Chefin Sabine Hamperl (59) im Führerstand einer S-Bahn im Werk in Schöneweide. Foto: Sabine Gudath

Sie ist die oberste Chefin aller 1000 S-Bahn-Lokführer in Berlin, der erste weibliche Boss auf der Position. Kein Wunder: Sabine Hamperl (59) wurde in eine Eisenbahnerfamilie hineingeboren, schon der Großvater und Vater   waren Lokführer. Dem KURIER verrät die Berlinerin kurz vor dem Frauentag, wie man sich ohne Quote gegen Männer durchsetzt und warum Frauen mindestens genauso gute Lokführer sind.

Diese Frau weiß, wovon sie redet: Als kleines Mädchen saß Sabine Hamperl bei Vater Paul auf dem Schoß, als dieser den Zug durch Thüringer Wald lenkte. Kam der Vater mal in den heimischen Bahnhof, brachte sie ihm Essen in den Führerstand. „Für mich war immer klar, dass ich zur Bahn will. Ich wollte, dass meine Familie stolz auf mich ist“, sagt sie. Familie bedeutet für sie auch Selbstständigkeit. „Wir waren zu Hause sieben Kinder, davon vier Jungs. Alle wurde gleichbehandelt und mussten im Haushalt helfen“, erinnert sich Sabine Hamperl.

1977 begann sie ihre Ausbildung zur Facharbeiterin bei der DDR-Reichsbahn und dachte damals schon: „Irgendwann wirst du mal Chef, Vorsteher eines kleinen Bahnhofs, das wär’s.“ Sie sollte noch weiter aufsteigen.   Gleich nach der Ausbildung bot man ihr eine Führungsposition in der Fahrkartenausgabe an. Sie behauptete sich, arbeitete danach im Personalbereich. 1995, als aus Ost und West die gesamtdeutsche Bahn gegründet wurde, wurde Sabine Hamperl Leiterin des Betriebsbereichs, begleitete den Ringschluss der S-Bahn. Ein schöner Moment. Sie machte den Lokführerschein.

Seit 2010 ist sie Chefin des Fahrbereichs, Boss der Lokführer. Zu 90 Prozent sind das Männer. Und die nennen sie scherzhaft „Mutti“. Sie nimmt  Sprüche  mit Humor, tritt locker auf, ist aber immer per Sie mit allen Mitarbeitern. Einmal sagte einer verwundert: „Sie kennen sich aber aus.“ Kein Problem für Sabine Hamperl. Ellenbogen oder eine Frauenquote habe sie nie gebraucht. Es ging immer so. Ihr Rezept: Zur Weihnachtsfeier kocht sie schon mal Chili con Carne, macht Krankenbesuche. „Trotzdem   haben wir Regeln, in der Sache musst du ernst bleiben.“ Leider sind nur zehn Prozent aller Lokführer Frauen. Die Chefin sagt: „Frauen sollten sich mehr zutrauen.“ Sie seien auf der Lok mindestens gleichwertig. „Frauen sind ruhiger und diplomatischer, gerade bei nicht einfachen Fahrgästen.“ Und Männer sollten nicht gleich denken, dass Frauen immer Kinder kriegen.