Die letzten Reste der gefällten Weiden aus der Seelower Straße werden abgeräumt. Sabine Gudath

Es sieht öde aus in der Seelower Straße (Prenzlauer Berg): 21 Silberweiden wurden gefällt, am Mittwoch beseitigte ein Lastwagenfahrer die letzten Reste der zersägten Riesen mit dem Kran.  Protest seitens der Grünen gegen die Baum-Vernichtung fruchtete nichts.

Anfang Februar hatte die zuständige Pankower Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) mitgeteilt, dass die Bäume gefällt werden müssten. Sie seien „nicht mehr ausreichend stand- und verkehrssicher“.  Sie wirkten zwar noch gesund, seien aber „durch Fäule an Schnittstellen, Stämmen und Stammfüßen stark geschädigt“. Die Fäulnis könne nicht mehr eingedämmt werden. In  der Vergangenheit seien  die Weiden mehrmals beschnitten worden, um sie zu erhalten, jetzt aber seien die Möglichkeiten der Rettung ausgeschöpft. Deshalb müssten sie weg, ehe sie umfallen und jemanden erschlagen.

Die großen Weiden sind weg, bereits erfolgte Ersatzbäume sind entschieden spillerig. Sabine Gudath

Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto war mindestens skeptisch, forderte nach dieser Bekanntmachung: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass 21 Bäume auf einen Schlag nicht mehr standsicher sein sollen. Ich fordere, dass ein unabhängiger, vereidigter Sachverständiger die Bäume begutachtet und dass diese Gutachten unverzüglich veröffentlicht werden. Vorher dürfen keine Bäume gefällt werden, die noch standsicher sind.“

Angekündigte Ersatzpflanzungen stellen Otto nicht zufrieden. Sie müssten durch ihren Schatten dazu beitragen, dass künftige Hitzesommer für die Anwohnerschaft erträglich bleiben. Das werde lange Jahre nicht funktionieren, nicht nur, weil die neuen Bäume noch klein sein werden. „Die vom Bezirk vorgesehenen schmalkronigen Baumarten leisten diesen Beitrag nicht. Pflegeintensive schattenspendende Bäume zu fällen und durch pflegearme ‚Bonsai‘ zu ersetzen, widerspricht allen Bemühungen, den Bezirk an die Folgen des Klimawandels anzupassen.“

Der grüne Bezirksverordnete Axel Lüssow wurde formell: „Wir fordern die Einhaltung des BVV-Beschlusses vom Mai 2020, wonach Baumgutachten veröffentlicht werden müssen. Erst im Ausschuss wurde auf meine Nachfrage überhaupt bestätigt, dass es ein Gutachten gibt.“ Bereits in der Vergangenheit habe das Grünflächenamt unter einem grünen Stadtrat Fällungen zurückstellen müssen, weil fachliche Zweifel an amtsinternen,  nichtöffentlichen Gutachten existierten, die von nicht vereidigten Sachverständigen erstellt worden waren.

Die Stadträtin reagierte am Mittwoch auf Anfragen des KURIER vom vergangenen Donnerstag und wies die Grünen-Vorwürfe zurück. Schon 2008 habe der Bezirk die Straße in die „Baumleitplanung“ aufgenommen, um die Weiden „durch besser geeignete Baumarten zu ersetzen“. 2019 schließlich habe sich die Verkehrssicherheit der Bäume derart verschlechtert, dass bei allen - damals noch 27 - Weiden eine externe Sachverständige mit einer Untersuchung beauftragt wurde. Die habe die Fällung empfohlen.

Ersatz der Weiden schon 2008 in die Wege geleitet

Da die Untersuchungen und ihre Ergebnisse durch einzelne Bezirksverordnete angezweifelt worden seien, habe ihr grüner Amtsvorgänger Vollrad Kuhn zu einem „fachlichen Austausch“ im Februar vor zwei Jahren eingeladen, an dem neben Amtsvertretern zwei Bezirksverordnete, ein Sachverständiger für Bäume und Vertreter der Naturschutzorganisationen BUND und NABU teilgenommen hätten. Daraufhin wurden zunächst sechs Bäume abgesägt, die übrigen beschnitten.

Bei der Runde habe man sich auch auf einen externen vereidigten Sachverständigen geeinigt, der dann auch bestellt worden sei. Anders-Granitzki: „Dazu erfolgte eine exemplarische Untersuchung an 10 Weiden, die der Gutachter selbst aufgrund ihrer Exemplarität auswählte. Auch dieses Gutachten empfahl bei einem Großteil der Bäume eine Fällung.“ Seither hätte sich der Zustand weiter verschlechtert, so dass man sich zur Beseitigung aller Weiden entschlossen habe.

Baum-Gutachten im Internet

Damit die Beweggründe des Grünflächenamts klar würden, habe man die letzten Gutachten jetzt auch ins Netz gestellt.

Anders-Granitzki wiederholte gegenüber dem KURIER, dass im Frühjahr zunächst 15 Bäume anstelle gefällter Weiden gepflanzt würden: Acht Feldahorne und sieben Stieleichen. Fünf weitere Standorte, für die Amberbäume vorgesehen seien, könnten erst im Herbst bepflanzt werden. Es seien gegenwärtig keine Amberbäume zu bekommen.