Ein Mann wird bei einem Protest gegen die Corona-Maßnahmen vor der Siegessäule von Polizisten abgeführt. Foto: Christoph Soeder/dpa

Auch für diesen Sonntag haben „Querdenker“-Anhänger und Verordnungskritiker wieder mehrere Demonstrationen angemeldet, auch Spontan-Demos scheinen sich zu bilden. An der Siegessäule hat sich - ohne Demo-Anmeldung - laut Polizei bereits am frühen Morgen eine „Personenanzahl im unteren vierstelligen Bereich“ zusammengefunden. Einige Menschen hätten versucht, auf der Grünfläche direkt um die Siegessäule Zelte aufzuschlagen. „Das ist unterbunden worden“, sagte Martin Halweg, Sprecher der Berliner Polizei, der Berliner Zeitung am Sonntagmittag. Man sei mit rund 200 Einsatzkräften vor Ort.

Mehr als 1000 Demonstranten strömten auch am Sonntag wieder zur Siegessäule. Foto: Eric Richard

Am Sonnabend waren Siegessäule und Großer Stern Schauplatz für die Abschlusskundgebung nach der Großdemonstration der „Querdenker“ mit mehreren Zehntausend Teilnehmern, großer Bühne und riesigen Videoleinwänden gewesen. Die Hauptbühne an der Siegessäule sei vom Veranstalter trotz Aufforderungen nach wie vor nicht abgebaut worden, beklagt die Polizei. Werde das nicht zügig erfolgen, werde die Polizei eine Firma beauftragen und die Arbeit den Anmeldern in Rechnung stellen.

Vorab sei für die Siegessäule am Sonntag keine Demonstration angemeldet worden, erklärte Halweg auf Nachfrage um kurz vor 15 Uhr. Es handele sich dort also bisher um eine „unerlaubte Personenansammlung“. Man prüfe aktuell aber nach, ob in der vergangenen Stunde die Anmeldung einer Spontan-Demonstration eingegangen sei. Die Menge an der Siegessäule habe zu eng beieinander gestanden. Man habe zunächst Platzverweise ausgesprochen, danach auch Personen festgenommen und Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz eingeleitet.

Am Nachmittag entschlossen sich nach Schätzung eines Reporters der Berliner Zeitung schließlich rund 500 Menschen am Großen Stern dazu, als Spontandemo durch den Tiergarten zu ziehen.

Am Nachmittag entschieden sich rund 500 Teilnehmer zu einer Spontandemo durch den Tiergarten. Foto: Eric Richard

Bereits seit 10 Uhr laufen die „Querdenker“ außerdem auf der Straße Unter den Linden zwischen Friedrichstraße und Pariser Platz. Die Demonstration sei mit 300 Teilnehmern angemeldet unter dem Motto „Wir gründen 299 Querdenker-Fronten auf Wahlkreisebenen“, kombiniert mit einer Kundgebung auf dem Pariser Platz zum Thema „Maskenball vor dem Brandenburger Tor“. Bislang verlaufe dort alles ruhig.

Auch das ursprünglich von der Versammlungsbehörde verbotene Protestcamp der „Querdenker“ mit Dauerprotest von 0 bis 24 Uhr darf nun stattfinden. „Das Oberverwaltungsgericht hat es für zulässig erklärt“, sagte Polizeisprecher Halweg. Am Samstagmorgen hatte das Gericht noch das Verbot bestätigt. Laut „Querdenker“-Initiator Michael Ballweg hatte man gegen diese Entscheidung aber noch einmal Beschwerde eingelegt.

Das Zeltlager im Spreebogen-Park wurde ursprünglich mit täglich 20.000 Teilnehmern angemeldet. „Bislang ist aber noch niemand zu sehen“, so Halweg. Im Tiergarten campten derzeit noch Personen mit „derselben Thematik, aus demselben Kreis“. Man gehe davon aus, dass sie nun auf die andere Fläche umziehen wollen.