Wildschwein klaut Laptoptasche am FKK-Strand Teufelssee. Foto:  privat

Eine Rotte Wildschweine hat sich am Teufelssee im Grunewald offenbar darauf spezialisiert, Nacktbadern die Stullen zu klauen. Immer wieder tauchen sie auf der FKK-Wiese auf und entwenden Tüten, in denen sie Essbares wittern. Jetzt wurden Badegäste Zeugen einer besonders wilden Verfolgungsjagd. Ein entschlossener Nackedei und eine Wildsau lieferten sich ein Duell um eine gelbe Tüte. Darin: der Laptop des Mannes.

Am Mittwochabend relaxen eine ganze Reihe von Badegästen am Ufer des Sees. Darunter auch Adele Landauer. Nach einem anstrengenden Tag vor dem Computer will sich die Dozentin in dem See kurz abkühlen. Noch im Wasser beobachtet sie, wie unvermittelt eine Wildsau mit ihrem Nachwuchs die Wiese betritt. Dies ist hier im Grunewald nichts Ungewöhnliches.

Landauer, die als Coach in Berlin Menschen dabei berät, wie sie ihre Ziele erreichen, dokumentiert das tierische Spektakel, welches sich nun abspielt. „Zuerst verspeiste die Bache genüsslich eine Pizza von Badegästen“, erzählt Adele Landauer. Die Frischlinge sind immer in der Nähe. „Es war als würde sie ihren Jungen zeigen wollen, wie die Menschen hier leben“, so Landauer weiter. Nach der Pizza hat die kluge Sau noch nicht genug und schnappt sich zum Dessert eine gelbe Tüte und verschwindet mit ihrem Gefolge in Richtung Wald.

Für ein Käsebrot hätte sich der Besitzer der Tüte wohl nicht von der Picknickdecke erhoben, doch der Mann, der sich nun im Adamskostüm und laut klatschend an die Verfolgung macht, will seinen Laptop retten. „Alle Sonnenanbeter waren gespannt, ob der Mann es wirklich schaffen würde, seine Tüte wiederzubekommen“, erzählt Landauer. Auf der Flucht gerät die Bache in einen herumliegenden Karton, welcher das Tier ausbremst. Erst im Wald lässt sie die Beute fallen. „Als der Mann damit wieder aus dem Wald kam, applaudierten alle“, so Adele Landauer, die die Szene festgehalten hat. Als der Mann glücklich wieder an seiner Decke angelangt ist, zeigt sie ihm die Bilder seiner heroischen Tat. Ob sie die Fotos öffentlich machen dürfe, fragt sie. Und der Held vom Teufelssee willigt erleichtert ein: „Machen Sie mit den Fotos, was Sie wollen, Hauptsache ich habe meinen Laptop wieder“, sagt er. Die Dozentin, die sonst Unternehmer und Manager berät (Instagram: adelelandauer_lifecoach), ist begeistert von seinem entschlossenen Vorgehen im Adamskostüm: „So kann man sehen, dass man alles erreichen kann, wenn man fokussiert auf seine Ziele ist.“

3000 bis 4000 Wildschweine gibt es in Berlin. Sie leben hauptsächlich im Grunewald sowie im Köpenicker und Tegeler Forst. Immer häufiger suchen sie in Wohnsiedlungen Futter. Gartenbesitzer also, die Gartenabfälle im Wald oder dessen Umgebung abladen, locken damit neben Ratten auch Wildschweine an. Das gilt ebenso für in Parkanlagen oder an Imbissbuden zurückgelassene Picknick- und Essensreste. Die Stadtschweine sind die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und ergreifen selten die Flucht. „Bewahren Sie bei Begegnungen in jedem Falle Ruhe und gehen Sie langsam zurück. So signalisieren Sie, dass Sie keine Gefahr darstellen. In aller Regel werden Wildschweine dann nicht angreifen“, heißt es vom Nabu Berlin. Es sei denn, die Sau klaut ihre Wertsachen …