Mathe, Deutsch und Englisch sollen die Klassen 1,2, 7, 8 und 9 im Sommer nachpauken. Foto: imago images

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) will die Wissenslücken, die bei Berliner Schülern seit Beginn der Schulschließungen vor zwei Monaten aufgegangen sind, mit sogenannten freiwilligen „Sommerschulen“ stopfen, die auch in den Herbstferien angeboten werden könnten.

Angeboten werden sollen sie von freien Trägern– 15 Zeitstunden pro Woche, in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch. Das Angebot soll an die aktuellen Jahrgangsstufen 1,2,7,8 und 9 ergehen und laut einem Konzept, das dem Berliner KURIER vorliegt, vor allem an Kinder und Jugendliche gemacht werden, die „in Armut aufwachsen oder wenig Unterstützung durch erwachsene Bezugspersonen erfahren“.

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Lernrückstände klein halten

Vorschläge, wer an dem Angebot teilnehmen könnte, sollen die Klassenleitungen machen. Die Senatsschulverwaltung rechnet an Grundschulen mit etwa 4800 und an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen mit etwa 8000 potentiellen Teilnehmern. Scheeres sagte, es sei ein „Schwerpunkt ihrer politischen Tätigkeit“, Lernrückstände, die durch die teilweisen Schulschließungen entstanden sind, so klein wie möglich zu halten. Wie viel das ganze kosten soll, ist noch nicht klar; ein Sprecher der Senatorin sagte, man rechne mit einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“. Man wollen den Bezirken außerdem zusätzliche Mittel für die Reinigung der Räume, in denen die Sommerschulen stattfinden sollen, zur Verfügung stellen.

Sandra Scheeres (SPD) will Wissenslücken in den Sommerferien stopfen. Foto: dpa

An der Idee regte sich am Montag einige Kritik: Der Landesschülerausschuss sagte, die Idee sei zwar „grundsätzlich erfreulich“, äußerte sich aber verärgert darüber, dass Scheeres weder die Schüler- noch die Elternvertreter vorher befragt habe. Auch die Stadträte seien erst am Freitag informiert worden. „Wir müssen darauf achten, dass die Senatsschulverwaltung nicht die gleichen Koordinations- und Organisationsfehler begeht, wie bei der Prüfungsdurchführung oder der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes“, sagte der Vorsitzende des Landesschülerausschusses Miguel Góngora.

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FDP übt Kritik: „Diese soziale Segregation ist abzulehnen“

Der bildungspolitische Sprecher der FDP Paul Fresdorf kritisiert, dass das Angebot vor allem Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen soll, die als benachteiligt gelten: „Diese staatliche, soziale Segregation ist abzulehnen. Nicht die soziale Herkunft, sondern die individuelle Förderprognose sollte ausschlaggebend sein.“ Das Verhalten des Senats sei ideologisch getrieben, Scheeres müsse das Angebot unverzüglich für alle Kinder zugänglich machen.

Auch Norman Heise, der Vorsitzende des Landeselternausschusses, äußerte Bedenken und wünschte sich für teilnehmende Schülerinnen und Schüler eine Lernstandserhebung, damit gezielter auf Wissenslücken eingegangen werden könne.