Vier Hunde-Opis und Katzen-Omis suchen im Tierheim ein neues Zuhause. Hier: Camillo (l.) und JoJo. Tierheim Berlin

Diese Bilder zerreißen einem das Herz! Vor einer Woche berichtete ich im Rahmen meiner Kolumne über die tragische Geschichte von Tier-Opa Felix. Im Alter von 18 Jahren wurde der Kater krank im Tierheim in Falkenberg abgegeben, starb dort nach kurzer Zeit – er wurde von seinen Besitzern entsorgt, nachdem er sein Leben lang glaubte, in einer liebevollen Familie zu leben. Doch als er nicht mehr funktionierte, als seine Krankheit zuschlug, verschwand auch die Liebe.

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Felix wurde inzwischen beigesetzt – ein Bild, das die Tierschützer auf Facebook posteten, zeigt Blumen und Fotos des Katers auf einem Grab auf dem Tierfriedhof. „Der Tod bedeutet nichts, er zählt nicht. Ich bin nur nach nebenan gegangen, nichts ist geschehen. Alles bleibt genau, wie es war. Ich warte nur auf Euch, gleich um die Ecke - für eine kleine Weile ...“, schreiben die Pfleger dazu. „Mach's gut Felix.“

Ich verstehe noch immer nicht, wie es zu so etwas kommen kann. In meiner Gedankenwelt hat, wer sich für ein Haustier entscheidet, nicht nur die Freude am Tier auf seiner Seite, sondern auch ein großes Päckchen Verantwortung! Es ist mir ein Rätsel, wie man es übers Herz bringen kann, einen so alten Kater einfach zu verstoßen, ihn im Tierheim abzuliefern. Felix wurde im Alter unsauber, sicher eine Belastung für die Halter. Aber: Die Tierärzte diagnostizierten einen Harnwegsinfekt, den man vielleicht hätte behandeln können, wenn man sich früh genug gekümmert hätte.

Unzählige Tier-Senioren warten in Tierheimen auf ein neues Zuhause

Felix ist nun nicht mehr da, leider – seine Geschichte wird kein Happy End mehr haben. Viel ärgerlicher ist jedoch: Unzählige Tier-Senioren warten in Deutschlands Tierheimen auf ein neues Zuhause. Sitzen teilweise seit Wochen, Monaten, Jahren in Katzenhäusern und Zwingern, inspizieren mit traurigen Augen die Besucher – auf der Suche nach neuen Herrchen oder Frauchen. Der Jugendwahn greift eben leider auch im Haustier-Bereich um sich: Wer sich Hund oder Katze anschaffen will, wählt ein Jungtier. Und das kurbelt das Geschäft der illegalen Welpenhändler an.

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Dabei sind, das sagen auch die Experten der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, ältere Haustiere jene mit Charakter – und sie sind oft schon deshalb einfacher zu betreuen, weil die Erziehung bereits abgeschlossen ist „Das Tier bringt im besten Fall bereits ein Maß an Ausbildung mit und kennt – im Fall von Hunden – Grundkommandos wie ,Sitz´, ,Platz´, ,Bleib´ sowie locker an der Leine zu laufen“, sagt Sarah Ross, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“.

Camillo wartet im Tierheim auf ein neues Herrchen oder Frauchen. Kontakt: tiervermittlung@tierschutz-berlin.de. Tierheim Berlin

Noch dazu können ältere Tiere ein Ruhepol sein, weil sie häufig keine so umfangreiche Betreuung mehr benötigen wie junge Hunde oder Katzen. Und: „Ältere Tiere haben die wunderbare Fähigkeit, sich an vermeintlich kleinen Dingen zu erfreuen. Sie genießen gutes Futter, ihr eigenes Plätzchen, Ruhe und die pflegende Aufmerksamkeit ihrer Menschen“, sagt Ross. „Die Reife und das ruhige Naturell eines Seniors sorgen für ein entspanntes Zusammenleben. Nicht selten werden Halterinnen und Halter von ihrem Senior mit tiefer Dankbarkeit und Liebe überschüttet.“

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Also: Wie wäre es mit einem Hunde-Opi oder einer Katzen-Omi? Geben Sie den Tier-Senioren, die in Falkenberg auf ein neues Zuhause warten, eine Chance! Wie die beiden Langhaar-Kater Noki und Pupi, 16 und 15 Jahre alt. Sie fühlen sich im Tierheim nicht wohl, können Streicheleinheiten etwa nicht richtig annehmen. „Das liegt sicher am ungewohnten Umfeld und wird sich hoffentlich schnell legen, wenn sie wieder ein eigenes Zuhause haben“, heißt es vom Tierheim. Sie haben beide gesundheitliche Einschränkungen, werden aber lebenslang im Tierheim kostenlos behandelt.

Moki und Pupi sind zwei wunderschöne Langhaarkatzen, die mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Kontakt zum Samtpfötchenhaus des Tierheims: 030 76 888-121. Tierheim Berlin

Oder Boycat und JoJo: Das Katzen-Duo landete im Tierheim, weil der Besitzer verstarb. „Boycat ist anfangs schüchtern, aber eigentlich ein liebenswerter, zutraulicher Schmusebär. JoJo ist noch ängstlich und zieht sich im Tierheim eher zurück“, heißt es. „Für Boycat und JoJo suchen wir eine gemütliche Wohnung mit gesichertem Balkon und fürsorgliche Zweibeiner mit etwas Katzenerfahrung.“

Auch Hunde warten voller Sehnsucht auf neue Herrchen und Frauchen

Aber auch Hunde warten voller Sehnsucht auf neue Herrchen und Frauchen! Etwa Camillo: Der Rüde (14) hat Schwierigkeiten damit, Vertrauen aufzubauen – aber wenn es klappt, verschenkt er sein Herz! „Für die meisten Hunde ist ein Besitzerwechsel sicher nicht einfach – aber für einen, der sein Herz so absolut bewusst verschenkt wie Camillo, wäre ein Hin und Her wirklich eine Katastrophe“, heißt es dazu.

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„Solch eine enge Bindung ist wunderbar, aber eben auch eine große Verantwortung, deshalb ist es uns sehr wichtig, dass sich sein zukünftiges Herrchen oder Frauchen die Zeit nimmt, ihn im Tierheim in Ruhe kennenzulernen.“ Ich hoffe, dass einige der älteren Bewohner des Tierheims bald ein neues Zuhause finden.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com