Die Corona-Pandemie findet bei GZSZ nicht statt. Bei Dreh spielte sie aber eine riesige Rolle. TVNow

Die Corona-Pandemie ist noch immer allgegenwärtig. Natürlich haben die Impfung, ein Lockdown im Frühjahr und bedingt auch saisonale Effekte dafür gesorgt, dass wir einen relativ freien Sommer erleben durften. Doch noch immer bestimmen richtigerweise Masken und Abstandsgebote das Bild der Öffentlichkeit – auch wenn sich einige Unbelehrbare noch immer nicht (oder nicht mehr) daran halten. Doch es gibt einen Ort in Berlin, der ohne diese Schutzmaßnahmen auskommt – weil es in ihm auch kein Corona gibt: der Kolle-Kiez! Das fiktive Stadtviertel, an dem die beliebte Soap GZSZ gedreht wird.

Seit 1992 erzählt GZSZ Geschichten aus unserem Alltag

Denn es mutet schon komisch an: Da erzählt uns „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ seit 1992 zahlreiche Geschichten, die (mal mehr oder weniger glaubwürdig) aus dem eigenen Leben stammen können. Da geht es neben persönlichen Themen wie Liebe und Familie auch schonmal um reale Gesellschaftsprobleme wie Rassismus, Drogensucht, Korruption und vieles mehr. Doch um Corona geht es nicht.

Natürlich ist GZSZ nicht die einzige Film- oder TV-Produktion, in der die Pandemie keine Rolle spielt. Doch bei Filmen, die in einer anderen Zeit spielen, ist das auch irgendwie nicht so nötig, wie bei einer Daily-Soap, deren Markenkern es auch ist, ein Leben darzustellen, wie es die Zuschauer auch leben könnten. Das haben GZSZ, „Unter uns“ und „Alles was zählt“ mit Wackelkamera-Formaten wie „Berlin – Tag und Nacht“ gemeinsam.

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Doch in keinem davon spielt Corona auch nur irgendeine Rolle. Und das stört mich. Schließlich gibt es auch Beispiele, in denen die Pandemie aufgegriffen wurde. Die US-Klinik-Serie „Grey’s Anatomy“ hat Corona beispielsweise viel Raum gegeben. Ihr Vorteil: Die Sendung ist keine tägliche Serie und konnte den Plot bewusst setzen.

Bei Grey's Anatomy wurde die Corona-Pandemie thematisiert. ABC Network

GZSZ: So schwer ist es, Corona zu integrieren

GZSZ hingegen erscheint durchgängig, fünfmal in der Woche, und hat aus meiner Sicht schlicht den Moment verpasst, in dem man einsteigen könnte. Wo sollte man jetzt ansetzen? Am Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020? Oder in der aktuellen Zeit – ohne Erklärung, wie es dazu kam?

Um zu verstehen, warum der Kolle-Kiez auch im Jahr 2021 noch coronafrei ist, habe ich bei Joachim Kosack nachgefragt. Er ist Geschäftsführer von UFA Serial Drama, der Produktionsfirma von GZSZ – und bei ihm klingt es ganz pragmatisch: „Die aktuelle Lage der Pandemie auch in die Storylines zu übernehmen, scheitert schlicht auch an der Umsetzung“, sagt er. „Man könnte nicht Nähe innerhalb eines Haushaltes erzählen, ohne die Schauspieler:innen in eine dauerhafte Quarantäne zu setzen. Das wäre nicht zumutbar.“ Zudem, sagt Kosack, sei GZSZ noch immer ein Unterhaltungsformat, das „den Zuschauer:innen ein wenig Abwechslung vom Alltag ermöglichen“ will.

GZSZ und Corona: Viel bekommt das Publikum nicht mit

Zudem ist es nicht so, dass Corona in der GZSZ-Produktion keine Rolle spielt. Im Gegenteil, nur der Zuschauer bekommt es nicht mit. „Die UFA hat sich dennoch äußerst schnell nicht nur auf die Situation eingestellt und den jeweiligen Empfehlungen angemessene Maßnahmen ergriffen, sondern Hygiene- und Maßnahmenkonzepte mitentwickelt, um unter größtmöglicher Sicherheit für die Mitarbeitenden weiter produzieren zu können“, sagt Kosack.

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Und tatsächlich wurde auch vor der Kamera lange Abstand gehalten, Kuss-Szenen wurden mit Doubles (der echten Partnerin des Schauspielers) gedreht - oder aber die Darsteller begaben sich in eine Quarantäne, so wie bei der Sex-Szene von Karin und Tobias. Aber eben so, dass das TV-Publikum das nicht mitbekommt.

Diese Entscheidung ist letztendlich nachvollziehbar und aus Produktionsperspektive sicher auch sinnvoll. Ein Zeitzeugnis, was GZSZ in seinen fast 30 Jahren immer wieder auch war, sind die anderthalb Corona-Jahre jedoch nicht.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.