Auch in diesem Sommer erwarten Meteorologen hohe Temperaturen.   Foto: Sven Hoppe/dpa

Es wird warm, wie schön! Es wird heiß, wie gefährlich! Wetter- und Gesundheitsexperten warnen vor dem Hitzesommer 2020 in Corona-Zeiten, er könnte Rekorde brechen. Städte und Gemeinden auf der Nordhalbkugel der Erde müssen sich spätestens jetzt auf kommende hohe Temperaturen vorbereiten, so die Weltwetterorganisation WMO. Und darauf, dass Corona in diesem Sommer den Schutz vor der Hitze noch komplizierter macht.

40 Grad im Schatten, zum Abkühlen Abhängen im Shoppingcenter? Das ist in diesem Jahr, wo Abstand das Gebot der Stunde ist, nicht ratsam. Ältere, allein lebende Nachbarn auf einen Plausch treffen um zu schauen, ob sie die Affenhitze gut wegstecken? Auch das muss in diesem Sommer mit Vorsicht geschehen. Das Corona-Virus ist eine weitere Herausforderung für ohnehin schon verletzliche Personen. Für sie ist neben der Virus-Gefahr auch die kommende Sommerhitze eine Gefahr für die Gesundheit.

2020 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Temperatur-Messungen?

Schon in den Anfangsmonaten des Jahres deute alles darauf hin, dass 2020 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Messungen werde, sagte WMO-Sprecherin Clare Nullis in Genf. Auch ohne Corona beeinflussen hohe Temperauren jedes Jahr die Gesundheit vieler Menschen. Senioren, Kinder, Menschen, die draußen arbeiten oder chronisch krank sind, gelten als besonders anfällig. Große Hitze ruft Erschöpfung hervor, begünstigt Herzinfarkte und verschärft oftmals bestehende Erkrankungen.

Um die Folgen der Sommerhitze abzumildern, bietet die WMO zusammen mit der WHO online ein Informationspaket mit Ideen an. Darin werden gute Beispiele aus vielen Ländern präsentiert. Unter anderem wird eine Broschüre des Umweltbundesamtes hervorgehoben, die bei Hitze unter anderem empfiehlt, draußen möglichst einen breitkrempigen Hut zu tragen, genügend zu trinken, kühles Wasser über die Handgelenke laufen zu lassen, feuchtkühle Kompressen auf Stirn oder Nacken zu legen, Füße und Rücken mit Franzbrandwein einzureiben und Elektrogeräte und künstliche Beleuchtung als Wärmequelle öfter auszuschalten.

In der Checkliste für Planer sind weitere Ideen ausgeführt: Systeme für Telefonrundrufe, um kontaktlos zu checken, ob Gefährdete die Hitze gut überstehen, könnten eingerichtet werden. Altenheime, Klinken und andere Einrichtungen sollten ihre Kühlsysteme überprüfen und schon jetzt dafür sorgen, dass sie funktionieren. Denn Neulieferungen können sich wegen Corona verzögern.

Corona-Fieber und Überhitzung können sich ähnlich anfühlen 

Außerdem sei es hilfreich, die Symptome einer Überhitzung von denen einer  Corona-infektion unterschieden zu können. Sie können sich durchaus ähnlich sehen. Nach dreißig Minuten im Schatten und mit kühlem Getränk sollte es Überhitzten im Gegensatz zu anderen Kranken schon besser gehen.

Noch ein Hinweis ist den Experten wichtig: Sich extremer Hitze auszusetzen, mindert nicht das Risiko einer Corona- Infektion. Es erhöht den Hitze-Stress, schütz aber nicht vor, geschweige denn heilt eine Covid-Erkrankung, betonen sie. In heißen Innenstädten sei es sinnvoll, den Autoverkehr zu limitieren oder für bestimmte Straßen zu sperren. In Fußgängerzonen ließen sich dann temporäre Schattenspender aufbauen. Öffnungszeiten von Parks und Schwimmbädern sollten erweitert werden um den reduzierten Zugang zu kompensieren.  Spielplätze hingegen, so die Checkliste, seien im Zweifelsfall eher zu schließen, während Trinkwasserbrunnen geöffnet bleiben und täglich desinfiziert werden sollten.

Hitzesommer sind alles andere als ungefährlich. Im Hitze-Rekordsommer 2018 sind laut RKI etwa 490 Menschen an den Folgen der großen Hitzewelle in Berlin gestorben. Auch dieses Jahr müssen sich Mensch und Natur wieder darauf vorbereiten. Denn auch das Stadtgrün - ein wichtiger Entlastungsfaktor bei Hitze - braucht Unterstützung. Eine neue interaktive Gießkarte für Straßenbäume soll Entspannung bringen. Auf der Seite "Gieß den Kiez" kann man Bäume zum Gießen adoptieren und schauen, welcher in der Nähe besonders durstig ist. Frisch gepflanzte Bäume brauchen in den ersten Jahren regelmäßig Wasser. Und bei fehlendem Regen eben Menschen die dieses bringen. In Tempelhof-Schöneberg verteilten die Grünen zu diesem Zweck schon einmal 50 Eimer. Ein kleiner Schritt von vielen nötigen, um gut über die heiße Jahreszeit zu kommen.