Eine Krankenhaus-Mitarbeiterin trägt Schutzkleidung. Diese Spezial- Ganzkörperanzüge und Kopfhauben sollen verhindern, dass Ärzte oder Pfleger sich bei Corona-Patienten anstecken. dpa (Archivbild)

Die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus steigt immer schneller. In Berlin sind jetzt 13 Menschen betroffen,  im Bundesgebiet mehr als 400. Es besteht die Gefahr, dass nun auch Ärzte und Pflegekräfte in den Kliniken mit dem Virus infiziert werden. Im Ernstfall könnte durch den Ausfall von medizinischem Personal die Aufrechterhaltung des Stationsbetriebs gefährdet werden. Experten raten Kliniken, sich jetzt auf diese Möglichkeit schnellstens vorzubereiten.

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Nach den aktuellen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) müssen Infizierte und deren Kontaktpersonen umgehend in Quarantäne. Das gilt auch für Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern. Doch diese Weisung wurde bereits diese Woche an der Uni-Klinik Aachen außer Kraft gesetzt, um den Betrieb einer Frühchen-Station aufrechtzuerhalten. Eine Krankenschwester war positiv getestet worden. Sie wurde isoliert, aber nicht alle ihre Stationskollegen, die mit ihr Kontakt hatten, kamen in Quarantäne. Sie sollten weiterarbeiten.

Infiziertes Personal arbeitet weiter: Menschenleben hat Vorrang

Man konnte die Kollegen nicht nach Hause schicken, „weil anderes, entsprechendes Personal fehlte“, sagt der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Menschenleben hätten Vorrang, in diesem Fall die Frühchen, so der Minister. Dieses Szenario wird auch bereits in Berlin durchgespielt.

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Nach KURIER-Informationen soll in einer großen Klinik bei einer internen Stationsbesprechung  ein Oberarzt  den Mitarbeitern gesagt haben, dass im Ernstfall auch infiziertes Personal im Dienst bleiben soll. Unter der Voraussetzung, dass die Betroffenen dazu gesundheitlich noch in der Lage sind. Eine offizielle Bestätigung der Klinik gab es dazu bis zum Redaktionsschluss nicht. Solche Maßnahmen sind in Absprache und mit Duldung der Behörden möglich, sollte durch Coronafälle bei Ärzten und Pflegekräften die Schließung von Stationen drohen. Das sagt Steffen Hampel, Chef des Verbandes der Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes Berlin-Brandenburg. „Allerdings muss absolut gesichert sein, dass das izierte Personal keinen anderen ansteckt“, sagt er.

Die bestehenden Pandemie-Pläne der Krankenhäuser sehen solche Maßnahmen bisher nicht vor, da diese Richtlinien derzeit erst an die aktuelle Lage der Corona-Ausbreitung angepasst werden, so Hampel. Er rät den Kliniken dringend, sich jetzt schon intern auf den Ernstfall vorzubereiten. Denn: „Wenn erst die Viruswelle da ist, ist es zu spät.“ Während jetzt alle Kliniken der Region Aachen positiv getestete Mitarbeiter nicht mehr automatisch in Quarantäne schicken, wollen Berliner Krankenhäuser  noch an den aktuellen RKI-Vorgaben festhalten.

„Für uns derzeit nicht denkbar“

„Das vorgestellte Szenario ist für uns derzeit nicht denkbar“, sagt Prof. Andreas Meier-Hellmann, medizinischer Geschäftsführer des Klinik-Konzerns Helios, der in Buch und Zehlendorf Standorte hat. Daher gelte noch: Sind Ärzte oder Pfleger mit dem Virus infiziert, kommen sie wie jeder andere Patient in Quarantäne und werden behandelt.

Die Charité hat einen Krisenstab zu Corona. Er tagt täglich und schätzt die aktuelle Lage neu ein. In dem Gremium sind Klinikvorstand, Virologen, Infektiologen und die Unternehmenskommunikation. Es existiert ein Pandemieplan, der das genaue Vorgehen im Ernstfall für alle betroffenen Klinik-Bereiche vorgibt. „Bei stark steigenden Infektionszahlen besteht grundsätzlich die Möglichkeit, nötigenfalls geplante Eingriffe zu verschieben, um kurzfristig weitere Bettenkapazitäten zu schaffen“, sagt Sprecherin Manuela Zingl.

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In den Vivantes-Kliniken wird der Pandemiefall ausgerufen, sollte zunehmend Personal wegen Krankheit ausfallen, so Sprecherin Astrid Steuber. Es ist geregelt, dass Mitarbeiter aus anderen Bereichen und Standorten zusammengezogen und dort eingesetzt werden, wo man sie dringend braucht. „Wenn nötig, werden geplante OPs verschoben“, sagt Steuber. Neben der Charité will Vivantes ab Montag Anlaufstellen an der Rettungsstelle Fröbelstraße (Prenzlauer Berg) und im Wenckebach-Klinikum (Tempelhof) einrichten. Dort sollen in Verdachtsfällen Coronavirus-Tests durchgeführt werden. Auch die DRK-Klinik in Westend und das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Lichtenberg sollen eine Teststelle erhalten. Bekannt wurde am Donnerstag zudem, dass eine Schülergruppe aus Potsdam, die derzeit auf einer Italien-Reise ist, bei der Rückkehr auf Corona getestet werden soll. Einige Schüler hätten Symptome gezeigt.