In einem Schaufenster werden Masken in vielen Farben und Designs ausgestellt.
In einem Schaufenster werden Masken in vielen Farben und Designs ausgestellt. imago/Wolfgang Maria Weber

In einer Kiste lagere ich viele bunte FFP2-Masken. Einzeln verpackt – mit gelben Sonnen, lila Röschen oder roten Mohnblumen. Gekauft bei einer vietnamesischen Händlerin auf dem Wochenmarkt. Ich finde, sie geben dem Schutz vor einer Corona-Infektion ein wenig heitere Unbeschwertheit. Im Sommer wollte ich die Kiste ursprünglich – wie schon im vergangenen Jahr – tief im Schrank verbannen. Denn in der warmen Jahreszeit verkrümelt sich das Corona-Virus. So war es zumindest in den vergangenen beiden Jahren.

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Doch derzeit gibt es offensichtlich eine Sommerwelle. Dazu muss ich mir lediglich die Corona-Tabelle im Berliner KURIER anschauen, die die Zahlen der Senatsverwaltung für Gesundheit widerspiegelt. Berlin hatte am Montag laut Robert-Koch-Institut (RKI) eine 7-Tage-Inzidenz von 453,6, Brandenburg von 433,1 und in ganz Deutschland betrug der Wert 650,7.  Aber auch im Alltag merke ich es: Zwei Freundinnen, eine Bekannte und die Schwiegermutter vom Nachbarn sind von Corona-Infektionen erwischt worden.

Die einen husten und schnupfen nur drei Tage, andere kämpfen eine ganze Woche mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und andauernd fehlendem Geschmack.  Das will ich – wenn möglich – nicht erleben. Auch um meiner betagten Mutter willen. Ich treffe sie fast täglich und könnte mir wohl nicht verzeihen, wenn ich sie anstecken würde. Das könnte ja passieren, obwohl sie mit ihren Impfungen auf der Höhe der Angebote ist.

Nur positive Corona-PCR-Tests zählen in der Statistik

Zudem hat auch das mit den Inzidenzen den einen oder anderen Haken. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Und nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik.

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Die bislang kostenlosen Bürgertests wiederum kosten nun Geld. Vermutlich wird der eine oder die andere deshalb von einem Test Abstand nehmen. Vielleicht ein bisschen nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.  Wie viele von den dennoch Infizierten dann zum Beginn der Ferienreisezeit in überfüllten Flughäfen warten oder auf ein ausverkauftes Konzert gehen – das kann niemand wissen. Ich aber würde nicht so gern mit einem unerkannten Coronavirus-Träger in einer Schlange stehen oder gar im Flugzeug sitzen.

Mit dieser Ratlosigkeit im Sinn schaue ich am Sonntagabend „Anne Will“ in der ARD. Angekündigt ist eine „Bilanz der Corona-Politik – Ist Deutschland auf die nächste Welle besser vorbereitet?“ Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verspricht in der Sendung für den Herbst ein gutes neues Infektionsschutzgesetz. Er sagt: „Wir müssen tatsächlich im Herbst besser vorbereitet sein.“ Zur Sommerwelle sagt er so gut wie nichts. Dazu fällt mir ein, dass sich einer aktuellen Civey-Umfrage zufolge fast jeder zweite  Bundesbürger (49 Prozent) eine zügige Verschärfung der geltenden Corona-Maßnahmen wünscht, 43 Prozent aber dagegen sind.

Im Herbst 2021 bittet ein Geschäft um das Einhalten von Corona-Schutzmaßnahmen.
Im Herbst 2021 bittet ein Geschäft um das Einhalten von Corona-Schutzmaßnahmen. imago/Müller-Stauffenberg

Auf der Suche nach weiteren Informationen öffne ich auf dem Handy auch meine Covpass-App, die meine Covid-Zertifikate verwaltet. Bisher gab sie lediglich an, wann ich geimpft wurde. Doch offenbar hat sie irgendwann in den vergangenen Wochen ihren Modus geändert.

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Neue Nachricht von der Covpass-App

Jetzt teilt sie etwas drohend mit: „Auffrischimpfung vor 198 Tagen“. Da ich vom 70. Lebensjahr, das als Grenze für die vierte Impfung gilt, noch sehr weit entfernt bin, weiß ich nicht so genau, was mir die App eigentlich mitteilen will. Zählt sie die Tage nur aus Spaß? Will sie mich ermahnen? Wenn ja, wozu? Fragen über Fragen. Doch eines weiß ich genau: Meine Kiste mit den griffbereiten bunten Masken muss in diesem Sommer im Flur stehen bleiben.

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com