Eine vollgesogene asiatische Tigermücke sitzt auf einem Arm. imago/Panthermedia

Buddeln, harken und pusseln im Garten. Die Lust daran wächst mit steigenden Temperaturen. Aber zwei Meldungen aus diesem Frühling verunsichern mich und vergällen mir etwas die Freude am Harken, Graben und abendlichen Grillen. Ich habe den Eindruck, es könnte gefährlicher werden in den Gärten von Hauptstadt und Mark.

Zum einen ist die Asiatische Tigermücke jetzt offenbar schon eine echte Berlinerin. Diese aus Südostasien stammende Mücke wurde in einer Kleingartenanlage in Treptow-Köpenick gesichtet. Bekannt wurde das zwar erst jetzt (KURIER berichtete).  Aber gefunden und identifiziert worden sind die Exemplare dieser Art bereits im vergangenen Spätsommer. Es ist anzunehmen, dass sich ihr Nachwuchs inzwischen in der Hauptstadt bestens eingerichtet hat. Der warme Winter wird ihm gut getan haben.

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Das Besondere an der modisch ganz up to date im Leo-Look daherschwirrenden Mücke ist, dass sie im Gegensatz zu den uns sonst piesackenden Arten tropische Krankheiten übertragen kann. Das sind etwa das Dengue-Fieber, aber auch Chikungunya-, Zika- oder West-Nil-Viren. Dazu muss sie zwar erst jemanden stechen, der tatsächlich mit einem dieser Viren infiziert ist, aber vertrauenerweckend klingt das alles nicht. Deshalb werden die Kleingärtner in der betreffenden Anlage jetzt im Umgang mit der auch Tigermoskito genannten Mücke von Experten geschult. Ziel: Sie soll sich hier nicht dauerhaft breit machen.

Die Asiatische Tigermücke ist stechfreudig und flugfaul

Zu uns gefunden hat die Mücke, weil es auch in den heimischen Breiten immer wärmer wird. Laut Wissenschaftlern ist die Einwanderin zwar sehr stechfreudig, aber etwas flugfaul.  Was dann auch gleich einen User auf der Facebook-Seite vom KURIER zu der Frage anregte, "... wie kommt die denn nach Berlin?". Das habe ich mich auch gefragt, las dann aber, dass die Mücke so reist, wie wir und unsere Waren: meist motorisiert.

Doch die Faulpelz-Mücke allein ist es nicht, die mir Unbehagen bereitet. Da wären auch noch die überall drohenden blutsaugenden Zecken. Und nun sind in Brandenburg laut Robert-Koch-Institut (RKI) gerade drei Landkreise zu FSME-Risikogebieten erklärt worden: Oder-Spree, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße. Das heißt, die ortsansässigen Zecken können  Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, eine Hirnhaut- beziehungsweise  Gehirnentzündung. Zwar liegt das Gärtchen meiner Familie im brandenburgischen Norden, aber man weiß ja, dass Reisende sich schwer aufhalten lassen.

Die Raupe eines Buchsbaumzünslers sitzt zwischen Blättern eines befallenen Strauchs. imago

Der gefräßige Buchsbaumzünsler macht es sich in der Hecke gemütlich

Wie schnell sie kommen könnten, ahne ich, seitdem bei uns der gefräßige Buchsbaumzünsler in die Hecke eingezogen ist. Der aus den Tropen und Subtropen Asiens stammende Schmetterling sieht zwar wunderhübsch aus, aber sein Nachwuchs verdient den Namen Raupe nimmersatt. Unermüdlich frisst sie sich durch die Blättchen der Sträucher. Seit geraumer Zeit fechten wir unseren persönlichen Kampf mit dem Zünsler aus. Natürlich ganz ökologisch. Aber wenn ich mir die Hecke mit ihren teils traurig-braunen Blättern so ansehe, kann ich nicht sagen, dass unsere Bemühungen von einem wie auch immer gearteten Erfolg gekrönt sind.

Nun rät der NABU in der Buchsbaum-Frage neben naturverträglichen Mitteln dazu, sich beispielsweise mit Spatzen gutzustellen. Denn sie verputzten inzwischen ganz gern mal Zünsler-Raupen. Man solle ihnen etwa einen Nistkasten bauen und im Sommer regelmäßig ein Schälchen mit Wasser hinstellen. Obacht, denke ich mir an dieser Stelle, denn ich vermute: Dieses stehende Wasser könnte wiederum zum idealen Brutgewässer für die anfangs erwähnte Asiatische Tigermücke werden...

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com