Mario Bade (49) Leiter des Amts Schule und Sport präsentiert die Pläne für die Mensa in Hohenschönhausen. Foto: Volkmar Otto

Sie haben sich im März auf einer Krisensitzung einen ernsten Blick zugeworfen und entschieden: Wir bauen trotz Corona weiter, keine Pause! So erinnert sich Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) an eine Situation im Rathaus. Lichtenberg hatte auch keine andere Wahl: Der Bezirk braucht dringend Schulen oder muss die alten, den man zum Teil noch den DDR-Charme ansieht, sanieren. Im Bezirk wohnen jetzt etwa 50.000 Kinder. 2008 waren es noch 31.000. Container oder modularen Ergänzungsbauten mussten her: Für gut 3000 Schüler fehlt eigentlich der Platz.    

Bürgermeister Michael Grunst und sein Schulstadtrat Martin Schaefer (CDU) zeigen auf einer Bustour durch Lichtenberg, wo und wie sie Schulen bauen oder aufhübschen. Aktuell werden 40 Gebäude saniert oder neu gebaut. Alle könne man jetzt gar nicht zeigen, sagen sie. „Die Schulbauoffensive kam zwei, drei Jahre zu spät“, sagt der Bezirkschef im Bus. Es ist nicht die einzige Spitze, die er gegen den Senat loslässt. Die klare Botschaft: Wir im Osten können das zur Not auch allein.

Bestes Beispiel dafür ist das Bauprojekt in der Wartiner Straße (Hohenschönhausen): Die Bagger rollen, die Kräne heben schwere Betonteile in die Luft. Mit eigenem Geld und auf eigene Faust baut der Bezirk hier eine Schule für 44 Millionen Euro. Im Sommer 2022 soll eine Integrierte Sekundarschule (ISS) mit gymnasialem Teil einziehen. 725 Mädchen und Jungen haben dann Platz. 

Polier Jens Schinnerl (54) ist fleißig. Die Lew-Tolstoi-Schule in Karlshorst bekommt eine neue Turnhalle.   Foto: Volkmar Otto

Warum wurden dann, als die Einwohnerzahl nach der Wende schrumpfte, so viele Gebäude abgerissen? Das wird auch Grunst häufiger gefragt. „Niemand kann sich leisten, Häuser einfach leerstehen zu lassen“, sagt er. Jetzt muss er in die andere Richtung reagieren. Sein Schulstadtrat Martin Schaefer ergänzt: „Keiner hätte gedacht, dass Lichtenberg in den letzten sechs, sieben Jahren so stark wächst.“ Er rechnet vor, dass seine Abteilung bis 2025 allein 14 Schulen neu baut und sieben reaktivieren will. 15 Schulen brauchen eine Sanierung. 

Während der Fahrt durch die Sewanstraße zeigen Grunst und Schaefer auf eine Schule, komplett aus Holz erreichtet. Ein Vorzeigestück, die Einweihung war im März.

An der Lew-Tolstoi-Schule im Römerweg lernen viele russischsprachige Kinder. Foro: Volkmar Otto

Im leichten Kontrast zu dem schicken Holzhaus wirken die älteren Plattenbauten, die in Lichtenberg jetzt erweitert und mit Neuem ergänzt werden. Wie die Lew-Tolstoi-Europaschule im Römerweg in Karlshorst, wo der Bus wieder hält. Hier müssen die Kinder im Container leren. Doch das ist keine Dauerlösung. Die Grundschule bekommt einen Anbau, um künftig nicht mehr zwei- sondern vierzügig zu sein. Eine große Sporthalle kommt dazu. Kosten:  17 Millionen Euro. Nächstes Jahr im Sommer sollen die Gebäude fertig sein. Die Arbeiten an den Außenanlagen sind im Dezember 2021 beendet.    

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (50, Linke). Foto: Volkmar Otto

Michael Grunst ist Anhänger des 1.FC Union Berlin. Eine Sportstätte soll jetzt auf seiner Tour nicht fehlen. Nächster Halt ist also die Sporthalle in der Dolgenseestraße, die eine Komplettsanierung und einen barrierefreien Zugang bekommt. Im Oktober soll alles fertig sein. Lichtenberg habe etwa 80 Sportvereine, doch an vielen Turnhallen wurde über 20 Jahre nichts gemacht, sagt Schaefer. Der Architekt vor Ort sagt, seit seiner eigenen Schulzeit habe sich die Halle jahrzehntelang nicht verändert. Bis zur Sanierung jetzt.   

Letzter Halt: Die Mensa am Breiten Luch, direkt neben dem Linden-Center (Hohenschönhausen). Der Flachbau bekam die Komplettsanierung für zwei Millionen Euro. Hier können sie nicht nur essen, sondern auch feiern. Wenn alles fertig ist.