Gebäude mit schwungvoller Fassade: Architekt Sergei Tchoban plante den Bau. Foto: dpa

Berlin - Geprägt vom Bekenntnis zum jüdischen Leben in Berlin und der Distanzierung von Rechtspopulismus und Antisemitismus ist am Sonntag das Richtfest für ein jüdisches Bildungszentrum in Wilmersdorf gefeiert worden.

Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagt, er sei froh, dass die Chabad Gemeinde, die den Campus errichtet, Vertrauen in die deutsche Gesellschaft und die Demokratie habe. Spätestens nach den Anschlägen von Hanau, Halle und Kassel müsse allen klar sein, „dass das nicht die Taten von verrückten Einzelnen sind“, so der Minister. Es habe sich etwas verändert in unserem Land. „Es gibt auch wieder rechten Terror – und das muss laut ausgesprochen werden“, sagt Scholz.

„Die Sprache der rechten Populisten, die Sprache des Hasses ist die Grundlage für die rassistische und antisemitische Gewalt“, sagt Scholz. „Und dem müssen sich alle Demokraten entschieden entgegen stellen.“ Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erinnert daran, dass der Rabbiner der Gemeinde, Yehuda Teichtal, selbst Opfer eines antisemitischen Übergriffs geworden sei. In dieser Zeit gelte es zusammenzustehen. Mit Blick auf Thüringen sagt Müller, er frage sich, „was muss eigentlich noch passieren im Bund und Land, damit auch der Letzte und die Letzte merkt, dass Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in unserem Land nichts zu suchen haben.“

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland bezeichnet den Campus als „wunderbares Projekt“. Die Botschaft laute: „Berlin ist auch unser Zuhause.“ Rabbiner Yehuda Teichtal sagt: „Fast 1700 Jahre gibt es jüdisches Leben in Deutschland. Unsere Botschaft ist eine Botschaft der Liebe der Verständigung, der Toleranz und des Respekts.“

Das neue Bildungszentrum wird unter dem Namen „Pears Jüdischer Campus“ an der Westfälischen Straße errichtet. Auf 8000 Quadratmetern entsteht nach Plänen des Architekten Sergei Tchoban bis 2021 eine Begegnungsstätte mit Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Jugendclub, einem Sport- und Freizeitzentrum sowie einem Saal für Feste. Auch ein Ort für Seminare und Konferenzen für Studierende und Erwachsene wird gebaut. Neben einem Freizeitangebot, das allen Menschen offen steht, ist ein Fort- und Weiterbildungszentrum für Lehrer geplant.

Im Juni kommenden Jahres will die Gemeinde ihr Bildungszentrum eröffnen. Yehuda Teichtal sieht sein neues Projekt im Zeichen der Völkerverständigung. „Wir brauchen mehr Miteinander. Wir müssen zusammen kommen, um Berührungsängste abzubauen“, sagt er. Nur mit mehr Wissen könnten Vorurteile abgebaut werden. „Es wird viel diskutiert, aber man muss auch was machen“, sagt Teichtal. Genau das soll sein neues Haus leisten.