche Pferdchen spielen, toben und Fischstäbchen vor. Hab ich jetzt Corona, fragte es. Ja, wahrscheinlich, sagten wir und googelten, wo man einen PCR-Test machen konnte. Nach einer kleinen Odyssee von einer langen Schlange im Pankower Rathaus Center zu einer sehr langen Schlange in Reinickendorf und wieder zurück war die offizielle Bestätigung eines Zustands, der im Moment viele Familien ereilt, auf dem Weg.

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In der Chatgruppe der Kitakinder tauchten in den folgende Tagen Meldungen auf: Wir auch. Hier positiv. Gute Besserung. Kleine Clips zur Motivation sich etwas zu bewegen wurden geteilt Bastelanregungen, Fotos von Chaos im Kinderzimmer, Fotos vom Abendbrot. Corona tauchte den Alltag der betroffenen Familien in ein neues, irgendwie aufregendes Licht. Dann wurde es still.

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Wo kriege ich einen PCR-Test her?

Nach der ersten Aufregung und mit dem Ausbleiben schwerer Symptome stellte sich eine Art Corona-Routine ein. Wir schliefen morgens länger, seit das Schulkind am Frühstückstisch auch einen positiven Test  vorzeigte. Die zweite Runde, um an einen weiteren PCR-Test zu kommen, absolvierten wir bereits sehr versiert und trafen auf Bekannte in der Schlange.

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Eine Frau sitzt abends mit Maske an in ihrem Schreibtisch. imago/photothek

In anderen Familien geht es nicht so glimpflich ab, erfahren wir. An Sport und Fischstäbchen ist dort nicht zu denken. Eine Freundin liegt mit ihrem Kind mit hohem Fieber flach, ich bringe ihr Zwieback und Schnelltests an die Tür.

Keine Quarantäne mit Booster-Impfung

Während die Kinder nun oft noch bis mittags in Schlafanzug spielen, dürfen wir Erwachsene mit Booster die Wohnung verlassen. Das fühlt sich wie eine kleine Flucht in die Freiheit an, kaum klappt die Haustür hinter einem zu, atmet man tiefer ein.

Wir streichen die Tage ab, bis wir die Kinder freitesten können und fangen doch auch an, die Zeit zusammen zu genießen.  Doch wie mag es denen gehen, die sich um einen Arbeitsplatz sorgen, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, denen, die ganz allein mit Kindern in der Bude hocken? Denen, die stärkere Symptome haben oder Angst, sich selber anzustecken.

Omikron der große Gleichmacher 

Omikron ist in Berlin gerade der große Gleichmacher. Gleich beginnen die Winterferien, dann wollen wir wieder auftauchen aus unserer Corona-Blase, in der einem deutlich vor Augen geführt wird, was wesentlich ist. Moment mal, was, wenn wir Erwachsenen uns bis dahin auch noch anstecken? Masken raus, heißt  es von dem Moment der Erkenntnis an. Beim Kuscheln und Toben unter FFP2 wird einem warm, beim ständigen Lüften kühlen wir schnell wieder ab.

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Und so vergehen die Tage – unter der Omikron-Welle ist von den Turbulenzen an der Oberfläche wenig zu spüren. Aber dauerhaft abtauchen ist ja auch keine Option. Also, Nase zuhalten, warten bis die Welle bricht und uns an den Strand spült. Dann wärmt die Sonne den Sand, auf dem wir verschnaufen.

KURIER-Autorin Stefanie Hildebrandt erzählt im KURIER Geschichten aus Berlins Kiezen.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com