Ferropolis, die Stadt aus Eisen, in Sachsen-Anhalt ist die Kulisse für die zweite Staffel von Couple Challenge. Imago/Steffen Schellhorn

In jeder noch so entlegenen Ecke Deutschlands wird Fernsehen geguckt. Doch was sie da zu sehen bekommen, ist häufig auf wenige Zentren konzentriert. Da ist ganz viel Köln, ein bisschen München und für die Politik auch mal Berlin. Auch der Rest von Nordrhein-Westfalen ist regelmäßig auch in überregionalen Produktionen repräsentiert. Der Osten kommt hingegen nur vor, wenn MDR oder RBB ihre Finger im Spiel haben. Doch das scheint sich langsam zu ändern. Es wurde Zeit – und es gibt so viel mehr zu entdecken.

„Couple Challenge“ kommt aus Sachsen-Anhalt

Ich weiß ja nicht, ob sie gerade Couple Challenge gucken; ein TV-Format bei dem mehr oder weniger bekannte Stars und Sternchen in tatsächlich ziemlich herausfordernden Spielen gegeneinander antreten, um am Ende die Gewinnsumme von bis zu 100.000 Euro mit nach Hause zu nehmen. Nachdem die erste Staffel der RTL-Eigenproduktion noch in einem Steinbruch in NRW produziert wurde, ist man für die zweite Ausgabe einige Kilometer in Richtung Osten gegangen: nach Ferropolis.

Niko Griesert war als Bachelor mit seinen Kandidatinnen auf Rügen. Hier ist er mit Esther auf dem Rasenden Roland zu sehen. TVNow

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Die Stadt aus Eisen in Sachsen-Anhalt ist heute ein Industriemuseum, noch vor der Wende waren hier die Werkstätten und die Sozialeinrichtungen des Tagebaus Golpa-Nord, in dem Braunkohle abgebaut wurde, ansässig. Der Gemminer See, der durch die Flutung des Tagebaus entstanden ist, sowie der Industriecharme bilden die perfekte Kulisse für diese Spiele.

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Doch nicht nur optisch habe ich mich über diesen Umzug gefreut, sondern eben auch geografisch. Endlich eine Location im Osten, wobei „endlich“ eigentlich falsch ist, denn bei RTL ist die Entwicklung in Richtung Osten schon seit Anfang des Jahres zu beobachten. So war Bachelor Niko Griesert (die erste Staffel, die überhaupt in Deutschland gedreht wurde) mit seinen Kandidatinnen unter anderem auf der Ostsee-Insel Rügen unterwegs und fuhr dort auch mit dem Rasenden Roland.

Und auch die neue Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ mit Florian Silbereisen bezieht den Osten endlich mehr mit ein. Die Jury-Castings finden nicht etwa in Köln auf dem Rhein oder sonst irgendwie im Einzugsgebiet der deutschen RTL-Zentrale statt, sondern zur Hälfte im bayerischen Burghausen und zur anderen in der malerischen Harz-Stadt Wenigerode, die wie Ferropolis in Sachsen-Anhalt liegt.

Es passiert etwas im wiedervereinigten Fernseh-Deutschland

Es passiert etwas im wiedervereinigten Fernseh-Deutschland. Der Osten wird auch im Privatfernsehen mehr repräsentiert und das ist schön zu sehen. Und doch wird vieles, sicher auch wegen der Logistik, weiter im Kölner Raum gedreht – oder gleich ganz im Ausland, weil dort das Wetter besser ist.

Der Film „Der Vorleser“ mit Kate Winslet wurde unter anderem im sächsischen Kirnitzschtal gedreht. imago/UPIPhoto

Aber wir im Osten sind für weitere Drehs offen und haben noch viele schöne Plätze vorzuzeigen: Städte wie Wismar, Jena, Fürstenwalde oder Halle, Naturschönheiten wie den Rennsteig im Thüringer Wald, die Mecklenburgische Seenplatte, den Spreewald oder das Elbsandsteingebirge. Dorthin hat sich ja immerhin auch Hollywood schon verirrt: 2008 wurde der Film „Der Vorleser“ mit Kate Winslet unter anderem im Kirnitzschtal gedreht. Der Betreiber des Gasthauses Buschmühle, die als Kulisse diente, erzählt noch heute davon.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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