Blick auf die Kulisse des Bereiches Alt-England im Berliner Spreepark. Foto: Lem imago

Im Jahr 2001 wurde der Spreepark, das einstige Vergnügungs-Juwel von Berlin, geschlossen – doch das Erbe des Parks lebt weiter. Dank ihm: Christopher Flade (31) betreibt auch Jahre nach dem Aus des Freizeitparks das Spreepark-Archiv. Dank Corona-Krise wächst es weiter, bei der Vervollständigung können die Berliner helfen.

Flade ist seit seiner Kindheit Spreepark-Fan, rief die Fanseite des Parks im Internet ins Leben – und übernahm vor Jahren zudem Requisiten und Ausrüstung der Park-Clowns „Hops und Hopsi“, um deren Kinder-Shows am Leben zu erhalten. Eigentlich steht er als Clown auf der Bühne – doch die Corona-Krise machte dem Geschäft einen Strich durch die Rechnung. „Jetzt, im Frühjahr, sollten wir mit unseren Kinder-Shows in Berlin und Brandenburg auf Tour durch die Kulturhäuser sein – aber alle Veranstaltungen wurden abgesagt“, sagt er. 

Christopher Flade (31) übernahm vor Jahren die Requisiten der Spreepark-Clowns „Hops und Hopsi“. Foto: Markus Wächter

Das Gute: Dadurch hatte Flade Zeit, das Spreepark-Archiv zu pflegen. „Seit Jahren schicken mir die Leute, die den Park mochten, ihre privaten Fotos. Es gibt sehr viel Material, das ich bisher nicht bearbeiten konnte, das aber nun im Netz zur Verfügung steht.“ Unter den Bildern sind ein paar echte Schmuckstücke – Aufnahmen mit Seltenheitswert. Es gebe etwa unzählige Fotos der Achterbahn „Spreeblitz“, bekannt durch das große Drachenmaul am Eingang eines Tunnels. „Und nun fand ich ein Bild, das jemand während der Fahrt aufgenommen hatte, auf dem die Bahn gerade in das Maul hineinfährt“, erzählt Flade.

Eine andere Achterbahn, die „Wilde Maus“, stand im Spreepark nur für einen Teil der Saison im Jahr 1995. „Diese Bahn vergessen alle, weil sie nur kurz gastierte und danach nach England verkauft wurde.“ Bisher gab es keine einzige Aufnahme, doch nun tauchte ein Bild der Bahn auf. Ebenfalls spannend: Ein Bild aus dem hinteren Teil des Parks – dort sollte ein Geisterschloss mit Gondeln entstehen. „Es wurde nie vollendet oder gar eröffnet, weil das Geld ausging, deshalb sind Fotos Mangelware.“

Oft sind es Details, die für den Spreepark-Kämpfer Flade und die Fans seiner Seite aufregend sind. „Viele Leute schicken Familienfotos, die sie bei einem Besuch im Park gemacht haben – und die für uns spannenden Details sind im Hintergrund zu sehen.“ Auf einem Fotos des Bereichs Alt-England ist etwa einer der Spreepark-Mülleimer in Form eines Clowns abgebildet. „So etwas ist selten, weil niemand die Mülleimer fotografierte“, meint Flade. Doch für das Archiv sind es kleine Puzzlestücke.

Allerdings fehlen auch noch allerlei dieser Puzzle-Teilchen. Es gebe etwa kaum Aufnahmen von Spuk-Haus und Spiegellabyrinth im Bereich Alt-England. „Ich habe als Kind selbst viel fotografiert, aber im Geisterhaus musste ich mich darauf konzentrieren, mir nicht in die Hose zu machen“, sagt er und lacht. Die Figuren, die hier standen, sind kaum dokumentiert. Nur ein Foto zeigt am Rand einen Sträfling auf dem elektrischen Stuhl. Aus dem Spiegellabyrinth gibt es nur ein einziges Bild – die Dame, die es aufnahm, hielt leider ihren Finger vor die Linse. 

Das Problem: „Die Park-Besucher fotografierten meistens die Maskottchen, das Riesenrad und die Achterbahnen – und nach 28 Bildern war der Film sowieso voll. Aber ich bin mir sicher, dass in den Kellern und auf den Dachböden der Berliner noch viele Aufnahmen schlummern“, erklärt Flade. Wer Bildmaterial zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Flade per Mail unter fanseite@berliner-spreepark.de melden.