Die Zufahrt zum einstigen Kabelwerk von der Friedrichshagener Straße. Rechts und links die großen Fabrikationsgebäude, die wiederbelebt werden sollen. Im Hintergrund verläuft die Müggelspree.
Die Zufahrt zum einstigen Kabelwerk von der Friedrichshagener Straße. Rechts und links die großen Fabrikationsgebäude, die wiederbelebt werden sollen. Im Hintergrund verläuft die Müggelspree. GL

Der Fernfahrer Thomas Eberbeck wohnt sehr schön nahe der Müggelspree, wo östlich der Salvador-Allende-Straße nach 1990 etliche Neubauten entstanden sind. Im Umfeld allerdings wundert er sich über zwei Gebiete, die nicht gerade zur Verschönerung des Stadtbilds beitragen. Das eine ist das ruinöse ehemalige Kabelwerk Köpenick, das andere der sogenannte Bullenacker.

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Von allen Seiten sichtbar und unansehnlich ist das einstige Kabelwerk, das seit drei Jahrzehnten leer steht - Kabel-Produktion findet jetzt auf der anderen Seite der Friedrichshagener Straße statt.  Zwischen den einstigen Fabrikgebäuden und der Müggelspree zieht sich ein breiter, leerer Streifen. Er reicht bis zum aus Bestandsbauten des einstigen Filmwerks und neuen Häusern entstandenen Wohnviertel „Am Krusenick“. 

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Das Dach der früheren Poliklinik des Kabelwerks Köpenick ist eingestürzt.
Das Dach der früheren Poliklinik des Kabelwerks Köpenick ist eingestürzt. GL

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900 Wohnungen neben dem Kabelwerk Köpenick geplant

Und tatsächlich sollen auch hier gebaut werden. Das Gelände gehört nach mehreren Eigentümerwechseln der Deutschen Wohnen, die hier 900 Wohnungen schaffen will. Der Bebauungsplans (9-53) ist aber noch in Arbeit. Die teilweise denkmalgeschützten Gebäude sollen, so berichtet das Bezirksamt, „zumindest teilweise saniert“ werden.

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Das leere Gelände zwischen Kabelwerk Köpenick und Müggelspree. Im Hintergrund die Salvador-Allende-Brücke.
Das leere Gelände zwischen Kabelwerk Köpenick und Müggelspree. Im Hintergrund die Salvador-Allende-Brücke. GL

Das Bebauungsplanverfahren samt Beteiligung der Öffentlichkeit sei notwendig, weil die früheren gewerblichen Nutzung Wohnbebauung nicht erlaubt. Im B-Plan werde jetzt geklärt, wie hoch und wie dicht das Grundstück bebaut werden darf, wie man es erreicht wie der bislang nicht vorhandene Uferweg geführt wird.   „Geplant ist die Revitalisierung der brachgefallenen Fläche, die Sicherung und Umnutzung von Teilen der bestehenden Denkmalobjekte des ehemaligen Kabelwerkes und Ergänzung mit Neubauten, die Umsetzung einer Grünverbindung und die Errichtung einer öffentlichen Grünfläche mit Kinderspielplatz sowie einer Kita.“

Büros, handwerklich geprägtes Gewerbe und Lokale könnten und auch die Kita könnten in die beiden großen Fabrikationsgebäude einziehen, auch Lofts für sehr große Wohnungen sind angedacht.

Auf dem Gelände der Filmfabrik nebenan entstanden Wohnungen 

Entlang der Müggelspree könnten Häuser ähnlich derer Am Krusenick gebaut werden, entlang der Friedrichshagener Straße  langgestreckte Gebäude. An der Ecke Friedrichshagener / Salvador-Allende-Straße,  wo jetzt noch Gelände für die letzten Arbeiten am Neubau der Salvador-Allende-Straße genutzt wird, ist ein Hochhaus ins Auge gefasst.

