Mehr Sozialwohnungen im Bezirk... Foto: imago/Joko

Preiswerte Wohnungen sind rar. Gerade die Zahl der Sozialwohnungen bei privaten Bauprojekten ist gering. Das will der Bezirk Neukölln ändern. Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) hat dazu ein Modell ausgearbeitet. Es könnte Vorbild für andere Bezirke werden. „An vielen Stellen wird am Bedarf der Neuköllner vorbeigebaut“, sagte Biedermann am Donnerstag bei der Vorstellung der Pläne. „Mit dem Neuköllner Modell setzen wir einen Rahmen für bezahlbare und lebenswerte Kieze.“

...das will Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne).

Das Modell sieht vor, dass der Bezirk von den Bauherren verlangen kann, auf 30 Prozent der neu zu schaffenden Geschossfläche Sozialwohnungen zu errichten. Das gibt es zwar bisher schon unter dem Namen „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“ für die ganze Stadt, doch greift dieses nur in solchen Fällen, in denen mit einem Bebauungsplan Baurecht erst geschaffen wird.

Mieterverein jubelt, Immobilienverband kritisch

Bei Projekten in Baulücken und in Hinterhöfen, bei denen es ein Baurecht  im Grunde schon gibt, läuft das Berliner Modell dagegen ins Leere. Hier setzt das Neuköllner Modell an. Es macht sich dabei den Umstand zunutze, dass die Bebaubarkeit von Hinterhöfen und Baulücken zwar oft zulässig ist, aber die mögliche Geschossfläche eng begrenzt wird. In Fällen, in denen der Bauherr nun mehr Geschossfläche errichten möchte, will Neukölln dies auf dem Weg der Befreiung erlauben, diese aber an den Bau von Sozialwohnungen auf 30 Prozent der Geschossfläche koppeln.

Gelten soll das Neuköllner Modell, wenn aufgrund der Befreiungen mehr als 1000 Quadratmeter neue Geschossfläche entstehen, sagt Biedermann. Dann sind 30 Prozent Sozialwohnungen zu schaffen. Darüber hinaus müssen sich die Bauherren an der Finanzierung von Grundschul- und Kita-Plätzen beteiligen, sofern es nicht genug gibt. Biedermann schätzt das Potenzial in Neukölln auf 2100 Wohnungen, die nach dem neuen Modell genehmigt werden könnten – darunter 700 Sozialwohnungen. Der Immobilienverband BFW, in dem viele private Unternehmen organisiert sind, beurteilt das Modell kritisch: Es lasse die Wirtschaftlichkeit der Projekte außer acht.  Der Mieterverein begrüßt den Vorstoß: „Hochpreisige Mietwohnungen oder Eigentumswohnungen sind in den letzten Jahren genug gebaut worden“, sagt Vereinsgeschäftsführer Reiner Wild.