Für guten Sound und gute Nachbarschaft. Schallmuscheln sollen’s im Mauerpark richten. Foto: Peter Kagerer

Den einen kann es nicht laut genug sein, die anderen wollen ihre Ruhe. Im Mauerpark prallen die gegensätzlichen Bedürfnisse von Anwohnern und Parkbesuchern regelmäßig aufeinander. Der Bezirk Pankow versucht in der kommenden Saison, mit Schallschutzmuscheln Frieden zu stiften.

Sogenannte Acoustic Shells sollen erstmals zum Einsatz kommen, sie fungieren als Schallbarriere für Anwohner und verbessern gleichzeitig die Akustik für das Publikum. Michaela (52) ist Kinderkrankenschwester und wohnt direkt am Mauerpark. Sowohl den Flohmarkt als auch die Musik an Wochenenden findet sie ziemlich laut. „ Als ich hergezogen bin, war es leiser.

Deshalb sind die Muscheln besser als gar nichts. Ich fände es aber auch gut, wenn man einmal im Monat alles wegließe und dann Ruhe wäre“, sagt sie. International hat man gute Erfahrungen mit den Muscheln gemacht. Die Architekten Flanagan Lawrence sind federführend.

Acoustic Shells im Mauerpark seien eine Win-win-Situation

Für das Pilotprojekt im Mauerpark hat der Ingenieur Ulrich Schweizer eine mobile Variante der Muschel konzipiert. Ab Mai 2020 wird sie, vorwiegend an Sonntagen, im Park aufgestellt. Ihre Wirkweise wird dann auch evaluiert. Der Verein „Freunde des Mauerparks“ wird mit TU-Studenten und Mitarbeitern des Umweltamtes untersuchen, inwieweit der Einsatz sich auf den Schallschutz auswirkt.

Der Mauerpark ohne Karaoke? Für die Protagonisten in dem Video undenkbar.

Video: YouTube/Mauerparkfreunde

Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) freut sich über den versuch: „Ich bin sehr froh, dass wir das jetzt gemeinsam tatsächlich machen und gespannt darauf, wie es in der Praxis funktioniert. Wir brauchen solche innovativen Experimente zu Ausbalancierung der zunehmenden Nutzungskon- flikte.“

Alexander Puell vom Verein „Freunde des Mauerparks e.V.“ sieht in den Muscheln einen Gewinn für alle: „Im Mauerpark gibt es kein Entweder-oder, sondern alle Nutzergruppen werden von uns berücksichtigt. Die Acoustic Shells sind eine Win-win-Situation für Anwohner wie Musiker. Anwohner bekommen mehr Ruhe, Musiker bessere Akustik beim Musizieren.“

Platziert wird die Shell entlang der Schwedter Straße innerhalb des Musikbereichs. „Stimmt, es ist eine Menge Krach, aber die Leute könnten ja auch woanders wohnen“, findet der Architekt Ramfis. Trotzdem sei ein Kompromiss gut.