Die Seilbahn auf dem IGA-Areal in Marzahn  ist die einzige in Berlin,  die schon schwebt. imago/Schöning

Er klingt nach Zukunftsmusik. Der Traum von einer Seilbahn, den immer mehr Bezirke haben. Mit diesem Verkehrsmittel wollen sie den angespannten öffentlichen Nahverkehr entlasten, die Berliner zu Ausflugszielen und zur Arbeit bringen. Drei Bezirke wollen mittlerweile den „Bus der Lüfte“ in ihren Kiezen haben und möchten, dass der Senat ihnen bei der  Realisierung tatkräftig hilft.

Doch von der Behörde von Verkehrsenatorin Regine Günther (Grüne) droht nun, dass der Traum vom Schweben platzen könnte. „Wir sehen die Ideen mit Skepsis“, sagt Sprecherin Dorothee Winden. Treptow-Köpenick fing damit im Januar an.

Die Bezirks-SPD um Bürgermeister Oliver Igel belebte den Plan wieder, eine Seilbahn zum Müggelturm zu bauen. Pankow folgte mit der Idee, so ein Verkehrsmittel auch in Wohngebieten einzusetzen. Jetzt will Spandau eine Seilbahn, die quer von Kladow über den Wannsee zum gleichnamigen S-Bahnhof führt. Die Spandauer CDU-Fraktion reichte dazu einen Antrag in der BVV ein. Nun prüfen Fachausschüsse die Machbarkeit der Seilbahn.

So könnte die Seilbahn aussehen, die zum 29 Meter hohen Müggelturm geplant ist: Foto: Klug/Uhlemann. Montage: Berliner KURIER

Mit ihr soll der Ortsteil Kladow vor allem für Berufspendler nahverkehrstechnisch besser an das restliche Stadtgebiet angebunden werden. Denn BVG-Buslinien seien besonders bei Staus oder Sperrungen auf der Heerstraße „störungsanfällig“, Fahrten fielen aus, heißt es im CDU-Antrag. Die BVG-Fähre (bis zu 300 Fahrgäste pro Fahrt), die von Kladow stündlich nach Wannsee fährt, reiche nicht aus.

„Eine Seilbahn kann als umweltfreundliches Verkehrsmittel auf dieser Strecke mehr Menschen  zum Bahnhof Wannsee und damit zum S-Bahnnetz bringen“, sagt CDU-Fraktionsvize Thorsten Schatz. Berlins derzeit einzige Seilbahn, die  auf dem einstigen IGA-Gelände in Marzahn als  Besucherattraktion schwebt, kann mit 64 Kabinen bis zu 3600 Fahrgäste pro Stunde transportieren. Die Skepsis der Verkehrsverwaltung zum Spandauer Seilbahn-Plan liegt vor allem bei der Frage der hohen Investitionskosten. So kostete der Bau und Betrieb der IGA-Seilbahn 14 Millionen Euro. Geld, das Bezirke wie Spandau für ihre Pläne vom Land Berlin haben wollen.

Senatsverkehrsverwaltung stellt Seilbahn-Pläne in Frage

„Zu bedenken wäre auch, dass der Seilbahn-Bau über den Wannsee einen Eingriff in Natur und Umwelt bedeuten würde“, sagt Verwaltungssprecherin Winden. Außerdem müsse man beim Bau die Belange und Rechte der Grundstückseigentümer, auf deren Arealen die Pfeiler gebaut werden, berücksichtigen. Auch bei der Seilbahn über die Dahme zum Müggelturm, deren Machbarkeit auf Landesebene geprüft werden soll, gibt es seitens der Senatsbehörde ähnliche Bedenken. Dazu kommt, dass das Land Berlin nicht gewillt ist, die Kosten zu übernehmen:

„Für Bau und Betrieb müsste sich ein Investor finden“, stellt Winden klar. Sie verweist auf den Nahverkehrsplan des Senats, der Seilbahnen als öffentliches Verkehrsmittel nur unter bestimmten Kriterien vorsieht. Das wäre in Gebieten der Fall, in denen der Einsatz von Straßenbahn und Bus deutlich längere Fahrzeiten und zusätzliche Umsteigevorgänge bedeuten würde. Oder in Kiezen, wo eine Seilbahn sinnvoll in das bestehende Nahverkehrsnetz eingebunden werden kann. Diese und andere Kriterien aus dem Nahverkehrsplan würde aber „eine Seilbahn zwischen dem Müggelsee, dem Müggelturm und der Badestelle Bammelecke an der Dahme nicht erfüllen“, sagt Winden.

Die Senatsverkehrsverwaltung stellt auch die Seilbahn infrage, die dem Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) und seinem Bezirksamt für den Blankenburger Süden vorschwebt. Die Behörde erklärt, dass zur Erschließung des neuen Wohngebietes die Straßenbahn „das am besten geeignete Verkehrsmittel“ ist. Zumal mit der vorgesehenen Verlängerung der Linie M2 eine durchgängige Verbindung bis zum Alexanderplatz geschaffen werden soll. „Eine Seilbahn hat gegenüber einer Straßenbahn viele Nachteile: Sie ist langsamer und bietet vor allem weniger Umsteigemöglichkeiten in andere Verkehrsmittel des Öffentlichen Nahverkehrs“, sagt Sprecherin Winden.