Die schöne Welt der alten Sachen: Der Riesenflohmarkt am Ostbahnhof lockt am 1. Mai stets die Berliner und Touristen an. Wegen Corona muss er in diesem Jahr ausfallen. Foto: oldthing.de

Not macht erfinderisch. So ist es auch bei Regina Pröhm und ihrem Mann Michael Schrottmeyer (beide 55) aus Friedrichshain. Da ihr jährlich am 1. Mai veranstalteter Riesenflohmarkt am Ostbahnhof nun wegen der Corona-Krise ins Wasser fällt, zogen sie mit dem Kultbasar einfach um. Statt im Freien wird jetzt im Internet getrödelt – und das täglich, rund um die Uhr.

Für viele Berliner ist er ein Muss. Der Riesenflohmarkt nahe des Ostbahnhofes, der seit 19 Jahren nicht nur am 1. Mai, sondern auch am 3. Oktober stattfindet. Von Briefmarken, Ansichtskarten, DDR-Produkten bis zu alten Designer-Möbeln bieten dort bis zu 700 Händler Dinge aus längst vergangenen Zeiten und locken bis zu 30.000 Besuchern an.

Flohmarkt muss in Corona-Zeiten leider ausfallen

„In Corona-Zeiten kann natürlich der Markt nicht stattfinden, vermutlich auch der Einheitsmarkt am 3. Oktober nicht, wenn bis dahin die Regelungen nicht gelockert werden. Bei den vielen Besuchern ist es einfach unmöglich, Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten“, sagt Markt-Chefin Pröhm. „Die Absage trifft vor allem die Profi-Händler hart, die aus ganz Deutschland und dem Ausland  zu der Veranstaltung am Ostbahnhof  kommen, die für sie eine wichtige Einnahmequelle ist. Damit für sie und den Trödel-Liebhabern trotz der Krise das Markttreiben weiter geht, haben wir  jetzt den Riesenflohmarkt als Corona-Flohmarkt ins Internet verlagert.“

Regina Pröhm und Michael Schrottmeyer haben mit einem Programmierer ihre Flohmärkte ins Internet verlagert. Foto: Silver Nebua

„Das Beste am Internet-Flohmarkt ist, dass es ihn jeden Tag gibt, man zu jeder Uhrzeit bequem von Zuhause aus in über sieben Millionen Angeboten stöbern kann“, sagt Pröhm. Zu den Schätzen zählen über fünf Millionen historische Postkarten, antike Schränke, Bücher oder Schallplatten-Raritäten von Jimi Hendrix bis Pink Floyd. Eine wahre Fundgrube für Sammler.

Wie auf einem echten Flohmarkt kann man auch in dem digitalen mit den Händlern ins Gespräch kommen, etwa über den Preis verhandeln. „Wir stellen über unsere Plattform den Kontakt zwischen Kunden und Anbietern her“, sagt Pröhm.

Händler zahlen keine Gebühren

Ob Profi- oder Hobby-Händler: Wer seine alten Schätze auf dem Digital-Flohmarkt anbietet, zahlt  keine Gebühren. Nur bei Verkauf entrichtet man eine Provision (2,5 bis 8 Prozent je nach Erfolg) als eine Art „Standgebühr“.

So könnte der Online-Basar auch die krisenbedingten Einnahmeverluste für Markt-Chefin Pröhm etwas minimieren. Denn sie und ihr Mann betreiben nicht nur den Kult-Flohmarkt, sondern auch die sonntäglichen Antikmärkte am Ostbahnhof, den Flohmarkt in Friedrichshagen  oder den „Better Used Market“ am Potsdamer Platz (Himmelfahrt), die nun alle wegen Corona ausfallen.