Ein etwas bemoostes Straßenschild des Maerckerwegs, der etwa 150 Meter lang ist und nur die Nummern 1 bis 11b hat.  Foto: Berliner Kurier/Gerhard Lehrke

Zwei Straßennamen im Lankwitzer„Generalsviertel“ stießen der Linken übel auf: Die militärischen Namenspatrone stehen für Antisemitismus, Kolonialismus und Massaker. Die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf beschloss jetzt auf Antrag der Linken salomonisch, den Maerckerweg umzubenennen, die Gallwitzallee mit Info-Tafeln auszustatten.

Der kurze Maerckerweg erinnert seit 1936 an Georg Maercker (1865-1924). Der Militär war 1904 bis 1907 an der blutigen Niederschlagung der Herero- und Namaaufstände in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) beteiligt. Nach dem  1. Weltkrieg kommandierte er ein Freikorps, das revolutionäre Bestrebungen niederschlug. 1920 wurde er wegen seiner unklaren Haltung beim rechten Kapp-Putsch entlassen.  

Unverständnis bei Anwohnern

Bei Anwohnern stößt eine Umbenennung auf Unverständnis. Nicht, weil man am Namenspatron hinge, der kaum jemandem etwas sagt. Alexander A. (47) meint, dass man über einen neuen Namen nachdenken sollte, wenn allen bewusst sei, wer Maercker war. „Ich frage mich auch, wie weit man bei hinterfragungswürdigen Straßennamen zurückgehen sollte.“  

Jacqueline Verpathe, die seit 27 Jahren am Maerckerweg wohnt, würde den Straßennamen gerne behalten.  Foto: Berliner Kurier/Gerhard Lehrke

Jacqueline Verpathe (56)  weiß auch nicht viel mit dem Namen anzufangen, sieht ihn wie ihr Nachbar als bloße Adresse, weshalb der Name bleiben solle. Wie Alexander A. erwartet sie Ungemach: Kosten und Aufwand für die Änderung der Anschrift - im privaten Umfeld, auf Ausweis und anderen Dokumenten. 

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Gallwitzallee bleibt nach judenfeindlichem Militär benannt

Wie die Straße heißen soll, ist unklar: Die Linke und die SPD, die sich dem Umbenennungsantrag angeschlossen hatte, machten keinen Vorschlag. Die zuständige Stadträtin Maren Schellenberg (Grüne) will jetzt die BVV-Gremien bitten, Vorschläge zu machen. Erledigt werden müsse die Umbenennung binnen neun Monaten.

Die Gallwitzallee wird ihren Namen behalten. An der Ecke zur Eiswaldtstraße sitzen die Polizeidirektion 4 und ein Bürgeramt. Foto: Berliner Kurier / Gerhard Lehrke

Bei der Gallwitzallee, die seit 1937 an General Max von Gallwitz (1852-1937) erinnert, in der Weimarer Republik antisemitischer Reichstagsabgeordneter für die DNVP (Deutschnationale Volkspartei), wurde anders entschieden.

In der BVV verfingen pragmatische Argumente, sodass der Name bleibt: Sie ist viel länger als der Maerckerweg, Polizeidirektion 4,  St.-Marien-Krankenhaus und eine Schule liegen an der Straße.  Da erschien der Aufwand bei Umbenennung zu groß.  Info-Tafeln sollen aber den Namenspatron und seine judenfeindliche Haltung historisch einordnen.