Event-Schuhputzer Kai Bruchmann (52) schreibt in der Coronakrise auch noch Liebesgedichte Foto: Volkmar Otto

Wenn Kai Bruchmann durch die Einkaufsstraßen Berlins schlendert, schaut er den Passanten zuallererst auf die Schuhe. Rein aus beruflichem Interesse. Der 52-Jährige ist „Event-Schuhputzer“ und wird von Unternehmen für Veranstaltungen gebucht. In der Corona-Krise hat er gerade wenig zu putzen.

„Die hier könnten mal wieder etwas Pflege gebrauchen“, findet Bruchmann und zeigt auf die braunen Lederschuhe eines Mannes am Taxistand an der Müllerstraße. „Das Wichtigste ist Fett. Die Meisten stellen ihre nassen Schuhe nach einem Regenguss an die Heizung. Davon wird das Leder trocken und porös“, weiß der Experte. 

Ärger mit dem Ordnungsamt

Er würde jetzt am liebsten los legen und seine Dienste anbieten, doch das ist nicht so ohne weiteres erlaubt. „Auf öffentlichen Straßen bekomme ich Ärger mit dem Ordnungsamt“, sagt Bruchmann. Er weiß das, weil er hier im Wedding einmal „gegen eine kleine Spende“ angefangen hat und von den Ordnungshütern vertrieben worden sei. 

Dabei habe er nur herausfinden wollen, wie seine Putzkünste ankommen. Da sie seinen Kunden gefallen hätten, habe er 2011 ganz offiziell ein Gewerbe als „Event-Schuhputzer“ angemeldet und putzt nun auf Veranstaltungen, auf denen er gebucht ist. Dazu zählen Reitturniere, Geschäftseröffnungen und Unternehmensfeiern.

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Im Einsatz als Schuhputzer, putzt sich auch Kai Bruchmann selbst heraus. Er trägt einen schwarzen Anzug, weißes Hemd und eine schwarze Fliege. In seinem schwarzen Rollkoffer befördert er seine Arbeitsutensilien wie Schuhpflegemittel, Bürsten und Lappen zum Kunden.  

Doch gerade in der Corona-Krise sind derartige Großveranstaltungen nicht mehr möglich und für den selbständigen Gewerbetreibenden ist das sehr existenzbedrohend. „Ich habe zwar schon wieder erste Anfragen bekommen, aber es ist längt nicht wie vorher“, sagt er. Normalerweise liegt seine Gage bei 100 bis 200 Euro, wenn es gut laufe.

Mit Gedichten durch die Krise

Aber Kai Bruchmann ist niemand, der sich so einfach unterkriegen lässt, auch nicht, als er 2011 in eine Lebenskrise geriet, weil seine Ehe nach 13 Jahren zerbrach und er daraufhin auch sein Haus und seinen Job verlor. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er damals einen Laden für Reitsportbekleidung in einem niedersächsischen Dorf bei Cloppenburg. Statt zu verzweifeln, kehrte er in seiner Heimat Berlin zurück und wagte dort den Neuanfang als Schuhputzer. 

Nun hat Kai Bruchmann sogar noch eine neue Seite an sich entdeckt. Er schreibt Gedichte über sein Leben und hat bereits Bücher im Eigenverlag veröffentlicht. „Wunderschönes Chaos“ heißt eines seiner Werke, in denen er seine eigene Scheidung verarbeitet habe. „Es ist sehr emotional geworden“, findet Bruchmann.

Gerade  älteren Frauen würde das gefallen und er habe schon einige Bücher verkauft. Das helfe ihn zusammen mit seinen finanziellen Rücklagen die Corona-Zeit zu überstehen. Er sagt: „Ich habe mich immer allein über Wasser gehalten und werde auch diese Krise meistern.“ Kai Bruchmann ist ein Optimist.