Steht in der Küche und schwingt die Kelle für Berlins Corona-Helden: Maximilian Strohe.
Foto: Bernd Friedel

Berlin - Viele Restaurants in Berlin mussten bereits schließen – aber was passiert mit den vollen Warenlagern in den Genuss-Tempeln und bei den Gastro-Lieferanten der Stadt? Eine gute Idee kommt vom Speiselokal „tulus lotrek“ in der Fichtestraße: Hier kochen die Chefs trotzdem im kleinen Kreis weiter – und stellen ihr Essen den Menschen zur Verfügung, die die Gesellschaft am Laufen halten.

Volles Lager nach der Schließung brachte die Idee

„Es gibt so viele Leute, die aktuell noch arbeiten müssen und etwas Gutes für unsere Gesellschaft tun“, sagt Ilona Scholl, die das „tulus lotrek“ gemeinsam mit Sterne-Koch Maximilian Strohe führt. „Und wenn Kantinen wegen der Krise schließen müssen, bekommen diese Menschen nichts Warmes zu essen.“

Weil das Lager des geschlossenen Restaurants trotzdem gut gefüllt ist, beschlossen die Chefs, dennoch zu kochen und die fertigen Gerichte eben jenen Menschen zur Verfügung zu stellen. „Am ersten Tag haben wir zum Beispiel ein Gulasch, ein Lammcurry und eine Tomatensuppe gekocht, natürlich unter der Einhaltung aller wichtigen Hygieneregeln.“ Auch erste Abnehmer waren da schon gefunden, freuten sich über die Essens-Spende. „Sie holen die Gerichte ab. Im Betrieb kann dann alles noch mal durcherhitzt werden, damit es sicher für alle ist.“

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Als der KURIER mit Scholl telefoniert, um über die besondere Aktion zu sprechen, reagiert sie zuerst verhalten. Eigentlich solle das Restaurant nicht im Rampenlicht stehen – die Aktion soll anderen Menschen helfen, nicht mehr, nicht weniger. Doch schon nach Stunden bestätigt sich: Die Gastronomen haben den richtigen Riecher. Nach ersten Abholungen durch Krankenhäuser und Arztpraxen in der Umgebung habe man   von „zahlreichen Orten gehört, die akut und in den nächsten Tagen und Wochen gesteigerten Bedarf haben und haben werden“, heißt es auf Facebook.

Ilona Scholl führt das „tulus lotrek“ gemeinsam mit Maximilian Strohe.
Foto: Bernd Friedel

Mehrere Gastro-Lieferanten bringen inzwischen ihre Lebensmittel zum Restaurant, täglich wird gekocht. Die Arbeit wird dabei auf so wenige Menschen wie möglich verteilt. Trotzdem wird Ware gesucht und sterile Behältnisse. Infos zur Aktion gibt’s unter facebook.com/speiselokal.tuluslotrek.

Die, die hier schnippeln, sind ebenso Corona-Helden! Sie zeigen Einsatz, obwohl die Zukunft ungewiss ist. „Wir wissen nicht, wie es für uns weitergeht“, sagt Scholl. „Aber wir haben gerade größere Probleme zu lösen. Die zentrale Frage lautet momentan nicht, ob wir bald unser Lokal noch haben.“