Diese Großmutter hilft ihrem Enkel beim Ausschneiden eines Weihnachtssterns. Der Umgang mit einer Schere will gelernt werden.
Diese Großmutter hilft ihrem Enkel beim Ausschneiden eines Weihnachtssterns. Der Umgang mit einer Schere will gelernt werden. Imago/allOver-MEV

Liebe Leserin und lieber Leser,

die Adventszeit ist für viele Menschen eine der schönsten im Jahr. Zeit, Muße und Anlass, mit den Händen schöne Dinge zu basteln.

„Bring mir doch bitte deine leeren Klorollen mit“, bat mich meine Freundin Betti schon zu Zeiten, in denen wir noch Flipflops an den Füßen hatten. Ein paar Wochen später brachte sie aus dem Wald nicht nur Maronen- und Steinpilze mit, sondern auch allerlei Zapfen, Zweige und Moos. Auf meinen fragenden Blick kam der Betti-Satz: „Weihnachten kommt schneller als du denkst“. Stimmt. Die Adventszeit ist da und so verwandelt sich Bettis Küche an zwei Wochenenden in eine große Bastelstube, sozusagen eine Außenstelle des Weihnachtsmanns, und ihre beiden Enkelkinder (5 und 7 Jahre alt) sind gut gelaunte und hoch motivierte Assistentinnen.

Basteln ganz ohne teure Materialien

Um teure Bastelmaterialien aus dem Fachgeschäft macht Betti einen Bogen. Stattdessen sammelt sie alles, was irgendwie zum Basteln geeignet ist: Stoff-, Woll- und Holzreste, Schmierpapier, Pappe, Muscheln vom letzten Urlaub, Schmuck, den niemand mehr trägt, gebrauchtes Geschenkpapier und -band, Spielperlen … Ich habe inzwischen gelernt, dass diese zweite Chance für Dinge aller Art Upcycling heißt. Na gut, dann hat das Sinnvolle auch noch eine schicke neue Bezeichnung.

Da strahlt der kleine Knirps beim Kritzeln und Schnippeln für die Weihnachtsdeko.
Da strahlt der kleine Knirps beim Kritzeln und Schnippeln für die Weihnachtsdeko. IMAGO/Westend61

Die große Krimskrams-Kiste ist eine wahre Fundgrube für das Bastel-Trio. Los geht es meist mit den Weihnachtskarten, die die Familie noch ganz altmodisch und analog versendet, und den Geschenkanhängern. Da wird geschnitten, geklebt, gemalt, verziert. Die Zeit vergeht wie im Flug und zum Schluss stehen alle um die kleinen Meisterwerke. Na gut, alles gelingt nicht, aber wer vermisst schon Perfektion, wenn so viel Mühe, Einfallsreichtum und Spaß am Start sind. Bei den nächsten Bastel-Aktionen entstehen Fensterdeko und natürlich die Geschenke für Mama, Papa und die Großeltern väterlicherseits. Ich bekam im vergangenen Jahr Weihnachtssterne aus Ästen, deren Früchte aus kleinen roten Wollknäulen bestanden. Die habe ich aufgehoben und werde sie in diesem Winter wieder ins Fenster hängen.

Nach dem Basteln wird gebacken

Am 4. Advent backen die Drei immer Plätzchen. Ich nehme an, sie wählen den Termin, weil die leckeren Kekse dann eine Chance haben, bis Weihnachten zu überleben. Beim gemeinsamen Verzieren der Plätzchen – darunter gebackene Schnee- und Weihnachtsmänner – laufen Betti und die zwei Mädchen immer zu ganz großer Form auf. Und ein paar kleine Tüten zum Verschenken entstehen fast nebenbei.

Engel und Weihnachtsmann gebastelt aus Klorollen.
Engel und Weihnachtsmann gebastelt aus Klorollen. imago/ Stefan Rotter

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Aus den Klorollen wurden übrigens lustige Weihnachtswichtel für die Tischdeko. Und wer immer noch meint, dass Kinder nichts mit sich anzufangen wissen, wenn Handy oder Tablet nicht verfügbar sind, dem empfehle ich einen Nachmittag mit Betti. Oder einfach mal daran erinnern, wie wir früher gebastelt haben. Schere, buntes Papier, Pinsel, Leim und Stoffreste finden sich in fast jedem Haushalt. Das wäre immerhin ein guter Anfang,

meint
Ihre Sabine Stickforth

KURIER-Autorin Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag über das Leben über 50 in Berlin.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.