Peter Lustig wusste worauf es beim Fernsehen ankommt: Aufs Abschalten.
Peter Lustig wusste worauf es beim Fernsehen ankommt: Aufs Abschalten. Imago/United Archives

Am Dienstag ist es so weit: Den Meteorologen gilt der 1. März bereits als Frühlingsanfang. Diesen Strohhalm nehmen wir doch gerne. Denn hinter uns liegen wieder einmal harte Monate. Zum alljährlichen Winter gesellten sich diesmal gleich zwei Corona-Wellen, eine mit Delta, eine mit Omikron. Viele Menschen reduzierten ihre Kontakte und blieben öfter zu Hause als üblich. Dort wartete oft der Fernseher. Doch damit ist jetzt bald Schluss.

Im Frühling ist der Fernseher viel weniger an als im Winter

Ich bin wirklich für viele Arten von Fernsehen zu begeistern: Gute Filme, spannende Serien, Sport-Übertragungen, manchmal auch politische Talk-Shows, Nachrichten sowieso und dann meine gar nicht so heimliche Leidenschaft: das Trash-TV.

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Schneeglöckchen künden vielerorts den Frühling an.
Schneeglöckchen künden vielerorts den Frühling an. Imago/Pixel

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Doch im Frühling sieht das irgendwie anders aus. Wenn die Tage anfangen, länger zu werden, hier und da ein Busch oder ein Baum anfängt Knospen zu tragen, wenn die Pollen fliegen und ich deswegen niesend in das Konzert der Vögel einsteige, will selbst ich nicht mehr so gerne vor der Glotze hocken.

Auch in den warmen Monaten läuft der Fernseher, aber dosierter

Während sich im Herbst meine Zeit vor dem Fernseher jedes Jahr erhöht, sinkt sie im Frühling immer wieder ab. Ich gehe draußen spazieren, trinke vor dem nächsten Späti mit Freunden ein Bier, gehe joggen, lese im Park ein Buch, fahre Rad und befreie mich ein bisschen von der Trägheit, aber auch der nicht zu leugnenden Gemütlichkeit des Winters. Und so scheint es vielen zu gehen.

Das heißt nicht, dass ich von März bis September den Fernseher nicht einschalte. Das wäre glatt gelogen. Ich schaue lediglich dosierter, weil es weniger Situationen gibt in denen Fernsehen die einzige Alternative ist. Manchmal bin ich sowieso unterwegs, manchmal habe ich mehr Lust, eine Runde Klettern zu gehen – und manchmal muss ich mich auch durchringen den Fernseher auszulassen, aber es gelingt mir.

Peter Lustig und das Verhältnis zum Fernsehen

In diesen Momenten denke ich dann wieder an einen Fernsehhelden meiner Kindheit: Peter Lustig. Der nette, ältere Herr aus dem Bauwagen erklärte mir einige Jahre lang im Fernsehen die Welt, nur um mir am Schluss jeder Folge seine wohl wichtigste Lektion mitzugeben: „Abschalten.“

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Irgendwie kam es immer paradox vor, dass Peter Lustig einen immer erst 30 Minuten vor dem Fernseher fesselte und dann erklärte, wie wichtig das Abschalten sei. Aber eigentlich ist es ganz logisch. Fernsehen gucken an sich ist überhaupt nichts schlimmes, man muss nur wissen, wann Schluss ist. Und das fällt mir im Frühling einfach viel leichter als im Winter.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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