Volker Herold mit seinem Terrier Henry (10), mit dem er russisch spricht, am Wasserfall. Foto: Sabine Gudath / Berliner KURIER

Es kann  paradiesisch sein mitten in der Stadt. Doch ein besonderes, verstecktes Paradies, der Teich im Ernst-Thälmann-Park, droht zu einer stinkenden Lache zu werden, wenn das Bezirksamt Pankow nicht schnell handelt. Die Stromleitung zur Pumpe, die den kleinen Wasserfall an einer Bucht des Teichs plätschern lässt, ist defekt. Ohne Wasserfall wird das Wasser nicht belüftet. Der Teich „kippt“, die Fische sterben, niemand mag sich dort mehr aufhalten. Auch nicht das Teichhuhn, das gerade mit einem Küken umherpaddelt. 

Volker Herold (61), der seit 15 Jahren in einem der Häuser hinter dem Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße wohnt, ist der Wassermann der Siedlung. Er gehört zu der Handvoll Menschen, die den Teich am Leben erhalten.

„Klein-Amazonien“ nennt Volker Herold den verwunschenen Teich mitten in der Stadt. Foto: Sabine Gudath/Berliner KURIER

Das kleine Gewässer, das verborgen in einem Wäldchen liegt, ist künstlich und hat keinen natürlichen Zulauf. „Der Grund ist undicht, der Teich verliert Wasser“, berichtet der Schauspieler und Drehbuchautor. Deshalb sammelt seine Initiative Geld in der Siedlung, um das Nachfüllen mit Wasser zu bezahlen. Über 2000 Euro kommen da jährlich zusammen.

Seit Jahren belagert er das Bezirksamt, es möge sich um den Teich kümmern. Denn die Anlagen – Rohre, Pumpe, Kabel – stammen aus dem Jahr 1983, als auch die Siedlung errichtet wurde. „Auf meine Briefe bekomme ich keine Antworten“, klagt er, der immer wieder mit vollem Körpereinsatz für seinen Teich kämpft. Er steigt öfter mal hinein, holt Müll und Holz raus: „Sechs Tresore habe ich über die Jahre schon geborgen.“

Der Wassermann vom Thälmann-Park: Volker Herold beim Putz-Einsatz im Teich.
Foto: Kiezteich.de

Herold erzählt, dass er auch Fische eingesetzt hat, als gerade ein chinesischer Graskarpfen vorbeischwebt. Welse, Krebse, Plötzen und sogar Aale lebten im See, drumherum Frösche, Kröten, Blindschleichen. Sogar eine Ringelnatter sei schon gesichtet worden, und bei klarem Sommerhimmel sonnt sich die eine oder andere Schildkröte. Das alles sei in Gefahr, und auf das Bezirksamt und den zuständigen Stadtrat Vollrad Kuhn von den Grünen ist Herold gar nicht gut zu sprechen. Der habe ihm mal gesagt, der Teich sei wertlos. Das Ordnungsamt sei im Kreis gesprungen, weil Herold Schilder mit einer Kontonummer für Spenden ans Teichgeländer hängte, und weil er mit dem Auto heranfuhr, um Fischbecken mit neuem Besatz ans Ufer zu bringen.

Dem KURIER teilte Stadtrat Kuhn mit, dass die Reparatur des Kabels „vom Straßen- und Grünflächenamt mit einer hohen Dringlichkeit eingestuft“ sei. Die genauen Arbeiten – es muss über 200 Meter ein neues Kabel verlegt werden – müssten aber noch mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt werden. Über den Zeitrahmen der Arbeiten und ihre Kosten könne er erst etwas sagen, wenn Firmen Angebote gemacht haben.

Der Diesel-Generator, der die Pumpe des Wasserfalls als Notlösung mit Strom versorgt. Foto: Sabine Gudath / Berliner KURIER

Bis dahin haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB) fix und unbürokratisch eine Notlösung installiert.  Sie stellten am vorvergangenen Freitag einen Generator auf, der die Pumpe des Wasserfalls mit Strom versorgt, und umstellten die Maschine mit einem Bauzaun. Morgens um 7 Uhr kommen Mitarbeiter der Wasserbetriebe und schalten sie an, gegen 13.30 Uhr wieder aus. In der Zeit dazwischen füllt das Aggregat die Luft mit sanftem Dieseldunst und leisem Brummen, aber der Wasserfall funktioniert.

Das sei aber nur eine Zwischenlösung für einige Wochen, heißt es seitens der BWB, die das eigentliche Kabel auch außer Betrieb genommen hatte. Es ist aus Aluminium und wurde zuletzt so heiß, dass Brandgefahr bestand. Die BWB betreuen in acht von zwölf Bezirken die Zierbrunnen, zu denen auch der Wasserfall zählt, und warten sie. Für größere Investitionen wie das neue Kabel sind jedoch die Bezirke verantwortlich.

Pankow hat an dem Teich auch einiges vor. In der Nähe soll eine Pflanzen-Kläranlage entstehen. 500.000 Euro sind dafür im Haushalt vorgesehen. Das hat den Grund, dass das Grundwasser unter der Siedlung verseucht ist, weil hier einstmals ein Gaswerk stand. Ein großes, grünes Aggregat holt das Wasser seit bald 30 Jahren an die Oberfläche, reinigt es und drückt es wieder zurück. 

Die Grundwasser-Reinigungsanlage in der Nähe des Teichs. Sie soll um eine Pflanzen-Kläranlage ergänzt werden.
Foto: Sabine Gudath / Berliner KURIER

Die schilfbewachsene Kläranlage soll später das  Wasser aus der Reinigungsmaschine weiter säubern, ehe es in den Teich fließt,  berichtet Herold. „Den Wasserfall braucht der Teich aber dennoch weiter, um Luft zu bekommen.“