Die Museumsinsel von oben. Die dortigen Museen werden nach und nach öffnen. Foto: imago-images/Schöning

Die Hauptstadt kehrt immer mehr in den Alltag zurück. Trotz der Corona-Krise dürfen ab Montag die Friseure und auch die Museen wieder öffnen. Höhere Schulklassen starten mit dem Unterricht, die BVG fährt nach normalem Fahrplan. Dazu planen Kliniken die Rückkehr zum ganz normalen  Krankenhausbetrieb. Doch es wird ein Neustart mit Hindernissen. Es sind die finanziellen Probleme, die sich nun richtig bemerkbar machen.

Auch die über 170 Museen, die es in Berlin gibt, haben Probleme.  Nur einige werden nach über fünf Wochen Zwangspause sofort am Montag unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln für die Besucher öffnen.  Dazu gehören das DDR-Museum, das Spionagemuseum, die Dali-Schau oder das Körperwelten-Museum. Andere wie das Naturkundemuseum bereiten gerade ein Onlineticket- und Zeitfenstersystem vor, wollen erst ab 12. Mai wieder eröffnen.

Die Frage, die sich nun für alle stellt: Wer wird als Besucher kommen? „Wir wissen alle, dass es keine Touristen sein werden“, sagt Christina Haak, Vize-Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin,  deren Häuser bis Mitte Mai mit eingeschränkten Besucherverkehr wieder aufmachen sollen. Dazu gehört auch die Museumsinsel. Dort machten die Touristen bis vor kurzem bis zu 80 Prozent der Besucherzahlen aus.

Wegen Corona fehlen die Touristen

Nur, wegen Corona fehlen die Touris. Daher gibt es trotz der Freude auf eine Wiedereröffnung „einen Wermutstropfen“, sagt Haak – „den der Finanzierung“. „Ein offenes Museum kostet mehr als ein geschlossenes, egal, ob darin fünf, 50 oder 500 Besucher sind. Wir werden also definitiv deutlich weniger Einnahmen erwirtschaften.“

 Die Staatlichen Museen gehen bereits von Mindereinnahmen von bis zu zwei Millionen Euro pro Schließungsmonat ihrer Häuser aus. Fehlendes Geld, aus denen in Normalzeiten Ausstellungen und Projekte finanziert wurden. Man müsse nun sehr „eng kalkulieren“. Die Vize-Generaldirektorin nennt die Konsequenzen: Für 2020 waren 60 Ausstellungen geplant. Wegen Corona müsse man abwägen, welche realisiert werden. „Bei den Überlegungen spielen natürlich viele Faktoren mit, vor allem die der Finanzierung“, so Haak.

Museen setzen auf Besucher aus Deutschland

Die Museen müssen nun um jeden Besucher kämpfen, wenn die „Stammkunden“ aus dem Ausland derzeit coronabedingt nicht kommen können. Dazu zählen vor allem Menschen aus Großbritannien, Italien oder Spanien, die einst den Großteil der ausländischen Berlin-Besucher ausmachten, so Burkhard Kieker, Chef der Tourismusagentur Visit Berlin.  Man müsse nun mehr auf Besucher aus Deutschland setzen, die auch ein hohes Interesse an kulturellen Veranstaltungen haben, zu denen auch Museen gehören.  

Doch auch für inländische Reisende ist Berlin nur dann attraktiv, wenn es etwas zu bieten hat. Visit Berlin arbeite mit dem Senat gerade an intelligenten Lösungen, so Kieker. Auch Robert Rückel setzt auf deutsche Besucher. Der Chef des Interessenverbandes Intoura weiß, dass Museen nicht nur „mit Berlinern überleben können“. Wer ein „authentisches Berliner Thema“ wie  Nazizeit, Kalter Krieg oder Mauerfall anbiete, sei im Vorteil. Dazu zählt Robert Rückel auch sein Spionagemuseum am Leipziger Platz.

De BVG, die ab heute wieder „normal“ fährt, wird die Auswirkungen der Corona-Krise noch bis ins kommende Jahr spüren, so Wirtschaftssenatorin und BVG-Aufsichtsratschefin Ramona Pop (Grüne). Der fehlende Tourismus und Berliner, die aus Angst vor Ansteckungen die Öffis meiden, führten zu einem Fahrgastrückgang von bis zu 90 Prozent. So schnell wird es täglich in den Bahnen und Bussen keine eine Million Passagiere wie früher geben.

Pop: "Corona stürzt die BVG in eine finanzielle Krise!"

„Die Corona-Krise stürzt die BVG in eine finanzielle Krise, Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe fallen weg“, sagt Pop. Sie fordert vom Bund finanzielle Unterstützung, im Senat wurden bereits Hilfen für die BVG beantragt.

Der Senat arbeitet auch daran, dass Kliniken sich wieder mehr für den eigentlichen Krankenhausbetrieb öffnen. Verschobene OPs sollen etwa wieder stattfinden. Denn mehr als die Hälfte aller Betten steht leer, die für Corona-Fälle freigehalten wurden. Dadurch entstanden den Kliniken hohe Kosten. „Es müssen nun Wege gefunden werden, diese zu refinanzieren“, sagt eine Vivantes-Sprecherin.