Kurierfahrer Tim Leus bringt Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zu Kunden nach Hause  Foto: Volkmar Otto 

Während die Corona-Krise soziale Distanz vorschreibt, bringt sie auch Menschen zusammen, bündelt die Ideen zweier Berliner Betriebe. Sowohl die Bäckerei „Albatross“ als auch der nachhaltige Lebensmittelladen „Original Unverpackt“ setzen auf einen Lieferservice für ihre Produkte. Der KURIER durfte bei der Auslieferung mitfahren.

Spaghetti, Kidneybohnen und eine Zahnbürste sind nur drei der Produkte, die Tim Leus (27) an diesem Nachmittag auf einem Lastenfahrrad transportiert. Der Nordamerikanistik-Student liefert in der Krise täglich Waren an Kunden aus. Meist bringt er dabei Brot- und Backwaren, Kaffee, Tee oder Käse nach Hause. Doch einmal in der Woche holt Leus auch Produkte in der Großbeerenstraße 27 A in Kreuzberg ab.

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Im Laden „Original Unverpackt“ setzen Milena Glimbovski (30) und ihr Team auf faire und nachhaltige Lebensmittel sowie Produkte des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Hygieneartikel. Als Glimbovski Anfang März die Bilder der Toten und des Lockdowns in Italien im Fernsehen sieht, bekommt sie ein wenig Panik, dass diese Verhältnisse bald auch hierzulande drohen. „Mein Team hat dann sehr schnell vorgeschlagen, dass wir einen Plan B entwickeln“, sagt sie dem KURIER. Dieser Plan heißt: Lieferservice. Mehr als 700 gastronomische Betriebe in Berlin bieten laut DEHOGA aktuell ihre Gerichte und Waren in der Form eines Bringdienstes an – zusätzlich natürlich auch ausgewählte Supermärkte.

„Innerhalb von zwei Wochen haben wir den Lieferservice aufgebaut. Jeder einzelne im Team hat mitgeholfen, erklärt sie. Glimbovski beschäftigt über 30 Mitarbeiter und betreibt in Kreuzberg noch eine zweite Filiale. Ohne große bürokratische Hürden sei das gegangen: „Das Gesundheitsamt prüft bei uns sowieso sehr genau, weil wir ein Unverpackt-Laden sind. Wir haben viel strengere Auflagen als ein normaler Supermarkt. Deswegen wussten wir auch genau, worauf wir zu achten haben.“ Die Umfüllung der Produkte in Pfandgläser finde beispielsweise außerhalb der Ladenöffnungszeiten statt. Zudem bekämen die Kunden eine Übersicht über alle Allergene zugeschickt.

Lieferservice soll auch nach Corona weiter ausgebaut werden

Als Tim Leus an diesem Nachmittag bei „Original Unverpackt“ eintrifft, um die Bestellungen abzuholen, hat er einen Großteil seiner Arbeit für den Tag schon geschafft. Morgens liefert er im Auftrag der Bäckerei „Albatross“ aus, die in der Corona-Krise einen Lieferservice für mehrere kleinere Läden auf die Beine gestellt hat, erzählt er. „Bis zu 40 Bestellungen pro Tag können da schonmal zusammenkommen“, sagt Leus. Für „Original Unverpackt“ muss er diesmal nur zu zwei Kunden radeln.

Milena Glimbovski sagt, die bisher niedrige Auslastung liege zum einen daran, dass ihre Kunden meist größere Mengen kaufen. Dafür müsse man dann seltener bestellen. Zum anderen habe sie beobachtet, dass die Kunden ihre Ware mitunter auch gerne selbst vor dem Laden abholen. Eine “berührungslose Übergabe“ funktioniere schließlich auch dort. Trotzdem will sie den Lieferservice auch nach Corona weiter ausbauen und auf andere Stadtteile ausweiten.

Die berührungslose Übergabe hat auch Leus für heute abschließend vollzogen. Klingeln, in den vierten Stock laufen, die Lieferung vor der Wohnungstür abstellen und wieder gehen: So sieht gelebte „Distancing Delivery“ aus. Trinkgeld zählt Leus nach Feierabend selten. Die Kunden haben schließlich online gezahlt.