Redakteur Norbert Koch-Klaucke hat auf dem Dachboden gestöbert und alte Ost-Schätze entdeckt.
Redakteur Norbert Koch-Klaucke hat auf dem Dachboden gestöbert und alte Ost-Schätze entdeckt. privat/Vincent Koch

Wozu in die Ferne reisen, wenn man daheim eine spannende Abenteuerreise erleben kann. Es reicht, einmal auf den Dachboden zu klettern oder den Keller zu durchstöbern. Sie werden staunen, was man dort alles finden kann. Bei mir waren es Schätze aus dem Osten, die mit ihrer Geschichte durchaus bei der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ einen glanzvollen Auftritt verdient hätten.

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So war ich überrascht, als ich eine Porzellanvase mit Blumenmotiv fand, die einst meiner Oma gehörte. Das gute Stück ist zwar kein „Meißner“, aber dennoch eine Kostbarkeit, die meine Aufmerksamkeit verdiente. Denn auf dem Vasenboden war ein Stempel mit einem Wappen und dem Schriftzug „Altenburg 1811“. Ich war überrascht. Bisher war mir Altenburg in Thüringen nur als Skat-Stadt bekannt.

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Ich wollte es nun genauer wissen, bat die Chefin des Riesenflohmarktes in Karlshorst um Hilfe. Ihre Experten fanden heraus: Meine Vase stammte aus der Porzellanfabrik in Roschütz, einem heutigen Stadtteil von Gera.

Um mehr zu erfahren, telefonierte ich mit Ilka Kunze von der Stiftung Leuchtenburg in Thüringen, die ganz in der Nähe der berühmten Kahla-Manufaktur liegt, und seit 2016 auf der Burg ein Porzellanmuseum hat. Von Frau Kunze erfahre ich: Die Manufaktur, aus der die Vase stammte, befand sich auf einem Rittergut, wurde 1811 vom Herzog August von Sachsen, Gotha und Altenburg genehmigt (daher auch der Schriftzug Altenburg 1811) und existierte bis 1991.

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Unter dem Namen Porzellanfabrik Unger & Schilde wurden aus Roschützer Porzellan Vasen, Tafelgeschirr oder Kerzenleuchter hergestellt. Zu DDR-Zeiten gehörte die Fabrik zum Porzellankombinat Kahla, die vor allem Gebrauchsgeschirr für den Ostblock-Markt produzierte.

Die Ost-Vase meiner Oma hätte einen Auftritt bei „Bares für Rares“ verdient

Die Vase meiner Oma wurde in der Porzellanmanufaktur Roschütz hergestellt.
Die Vase meiner Oma wurde in der Porzellanmanufaktur Roschütz hergestellt. Koch-Klaucke

Bisher dachte ich, Sachsen wäre mit Meißen die deutsche Porzellan-Hochburg. Doch Ilke Kunze erklärt: „Thüringen ist aus meiner Sicht das Porzellanland. In keinem anderen Bundesland gab es eine solche Dichte an Firmen, die das ,weiße Gold‘ herstellten und verarbeiteten.“

Um 1900 gab es im Thüringer Raum mehr als 300 Betriebe, heute sind es nur 40.  „Tisch- und Elektroporzellane gingen von hier aus in die ganze Welt, die Hermsdorfer Porzellanfarik war Weltmarktführer für Elektroporzellane, die Kahlaer Fabrik Weltmarktführer für Tischporzellane“, sagt Ilke Kunze. „Kahla war zu DDR-Zeiten mit 18.000 Beschäftigten der weltgrößte Porzellanbetrieb.“

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Die Leuchtenburg in Thüringen beherbergt das deutsche Porzellan-Museum.
Die Leuchtenburg in Thüringen beherbergt das deutsche Porzellan-Museum. imago-images

„Bares für Rares“-Star Fabian Kahl liebt das weißes Gold aus Thüringen

Was meine Vase wert ist? Bei Ebay zahlt man für Röschützer Porzellan-Sammeltassen bis zu 200 Euro, für die Blumengefäße eher um die 30 Euro.

Vielleicht ist die Vase meiner Oma aber ein wahrer Schatz, mit dem ich lieber zu „Bares für Rares“ gehen sollte. Denn Fabian Kahl, einer der Händler-Stars aus der Show, ist Liebhaber und Experte für Thüringer Porzellane. Am 7. September ist er auf der Leuchtenburg zu Gast, verrät Ilke Kunze. Bei ihm können Besucher ihre Porzellankostbarkeiten schätzen lassen.

„Bares für Rares“-Star Fabian Kahl ist Experte für Thüringer Porzellan.
„Bares für Rares“-Star Fabian Kahl ist Experte für Thüringer Porzellan. ZDF/Frank Dicks

Ebenfalls aus Thüringen, genauer gesagt aus Ilmenau, stammt eine andere Kostbarkeit aus weißem Gold, die ich auf dem Dachboden fand. Eine Porzellanuntertasse mit Goldrand, ein echter DDR-Schatz. Denn sie ist nicht irgendeine, sondern stammte aus dem Palast der Republik. Wie sie in meinem Besitz kam, ist mir ein Rätsel. Geklaut habe ich sie damals jedenfalls nicht.

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Eine Porzellan-Untertasse aus dem Palast der Republik gehörte auch zu den Fundstücken.
Eine Porzellan-Untertasse aus dem Palast der Republik gehörte auch zu den Fundstücken. Koch-Klaucke

Dafür ist die Herkunft eines weiteren Ost-Schatzes geklärt, den ich wiederfand. Eine Spiegelreflexkamera der Marke Exa, die zu DDR-Zeiten in den 50er-Jahren in Dresden hergestellt wurde, und die ich neben alten Mosaik-Heften einem Karton fand. Sie gehörte meinem Patenonkel, mit ihr habe auch ich so manche Fotos geschossen.

Die Exa-Kamera meines Patenonkels, sie wurde in den 50er-Jahren in Dresden hergestellt.
Die Exa-Kamera meines Patenonkels, sie wurde in den 50er-Jahren in Dresden hergestellt. Koch-Klaucke

Für die Kamera würde ich bei Ebay etwa 80 Euro bekommen. Gut, das ist nun keine Riesensumme. Aber es lohnt sich dennoch, daheim einmal nach alten Ost-Schätzen zu stöbern, um beim Nachforschen mehr über ihre Geschichte zu erfahren.

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com