Das Test-Zelt mit der Drive-In-Station steht neben der Brandenburger Landesvertretung. 
Foto: Bernd Friedel

In einem Zelt mitten im Regierungsviertel hat der erste private Corona-Drive-in eröffnet. Zahlende Kunden können sich dort jetzt einem Bluttest auf Antikörper unterziehen. Betreiber der Teststation ist das Ärztehaus Mitte. Die Untersuchungen kosten 60 bis 99 Euro. Bei Politikern stößt das Angebot auf Kritik: Sie warnen vor einer Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Die beiden offiziellen Berliner Corona-Drive-ins sind kostenlos.

Das große, weiße Zelt steht auf einem Parkplatz in Mitte, in direkter Nachbarschaft zur Mall of Berlin und zur Landesvertretung Brandenburg. Am Eröffnungstag betreten nur wenige Patienten das Gelände, hin und wieder sieht man einen Mitarbeiter in Schutzmontur. Die Telefon-Hotline der Teststelle laufe aber schon heiß, sagt Markus Hennig, Anwalt und Sprecher des Ärztehauses Mitte.

FDP-Politiker kritisiert: Tests günstiger in der Apotheke

Der Gesundheitspolitiker Florian Kluckert (FDP) befürchtet, dass sich Patienten nun mit falschen Erwartungen an die Teststation wenden könnten. „Denn dort werden keine Abstriche gemacht, um eine akute Corona-Erkrankung festzustellen“, sagt Kluckert dem KURIER. Es würden Bluttests auf Antikörper durchgeführt, die eine bereits überstandene Erkrankung nachweisen können. „Solch einen Test bekommt man für weniger Geld in der Apotheke“, sagt Kluckert. Er selbst habe schon einen gemacht. Der Schnelltest erfolgt mittels Blutabnahme aus der Fingerkuppe.

Der FDP-Politiker Florian Kluckert hat Zweifel am Sinn des Drive-in. 
Foto: wikipedia 

Kluckert betont, dass sich jeder Berliner mit Corona-Symptomen kostenlos testen lassen kann – etwa bei den offiziellen Drive-ins der Gesundheitsämter in Neukölln und Mitte. Nun sei es Aufgabe der Behörden sicherzustellen, dass Kunden des neuen, privaten Drive-ins darüber aufgeklärt werden, dass sie dort nur einen Antikörpertest machen. Es dürften keine Missverständnisse entstehen.

Hier lesen Sie die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog >>

Mit noch grundsätzlicheren Problemen musste sich Ephraim Gothe (SPD), Gesundheitsstadtrat von Mitte, befassen. Er hatte sich schon im Vorfeld verwundert über die Entstehung der Parkplatz-Teststation im Zelt gezeigt. Der Betreiber habe vorab keine genaueren Informationen über seine Pläne vorgelegt (KURIER berichtete). Gothe ließ deshalb prüfen, ob der laufende Zeltaufbau rechtlich überhaupt zulässig ist. „Im Ergebnis haben wir aber nichts gefunden, was genehmigungspflichtig wäre“, sagt Gothe dem KURIER.

Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) ließ den Zelt-Aufbau rechtlich prüfen. 
Foto: Thilo Rückeis

Stadtrat will volle Transparenz

Seit einigen Tagen stehe man in  gutem Kontakt zu den Betreibern. „Wir verlangen aber noch eine schriftliche Betriebsbeschreibung und einen Hygieneplan“, so Gothe. Der Stadtrat will etwa sicherstellen, dass alle Patienten über die Testgenauigkeit informiert werden. Laut Robert-Koch-Institut sind die Antikörpertests nicht so erprobt, dass sie immer verlässliche Resultate haben.

Ärztehaus-Sprecher Markus Hennig widerspricht in mehreren Punkten. Die Tests seien ein international zugelassenes, „seriöses Produkt“. Es stimme auch nicht, dass sich der Drive-in-Betreiber nicht frühzeitig beim Bezirk gemeldet habe. „Es gibt seit Wochen schriftliche und mündliche Kommunikation“, sagt Hennig dem KURIER.

Hier lesen Sie: Briten-Forscher behaupten: Im Herbst haben wir einen Corona-Impfstoff >>

Die Drive-in-Idee sei entstanden, weil die Nachfrage nach Tests bei den Bürgern so hoch sei. Das geräumige Zelt biete zudem bessere Möglichkeiten, alle gebotenen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, als eine gewöhnliche Praxis. Und im Unterschied zu einem Test aus der Apotheke oder dem Internet, so Hennig, gebe es im Drive-in eine kundige ärztliche Auswertung der Ergebnisse.

Anwalt Markus Hennig ist Sprecher des Drive-in-Betreibers. 
Foto: Dirk Laessig/Charles Yunck

Der Abgeordnete Kluckert betont, er habe nichts Grundsätzliches gegen private Teststellen. Und auch Stadtrat Gothe sieht Chancen in einer Zusammenarbeit zwischen Öffentlichen und Privaten. Wer sich gegen Geld testen lassen wolle, dem stehe es natürlich frei, das Angebot zu nutzen, sagen beide Politiker. Die Untersuchungen kosten 60,04 Euro für Kassen- und 99,09 Euro für Privatpatienten.

SPD-Politiker gefällt Kommerzialisierung dahinter nicht

Aber es stelle sich doch die Frage, so Kluckert, wie sinnvoll das Ganze am Ende sei – und inwieweit es nur den Trend zum Drive-in bediene. Der SPD-Politiker Thomas Isenberg sagte dem „Tagesspiegel“: „Ich finde es problematisch, wenn das Coronavirus zu einer weiteren Kommerzialisierung im Gesundheitswesen beiträgt.“ Entscheidend sei, wie das Ärztehaus die Tests bewerbe – mit sachlicher Information  oder mit Blick auf Profit. Die Angst der Bürger vor Corona dürfe nicht ausgenutzt werden.

Das Ärztehaus Mitte informiert auf seiner Internetseite über die neue Teststelle. Interessierte können eine Anfahrt-Skizze einsehen und werden auf eine Telefon-Hotline hingewiesen. Unter dieser Rufnummer können Patienten vorab einen Untersuchungstermin für den Corona-Drive-in vereinbaren. Besonders reißerisch wirkt die Darstellung nicht.