Wann das alles in Angriff genommen wird, ist ungewiss, das Bezirksamt erklärt: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine Aussage zum Baubeginn oder gar zum Fertigstellungstermin getroffen werden.“ 

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Einigermaßen fassungslos steht Thomas Eberbeck in den Resten des Obdachlosen-Camps. Sogar ein Rollator ist zurückgeblieben.
Einigermaßen fassungslos steht Thomas Eberbeck in den Resten des Obdachlosen-Camps. Sogar ein Rollator ist zurückgeblieben. GL

Noch undeutlicher ist die Zukunft des „Bullenackers“ auf der anderen Seite der Müggelspree östlich der Salvador-Allende-Straße und von dort aus wegen eines langgestreckten Hausriegels gegenüber einer Lidlstraße nicht zu sehen. 

Elendsquartier auf Köpenicks „Bullenacker“

Eingerahmt von Wohnhäusern, einer Laubenkolonie und dem Amtsgraben, ist das lückenhaft eingezäunte Wäldchen im Besitz Berlins. Ein etwas unheimlicher Ort, auf dem Betonmauern, zusammengeschobene und bemooste Baureste, Altreifen, rätselhafte Hügel und verlassene Obdachlosencamps zu finden sind. 

Thomas Eberbeck berichtet, dass hier vorwiegend Männer im vergangenen Sommer gehaust und auch gekocht hätten und öfter einmal vom Ordnungsamt, das ganz in der Nähe seinen Sitz hatte, aufgesucht wurden. „Die Leute sind dann offenbar fluchtartig verschwunden“, berichtet der Fernfahrer. Ansonsten würde das Areal vor allem von Hundebesitzern genutzt, die hier ihre Tiere ausführen.

Eine kurze Hose und ein T-Shirt hängen auf einer zwischen Bäumchen gespannten Leine.
Eine kurze Hose und ein T-Shirt hängen auf einer zwischen Bäumchen gespannten Leine. GL

Schuhe, Kleidung, Schlafsack, Müll, viele leere Wodkaflaschen und offenbar amtliche Briefe blieben zurück, an einer zwischen Bäumchen gespannten Leine hängen noch eine Hose und ein T-Shirt. 

Das Bezirksamt erklärte dazu, in Teilen handele es sich um ehemalige Becken, die industriell genutzt und dann zugeschüttet wurden. In den darauffolgenden Jahrzehnten hat sich „Sekundärvegetation“ angesiedelt, so dass mittlerweile ein Wald im Sinne des Waldgesetzes entstanden ist.

Seit Jahrzehnten wächst ein neuer Köpenicker Wald 

Wie lange dieser Wald schon wächst, zeigen die Bäume, die durch das Wrack eines Lkw-Anhängers hindurchgewachsen sind: Zu beseitigen wäre er nur, wenn die Bäume gefällt oder der Rahmen in Stücke geschweißt würde.

Ein bemooster Lkw-Anhänger, durch dessen Rahmen Bäume gewachsen sind. Dahinter ist ein Hügel aufgeschoben, türmen sich Betonteile.
Ein bemooster Lkw-Anhänger, durch dessen Rahmen Bäume gewachsen sind. Dahinter ist ein Hügel aufgeschoben, türmen sich Betonteile. GL

Im Rahmen einer Infrastrukturstudie für das Allende-Viertel sieht das Bezirksamt für die Entwicklung der Fläche einige Möglichkeiten. Unter anderem könnte die Waldfläche könnte gesichert werden, am Rand wäre Wohnbebauung möglich. Der Grünzug am Amtsgraben wäre verlängerbar, es könnten Freiflächen für Jugendliche entstehen, was allerdings ein sehr wolkiges Vorhaben ist.

Im Boden des Bullenackers dürften Altlasten liegen

Ehe das passiert, müssen sich die Köpenicker noch gedulden. Das Bezirksamt: „Geplant ist die Durchführung einer vertiefenden Studie, um die bestehenden Detailfragen zur geplanten Nutzung der Fläche zu beantworten.“

Denn man muss wohl davon ausgehen, dass Altlasten vorhanden sind und beseitigt werden müssen. Geklärt werden müsse auch, wie man unter Einbeziehung der Köpenicker Bevölkerung die geplante Freiraumnutzung und Öffnung des eigentlich gesperrten Areals mit dem Schutz des entstandenen Waldes in Einklang bringt.