Der Historiker zu Lebzeiten im Museum am Checkpoint Charlie. Foto: Berliner Kurier

Auch 16 Jahre nach seinem Tod ist Historiker Rainer Hildebrandt nicht beerdigt. Seine Urne steht im Krematorium Ruhleben. Der Streit zwischen der Witwe (61) und dem Senat hält an. Sie will ihn auf dem stillgelegten Friedhof in der Wilsnacker Straße beisetzen. Der Senat sagt Nein – und verdrängt offenbar das Problem.

Witwe Alexandra Hildebrandt, die Chefin des Mauermuseums, beharrt heute noch auf den Friedhof in der Wilsnacker Straße als Ruhestätte. Hier liegen etliche Widerstandskämpfer aus der Nazizeit – wie auch ihr verstorbener Mann einer war. Angeblich soll Hildebrandt(†89) zu Lebzeiten über genau diesen Friedhof verfügt haben. Doch der ist eben seit 1952 geschlossen.

Senat und Bezirk scheinen Problem zu ignorieren

Neu ist an diesem sehr alten Konflikt: Die zuständigen Behörden in Senat und Bezirk scheinen das Problem jetzt zu ignorieren. Schon vor zwei Jahren versprach die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz das Problem endlich zu lösen, also der Urne eine Ruhestätte zuzuweisen. Denn dass eine Urne unbestattet bleibt und wie in diesem Fall einfach in einem Regal in Ruhleben steht, ist laut Gesetz illegal.

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Die Verwaltung wurde jetzt vom KURIER angefragt. Alexandra Hildebrandt behauptet: „Bei uns hat sich niemand gemeldet. Niemand. Nichts passiert.“ Ihrerseits hatte sie andere Friedhöfe abgelehnt und vorgeschlagene Kompromisse nicht angenommen. Unterlagen, die sie für die Wunsch-Bestattung einreichen sollte, hat sie nach eigener Aussage nicht eingereicht.

„Seine Verdienste für Deutschland sind so groß“

Die Witwe hat andererseits längst ein neues Leben angefangen. Mit ihrem neuen Mann dem Unternehmensberater Daniel Dormann (55), hat sie ab 2013 noch mal fünf Kinder bekommen. Sieben sind es insgesamt. Im Juli kommt das achte zur Welt.

Vergessen hat sie ihren ersten Mann aber trotzdem nicht! Rainer Hildebrandt, der Vater ihrer ersten beiden Kinder, hatte 1962 das Mauermuseum am Checkpoint Charlie gegründet. „Seine Verdienste für Deutschland sind so groß. Er hat es verdient, diesen Platz in Moabit zu bekommen“, sagt sie. Sie glaubt, dass sich bald etwas tun wird und sich die Ämter bei ihr melden. „Dann bekommen wir zwei, drei Termine zur Auswahl und können ihn endlich beerdigen.“