Margot Sharma (82) hat Hunderte von Puppen, die sie gern an ein Museum geben würde. Foto: Gudath

Margot Sharma hat in ihrem Leben Hunderte antike Puppen gesammelt. In ihrem Keller hat sie ein privates Museum eingerichtet. Puppenhäuser und Wagen inklusive. Nun sucht sie einen Platz für ihre Schützlinge. Denn keiner von ihren drei Söhnen, neun Enkeln und fünf Urenkel möchte die Puppenmannschaft erben.

„Mein Mann sagt, wenn ich früher sterbe als er, holt er die BSR für meine Sammlung“, sagt Margot Sharma lachend. Doch so lustig findet die 83-Jährige die Aussicht, ihre Puppen könnten auf dem Müll landen, nicht. Zu sehr hängt sie an ihren Schätzen. Von ganz kleinen Püppchen bis zu großen Lebensechten hat Margot Sharma eine ganze Schar im Keller ihres Hauses versammelt. „Die meisten habe ich auf Ebay gekauft“, sagt die 83-Jährige.

Margots Sharmas Leidenschaft für Puppen zeigte sich früh. Schon als Fünfjährige sorgte sie für Schlagzeilen in der Zeitung. „Mausi allein im Körnerpark“, titelte ein Blatt. Die kleine Margot hatte sich mit ihrer Puppe im Wagen auf den Weg gemacht. „Fünf Mal übern Damm musste ich, aber das Kind brauchte nunmal  frische Luft“, erinnert sich Margot Sharma. Den Weg zurück nach Hause fand die Kleine nicht. Auf dem Revier in der Nogatstraße nach ihrem Namen gefragt, antwortete sie mit „Mausi“. Irgendwann war der Vater doch da und holte die kleine Margot und ihre Puppe Pummelchen ab. Noch heute liegt Pummelchen in einem baugleichen Kinderwagen. 

Jede Puppe wurde liebevoll ausgesucht.  Foto: Sabine Gudath 

Manchmal fährt Margot Sharma mit dem Treppenlift hinunter in ihr Reich im Keller, wo die Steckkissen und  Taufkleidchen zum Bügeln liegen. „Dann sitze ich hier und entdecke immer wieder neue Details und erzähle den Puppen“, sagt sie. Und es lohnt sich, Margot Sharma zuzuhören.

Als junge Frau verliebt sie sich in den Ingenieurstudenten Pramod Sharma. Sie heiraten. Die Ausbildung zur Gemeindehelferin ist damit überflüssig. Verheiratet mit einem Hindu darf sie nicht für die evangelishce Kirche arbeiten. „So richtig christlich war das nicht“, sagt Margot Sharma.  1965 brechen Pramod und Margot nach Indien auf. Mit dem Schiff „Kambodscha“ fahren sie zwei Wochen lang  nach Bombay. Genug Zeit, ein wenig Englisch zu lernen, wenn es die Kinder – vier Monate, drei und fünf Jahre alt, zulassen.

„Es war ein absolutes Abenteuer“, erinnert sich Margot Sharma. Sie findet Anstellung im Krankenhaus auf der Neugeborenenstation. „Mein Mann baute Düngemittelfabriken“, sagt Sharma, am Ende betrieben sie selber eine solche Fabrik. Doch das Leben neben einer Giftfabrik brachte gesundheitliche Probleme. Nach 25 Jahren in Indien kehren die Sharmas zurück nach Deutschland, zurück nach Neukölln. Margot Sharma arbeitet als Familienbegleiterin für kranke Kinder im Hospiz Sonnenhof.

Und sie beginnt, Puppen zu sammeln. "Braune Augen sollten sie haben", sagt Margot Sharma, weil sie selber solche hat und als Kind deswegen gehänselt wurde, und ein schönes Gesicht. „Puppen eben, mit denen ich selber gern gespielt hätte.“

Allesamt sind sie älter als Margot Sharma und dass sie den Krieg und die Zeiten unbeschadet überstanden haben, nötig ihr Respekt und  Ehrfurcht ab. Es wäre schön zu wissen, dass sie zusammen in gute Hände kommen. In Delhi gibt es ein großes Puppenmuseum, das Shankar's International Dolls Museum, erinnert sie sich. Das wäre was, wenn sich der Kreis so schlösse. Aber auch jeder andere Interessent ist ihr willkommen.