Das waren noch Zeiten: Im Stadion des Jahn-Sportparks fanden sogar American-Football-Spiele statt. Nun wurde das Ende der Kult-Arena besiegelt. Foto: Imago-Images/Wiedenholder

Das große Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist Kult. Es war die Heimat des BFC Dynamo. Zehnmal feierte der Verein dort die DDR-Fußballmeisterschaft. Auf der Tribüne saß jubelnd Stasi- und Dynamo-Chef Erich Mielke. Nun soll das marode Stadion weg. Obwohl der Bezirk Pankow und Bürgerinitiativen gerade für eine Sanierung kämpfen und noch ein Gutachten aussteht, ist der Abriss für den Senat jetzt beschlossene Sache. 

Das Todesurteil steht in der aktuell veröffentlichten Senatsantwort zu einer Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto. Er wollte von der Sportverwaltung wissen, ob trotz jahrelanger Abrissdebatten eine Sanierung des Jahn-Stadions noch möglich ist, statt einen Neubau für 120 Millionen Euro zu errichten. 

Auf Ottos Frage, ob der Senat kostengünstige Varianten einer Sanierung und Modernisierung geprüft hätte, verwies Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) in der Beantwortung auf eine Machbarkeitsstudie von 2014. Im dieser Studie „wurde das vorhandene Stadion unter funktionalen und genehmigungsrelevanten Gesichtspunkten mit dem Ergebnis bewertet, dass lediglich ein Stadionneubau die Anforderungen des Sports an eine inklusive, sichere und genehmigungsfähige Veranstaltungsstätte erfüllen kann“, erklärte er. 

Damit ist klar: Der Senat will das alte Stadion (1951 errichtet, danach mehrfach umgebaut) ohne Wenn und Aber abreißen, ab 2021 ein neues mit 20.000 Plätzen errichten lassen. Pikant: Noch vor Tagen hatte das Bezirksamt Pankow mitgeteilt, der Senat wolle in einem Beteiligungsverfahren die Anwohner und den Bezirk in einer Nachuntersuchung zu der Machbarkeitsstudie von 2014 einbinden.

Bürgermeister Sören Benn will Sanierung statt Neubau

Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) sah darin eine „kluge Entscheidung“. Es sei sinnvoll, den geplanten Stadion-Abriss noch einmal genauer zu untersuchen und zu prüfen, ob eine Sanierung nicht die bessere Variante als ein 120 Millionen Euro teurer Neubau ist. 

Doch zu der Bezirks- und Bürgerbeteiligung wird es offenbar nicht kommen. Die bestehenden Anforderungen für eine Sanierung ließen sich im Bestand nicht umsetzen, so Dzembritzki in der Beantwortung der Anfrage des Grünen-Abgeordneten Otto. „Auf eine weitergehende Prüfung des Erhalts einer ungeeigneten Veranstaltungsstätte wurde verzichtet.“ Damit dürfte klar sein: Die Messen für den Abriss sind seitens des Senats bereits gesungen.

Als Grund werden katastrophale Bau- und Sicherheitsmängel vor allem an den Flutlichtanlagen und am Tribünengebäude aufgeführt. Etwa bei Unwettersituationen müssten dieses und das Stadion komplett geräumt werden, hieß es. Tragwerke des Gebäudes, Trennwände und Tragwerk des Daches entsprächen insgesamt nicht den geforderten Feuerwiderstandsklassen. Weiter wird ausgeführt: Anforderungen an den Blitzschutz werden nicht erfüllt, da die Spannung über das Stahlskelett des Gebäudes und damit verbundene Teile (Geländer) abgeleitet wird.

Ende Juni läuft die Betriebsgenehmigung für die Arena aus. Dann dürfte es womöglich mit dem Jahn-Stadion vorbei sein. „Der Senat geht nicht davon aus, dass ein uneingeschränkter Weiterbetrieb ab dem 1. Juli durch den Prüfingenieur für Brandschutz genehmigt wird“, so Staatssekretär Dzembritzki.