Der Pop-up-Radweg auf der Kantstraße in Charlottenburg. Foto: Berliner Kurier/ Volkmar Otto

Für Radfahrer sind auf der Kant- und der Neuen Kantstraße paradiesische Zeiten angebrochen. Wurden sie vorher von Kraftfahrern oft bedrängt und gefährdet, stehen ihnen jetzt eigene Fahrstreifen zur Verfügung. Doch weil sich neben den neuen Pop-Up-Radwegen Parkplätze befinden, bleibt für den fließenden Verkehr meist nur noch eine Spur pro Richtung. Vor Ampeln entstehen lange Warteschlangen, in denen auch die Linienbusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) feststecken.

Bei dem Landesunternehmen ist man nicht glücklich über die neue Platzverteilung. „Wir bedauern, dass die BVG in die Planung nicht einbezogen wurde“, sagte Sprecherin Petra Nelken dem Berliner KURIER. „Wir beobachten die Situation und werden eine abschließende Einschätzung geben, wenn das Verkehrsaufkommen wieder ‚normal‘ ist.“

Neue Pop-up-Radwege auf mehreren Berliner Hauptverkehrsstraßen

Der Straßenzug in Charlottenburg ist eine wichtige Busroute. Busse der stark frequentierten Linien X34 und M49 und der Kiezbus 309 sind dort unterwegs. Ein BVG-Mitarbeiter hatte in seiner Freizeit die Muße, rund eine Stunde lang den Verkehr auf der Kantstraße zu beobachten. „In der Zeit habe ich ganze sechs Radwegnutzer gezählt. Davon fuhr einer noch entgegen der vorgegebenen Fahrtrichtung“, berichtet er. Der Auto- und Busverkehr sei viel stärker gewesen. „Ich möchte daran erinnern, dass die Busspuren auf dem Kurfürstendamm seinerzeit nur eingerichtet werden konnten, weil die Kantstraße als Ausweichstrecke ausgewiesen wurde.“

Wie berichtet, sind im Zeichen der Coronakrise auf mehreren Berliner Hauptverkehrsstraßen Radfahrstreifen provisorisch markiert und mit rot-weißen Warnbaken geschützt worden. So soll es Radfahrern ermöglicht werden, Abstand zu halten, hieß es. Die Pop-up-Radwege seien dort entstanden, wo ohnehin seit Jahren Radfahrstreifen geplant waren – oder wo das Mobilitätsgesetz mehr Platz für Radfahrer vorschreibt.